Wünsche, Maß und Glück
Ein Märchen für die Adventzeit
Martina Nachbaur · Dez 2025 · Kinder

Kurz vor Weihnachten bringt die Theatermacherin Sarah Wissner das Märchen vom „Fischer und seiner Frau“ als Figurentheater auf die Bühne des Spielbodens Dornbirn und nach Lustenau – eine kindgerechte Auseinandersetzung mit dem Wunsch nach „mehr“ und ein stimmungsvolles Theatererlebnis inmitten des Weihnachtstrubels.

Sprachliche Leichtigkeit

Wissner, die sich selbst als „Fantasieanschieberin“ beschreibt, nimmt sich der bekannten Erzählung über Maßlosigkeit und Gier mit viel sprachlicher Leichtigkeit an. Ausgehend von der Grimm’schen Vorlage befreit der Fischer einen sprechenden Butt, der Wünsche erfüllen kann. Auf Drängen seiner Frau werden diese Wünsche immer größer: vom einfachen Haus zur Villa, vom Schloss zur Königswürde bis hin zu päpstlicher Macht – und schließlich zum Wunsch, selbst Gott zu sein.
Diese Übersteigerung des Immer-Mehr bildet den dramaturgischen Kern der Inszenierung. Die Veränderungen im Bühnenbild – gestaltet von Nicola Minssen und bewusst auf wenige, aber markante Requisiten reduziert – sollen den jungen Zuschauer:innen die wachsende Gier nachvollziehbar machen. Auch der berühmte Ruf „Manntje, Manntje, Timpe Te…“, aus der plattdeutschen Fassung des Malers Otto Runge, wird als wiederkehrendes musikalisches Element eingesetzt.

Humor, leichte Skurrilität und eine starke Bildsprache

Die Inszenierung arbeitet mit einem originellen Perspektivenwechsel: Sarah Wissner tritt selbst als Figur in Erscheinung – und zwar in der Rolle von Gott. Ihre Figuren agieren dabei weniger wie klassische Puppen, sondern wie eigenständige Bühnenpartner:innen, die das Geschehen kommentieren, widersprechen oder humorvoll brechen. Wissners künstlerische Handschrift – geprägt durch ihre Arbeiten im Objekt- und Figurentheater sowie durch die Zusammenarbeit mit Regisseur und Puppenbauer Lutz Großmann – zeichnet sich durch feinen Humor, leichte Skurrilität, eine prägnante Bildsprache und experimentierfreudige Gestaltung aus. Kritiken zu früheren Aufführungen verweisen auf ihre charakteristische Mischung aus klugem Konzept und spielerischer Leichtigkeit. Die Frankfurter Rundschau urteilte 2022: „ein superschlaues Konzept (…) klug und lustig“. 


 

 


Passend zur Adventszeit

Wünsche gehören zur Adventzeit wie Lichter und Kekse – und genau hier setzt die Inszenierung an. Das Märchen ist in vielen europäischen Kulturkreisen verbreitet und wurde in zahlreichen Formen adaptiert – als Oper, Singspiel, Bilderbuch oder Film.
Zwischen Wunschzetteln, Geschenklisten und großen Erwartungen regt die Geschichte behutsam zum Nachdenken an: Wann ist genug genug? Was macht wirklich zufrieden? Und wie fühlt es sich an, wenn Wünsche erfüllt werden – oder eben nicht? Die Inszenierung zeigt mit Humor und poetischer Bildsprache, wie sich Zufriedenheit jenseits materieller Wünsche ausdrücken kann.

Für einen gelungenen Familienausflug ins Theater

Empfohlen für Kinder ab vier Jahren, eignet sich das Märchen für einen gemeinsamen Theaternachmittag. Besonders schön wird der Theaterbesuch, wenn er auch gemeinsam vorbereitet wird: Ein Blick ins neue Kinder-Monatsprogramm der KULTUR, die gemeinsame Auswahl des Stücks und die Vorfreude auf den Nachmittag können das Erlebnis vertiefen. So wird der Theaterbesuch zu einem besonderen Moment in der Adventszeit.

Sarah Wissner: „Der Fischer und seine Frau“
Figurentheater für Kinder ab 4 Jahren (bis 4. Schulstufe)
Dauer: ca. 40 Minuten
Sa, 20.12., 15 Uhr, Spielboden Dornbirn, www.spielboden.at
So, 21.12., 15 Uhr, Reichshofsaal Lustenau

 

Teilen: Facebook · E-Mail