Zwei Musiker – ein gemeinsamer Atem
Das Duo Kollektiv begeisterte mit seinem lebendigen musikalischen Dialog
Silvia Thurner · Jän 2026 · Musik

Zum Auftakt der neuen Konzertsaison der Chopin Gesellschaft Vorarlberg musizierten der Akkordeonist Raphael Brunner und der Flötist Juan Carlos Díaz Bueno, das Duo Kollektiv, im schönen Ambiente des Guido-Feger-Saales in Triesen (FL). Aus gesundheitlichen Gründen musste die Sopranistin Isabel Pfefferkorn ihr Mitwirken absagen. Doch die beiden Musiker sind bestens aufeinander „eingeschworen“ und zogen auch im Duo die Zuhörenden mit ihren Geschichten sowie ihrer kreativen Spielart in den Bann. Das Konzert wurde durch mehrere Eigenkompositionen bereichert und erhielt dadurch einen sehr persönlichen Touch.

Juan Carlos Díaz Bueno und Raphael Brunner lernten einander vor elf Jahren am damaligen Vorarlberger Landeskonservatorium kennen. Ihre Vorliebe für ethnische Musik, die zu einem großen Teil aus dem künstlerisch-kompositorischen Diktion der lateinamerikanischen Musik sowie Astor Piazzolla und dem Tango Nuevo schöpft, brachte die beiden zusammen und prägt ihr musikalisches Schaffen bis heute. Die Werkauswahl öffnete ein weites Spektrum an musikalischen Ideen.
Mit einer Analogie zum Säen, Wachsen und allmählichen Gedeihen spielte Juan Carlos Díaz Bueno in seinem Werk „Panorama“, das klangsinnlich mit zunächst als Verzierungen wahrnehmbaren Floskeln den melodischen Fluss weitete. Mitteilsam wirkte auch das Werk „Lichtball“. Die fein ziselierte melodische Linie schimmerte nuanciert. Allmählich wurde der Energiefluss beschleunigt, kommunikativ nahm ihn Raphael Brunner auf und entwickelte ihn weiter.
Mit sympathischen Geschichten führten die Musiker in ihre Werke ein und hatten damit das Publikum sofort auf ihrer Seite. Im Saal stellte sich eine angenehm lockere, zugleich aber stets konzentrierte Stimmung ein. Es war offensichtlich, dass die beiden Musiker von dieser Atmosphäre beflügelt wurden.

Äußere Ruhe, innere Unruhe musikalisch in Szene gesetzt

Raphael Brunners Komposition „Soong“ thematisiert eine entspannte Lebenshaltung, wie sie die Musiker im Rahmen einer Konzertreise in Taiwan erlebten. Was sich bei äußerlicher, meditativer Ruhe im Inneren bewegen kann, fasste der Akkordeonist in seinem Werk „Soong“ musikalisch eindrucksvoll zusammen. Durch eine ausgeklügelte Rhythmik entwickelte sich auf einem wellenförmig umspielten Referenzton eine enorme Schubkraft.
Entspannung bot Raphael Brunners Werk „Portara Naxos“, das in Form einer Naturbetrachtung eine große musikalische Weite implizierte. Auch das etwas ältere Werk „Plátano“ lebte von kraftvollen, aus lateinamerikanischer Musik herauskristallisierten musikalischen Ideen. Mit viel Kommunikation und dynamischen Variationen entwickelte sich zwischen Juan Carlos Díaz Bueno und Raphael Brunner ein virtuoser Drive. Unterschiedliche Flöten sowie der Einsatz der Melodika belebten das Werk mit kreativen Klangballungen und farbigen Schattierungen.

Viele musikalische Inspirationsquellen

In den beiden Traditionals „Both“ sowie „Erzurumi Shoror“ brachte das Duo Kollektiv seinen weit gefassten musikalischen Horizont zur Geltung, der auch in Volksliedern aus Indien, Serbien und Albanien begründet liegt. Aufhorchen ließ dabei Raphael Brunners variantenreiche Perkussion auf seinem Akkordeon. Eine sympathische Idee war zudem die Einbeziehung des Publikums, mit an- und abschwellenden Windgeräuschen. Amüsant stellte der Akkordeonist am Schluss mit seinem Blasebalg klar, dass er das „letzte Wort“ hat.
Auch in den Werken „Army Dreamers“ von Kate Bush, „Esperanza“ von Marc Perrone und Astor Piazzollas „Oblivion“ sowie Sidney Bechets „Egyptian Fantasy“ lenkten neben der freudvollen Spielart zahlreiche spieltechnische Raffinessen des Duos Kollektiv die Aufmerksamkeit auf sich.

Hörtipp:
Anfang Jänner 2026 hat Raphael Brunner sein neues Album „In the box“ auf allen gängigen Streamingplattformen publiziert. Darauf finden sich unter anderem die Werke „Portara Naxou“ sowie „Soong“.

 

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