Von der Bitte um Erbarmen zum Licht der Hoffnung
Viel Applaus für den Bregenzer Kammerchor unter der Leitung von Hubert Herburger und Barbara Salomon
Silvia Thurner · Jun 2026 · Musik

Sakrale Chormusik unter dem Leitgedanken „Miserere“ stand im Mittelpunkt der Basilikakonzerte Rankweil mit dem Bregenzer Kammerchor unter der Leitung von Hubert Herburger und der Organistin Barbara Salomon. Eine dichte Atmosphäre stellte sich im vollbesetzten Kirchenraum ein, den der hervorragend disponierte Chor mit einer aussagekräftigen Werkauswahl erfüllte. Im Mittelpunkt stand die Uraufführung des „Ave Maria“ von Thomas Thurnher, das im Auftrag der Basilikakonzerte entstanden ist. Passende Akzente und musikalische Reflexionsebenen setzte die Organistin Barbara Salomon. Sie formte die melodischen Linien und harmonischen Verläufe der dargebotenen Kompositionen wunderbar transparent und ebenmäßig aus.

Dem Konzertprogramm entsprechend stand am Beginn des Chorkonzerts das berühmte Miserere von Gregorio Allegri. Bereits mit dieser Werkdeutung zeigten der Bregenzer Kammerchor und Hubert Herburger ihre Qualitäten eindrucksvoll auf. Klar ausgesungene Phrasierungsbögen und ein sprechender, textdeutlicher Duktus mit prägnanten Artikulationen, verbunden mit einer gut ausgeloteten Dynamik, ergaben ein hervorragend abgestimmtes musikalisches Ganzes. Aufhorchen ließen überdies die in sich ruhenden Tenorsoli.
Den Höhepunkt des vielsagenden Konzertes bildete die Uraufführung des „Ave Maria“ von Thomas Thurnher. Die Komposition war ein Auftragswerk für den Bregenzer Kammerchor, und es wurde deutlich, dass der Komponist die Stärken des Chores genau kennt und diese wirkungsvoll zur Geltung brachte. Von oben nach unten wurde zunächst ein robuster Zusammenklang aufgebaut, von dem aus sich auf einem starken Bassfundament und in einem wiegenden Duktus die melodischen Linien ausgewogen entfalteten. Der Chorsatz lotete dabei die oberen und unteren Stimmregister im Wechsel ebenmäßig aus. Nicht ganz homogen gelang den Sänger:innen der Mittelteil mit den punktierten Notenwerten. Doch gleich danach entwickelte der Chor mit den glockenartig dargebotenen Passagen auf das Wort „Jesus“ und einem harmonischen Stimmenausgleich im abschließenden „Amen“ eine eindrückliche Schlusssteigerung.
Auch „Memorare“, eine weitere Komposition von Thomas Thurnher, erklang gut artikuliert. Die ausgeglichenen Stimmführungen, mit ihren choralartigen und teilweise modal gesetzten Linien, kamen hervorragend zur Geltung.
Den romantischen Geist von Josef Gabriel Rheinbergers „Hymne Nr. 2“ aus den „Drei geistlichen Gesängen“, op. 69, zelebrierten die Chorsänger:innen mit polyphon ausgeformten Linien und feinsinnig entfalteten Melismen der Innenstimmen. Giuseppe Verdis opulentes „Pater Noster“ stellte für den Chor eine Herausforderung dar. Doch die abwechselnd in sich ruhenden Passagen und die opernhaften Steigerungen erklangen mit einem ausgeprägten Sprachduktus.
Mit dem „Gebet“ des ukrainischen Komponisten Mykola Lyssenko, einem homophon gesetzten Chorlied, ließen der Bregenzer Kammerchor und Hubert Herburger die weltpolitische Lage nicht außen vor. Aufhorchen ließ überdies die Interpretation des Chorwerkes „Verbum supernum prodiens“ von Damijan Močnik, das vor allem durch seine dicht verflochtenen Linien und den harmonischen Modalcharakter bestach.
Die stilistisch breit gesteckte Werkzusammenstellung verlangte den Sänger:innen viel ab. Deshalb machten sich insbesondere in „Herr, auf dich traue ich“ von Heinrich Schütz und im Bach-Choral „Unter deinen Schirmen“ aus „Jesu, meine Freude“ (BWV 227) intonatorische und klangliche Ermüdungserscheinungen bemerkbar. Nichtsdestotrotz hinterließ der Bregenzer Kammerchor unter der Leitung von Hubert Herburger einen starken Eindruck.

Eine beeindruckende Partnerin an der Orgel

Dramaturgisch war das Konzert hervorragend aufgebaut, indem Barbara Salomon an der klangschönen Pflüger-Orgel zwischen die a-cappella-Chordarbietungen ausdrucksstarke Kompositionen stellte. Bereits mit dem Einleitungsstück spielte die Organistin ihre Meisterschaft aus. Wirkungsvolle Registrierungen verliehen Nicolaus Bruhns’ Präludium in G-Dur ein markantes Profil, das zudem von akkuraten Themenführungen und Figurationen lebte. Dabei wurden naturhafte Stimmungen und zahlreiche Affekte beziehungsreich aus dem melodischen Fluss herauskristallisiert. Im Mittelpunkt der Orgelwerke stand „Mad Rush“ von Philip Glass. Die stringente Spielart der Organistin bot beste Voraussetzungen, um die vielfältigen klangfarblichen Schattierungen nuanciert auszuformen. Den Bewegungsfluss der einzelnen Patterns setzte Barbara Salomon vielgestaltig und mit einer in sich ruhenden Ausdruckskraft in Szene.
Musikalische Kontraste setzte die Organistin im Dialog mit dem Chor. So entfaltete sie unmittelbar nach Allegris „Miserere“, die II. Cantilene aus der Sonate Nr. 11 in d-Moll, op. 148 von Josef Gabriel Rheinberger und bot damit eine willkommene Reflexionsfläche für das vorangegangene Werk.
Der Kammerchor führte in seiner Werkauswahl die emotionale Aussage, ausgehend vom „Miserere“, der Bitte um Erbarmen, hin zu zuversichtsschenkenden Kompositionen von Schütz und Bach. Auch diese Wendung unterstrich Barbara Salomon eindrucksvoll mit dem imposant interpretierten Präludium in e-Moll (BWV 548) von Johann Sebastian Bach. Das Werk erklang in zügigem Tempo mit prachtvoller Registrierung als kraftvolle Antwort auf Thomas Thurnhers Anbetungen an Maria.

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