EP-Release-Konzert von Triste im TiK Dornbirn
Harte Musik mit Herzblut von einer sympathischen Truppe
Darius Grimmel ·
Apr 2026 · Musik
Wenn der Sänger einer Band das Konzert auf dem Rücken liegend beendet, ist meistens entweder etwas gründlich schief, oder besonders gut gelaufen. Im Falle von „Triste“ aus Dornbirn kann man mit Sicherheit sagen, dass letzteres der Fall war und er einfach von seiner eigenen Begeisterung und Erschöpfung überwältigt wurde. Seine Bühnenpräsenz trug die ganze Band durch den kompakten, aber extrem energiereichen Konzertabend, der anlässlich des Vinyl-Release von Tristes erster EP „stalemate“ aus dem Jahr 2025 stattfand.
Nach den atmosphärischen, klanglichen Nebelschwaden, die der Intro-(Backing-)Track heraufbeschwört, beginnt die erste Nummer „empty place“, die auch den Opener der EP darstellt.
Die sauberen, arpeggierten Akkorde des Leadgitarristen, die diesem Song seine besondere Färbung geben, sind gleichzeitig ein Wiedererkennungsmerkmal der Band, das auch in vielen anderen ihrer Songs anzutreffen ist. Insgesamt bewegt sich der Sound der Band in einem Spannungsfeld zwischen Post-Hardcore- und ruhigen Post-Rock-Elementen, die den Songs oftmals interessante Konturen und Stimmungen verleihen. Das grundlegende Arrangement der Rhythmusgruppe und die emotionalen Screams und Shouts des Sängers sind stärker von Post-Hardcore/Metal beeinflusst, während die intelligente Gestaltung der Gitarrensounds hin und wieder an den vielbeachteten Soundtrack der Anime-Serie „Death Note“ erinnert. Der Bass darf in cremiger, obertonreicher Sättigung schwelgen, aber überdeckt dabei aber niemals die Gitarren, die hingegen meistens nur gerade so viel wie nötig verzerrt, oder sogar clean inszeniert sind. Der Bassist unterstützt den Hauptsänger hin und wieder bei den Shouts und die unterschiedlichen Stimmfarben harmonieren prächtig, um diesen Passagen noch mehr Durchsetzungskraft zu verleihen.
Apathie und Verzweiflung
Über dem eher nach innen gekehrten Bandsound schweben völlig losgelöst die intensiven Screams des Sängers. Triste erzeugt so eine beeindruckende und sehr eigentümliche Stimmung. Apathie und explosive Verzweiflung stehen im Bandsound direkt nebeneinander, was die Themen der Lyrics musikalisch bestens unterstreicht. Vor diesem Hintergrund mag Kenner:innen möglicherweise die Melodic-Death-Metal-Band Ghost Brigade in den Sinn kommen, die in ihrer Musik ebenfalls mit diesem Spannungsfeld spielen. Obwohl die Cleangitarren bei ihnen ähnlich zum Einsatz kommen, sind die Rollen bei Ghost Brigade vertauscht. Dort stellen die elegischen Gesangsmelodien nämlich oftmals das ruhige Zentrum inmitten eines wilden Sturms aus Metalgitarren und Drums dar.
Starke Dynamik und durchdachte Songstrukturen
Triste kann auch in den folgenden Nummern mit starker Dynamik und einer sattelfesten Rhytmusgruppe glänzen, wenngleich das Ohrwurmpotenzial des Openers vorerst nicht wieder erreicht wird, da die dargebotenen Songs sich überwiegend in der selben Tonart und in ähnlichen Tempi bewegen. Doch es gibt trotzdem einige Momente, die dieses Debüt zu einem ganz besondern machen. Am Ende der zweiten Nummer („molly aida“) zum Beispiel formiert sich die Band dreimal in voller Lautstärke auf dem Grundton, jeweils von einem langgezogenen Schrei des Sängers begleitet und nur von einem kurzen Schlagzeugfill unterbrochen, bevor die Band vor dem vierten Scream unvermittelt aussetzt und diesen allein im Raum stehen lässt. Die Stimme des Sängers überschlägt sich, aber er hält den Schrei kraftvoll aus. Ein Moment, der wirklich unter die Haut geht und merken lässt, wie viel Herzblut in diesem Bandprojekt steckt.
Im letzten Drittel des Songs „vagabond“ kommt es zu einem ruhigen Zwischenspiel, währenddessen der Frontmann von der Bühne ins Publikum hinabsteigt. Nur von resignativen Cleangitarren begleitet, deklamiert er mit seinem intensiven Screaming bekenntnishaft in Richtung Bühne und reißt die Band letztendlich mit in eine brillante Steigerung, die ins Finale des Songs mündet.
Eine der besten Nummern zum Schluss
Als ein weiterer Höhepunkt des Konzertes entpuppt sich die Nummer „fever dream“, die willkommene Abwechslung auf rhythmischer Seite und eine überraschende Songstruktur bietet. Da diese auf der veröffentlichten EP nicht zu finden ist, darf man hoffen, dass schon bald mehr neues Material von Triste folgen wird.
Ebenso stark ist auch der Rausschmeißer „preservation“, dessen schnelleres Tempo sofort für die Entwicklung eines kleinen Moshpits sorgt. Die Melodien der Leadgitarre sind hier zudem deutlich greifbarer als bei manchen der vorangehenden Songs und zum Ende der Nummer brennt sich die immerzu wiederholte Line „I want my future back“ regelrecht ins Gedächtnis.
Der Sänger führte das Publikum auf sehr sympatische Weise durch das kurze Programm und die Zuhörer:innen, von denen offenbar einige mit den Bandmitgliedern persönlich bekannt waren, würdigten das gelungene Konzert der Albumprästentation mit anhaltendem Jubel.