Vier Hände, drei musikalische Welten
Kathrin Nußbaumer und Arndt Rausch begeisterten in Kennelbach
Silvia Thurner ·
Sep 2026 · Musik
Ein Konzert mit Seltenheitswert gaben die Pianistin Kathrin Nußbaumer und der Pianist Arndt Rausch in der Villa Grünau im Rahmen der Konzertreihe „Kultur in Kennelbach“. Beide sind in Vorarlberg als herausragende Künstlerpersönlichkeiten bekannt. Nun trafen sie sich vierhändig am Klavier und präsentierten Kompositionen, die fast nie im Konzertsaal zu hören sind. Die Symphonie für Klavier zu vier Händen von Claude Debussy, die Suite op. 19 von Charles Koechlin sowie die Große Sonate, op. 122 von Josef Gabriel Rheinberger ergaben ein musikalisches Kompendium, das von der souveränen Interpretationskunst der Duopartner:in lebte.
Alle drei großangelegten Werke sind Ende des 19. Jahrhunderts entstanden. In ihrer Anlage zeigten sie dennoch ganz unterschiedliche klangliche Welten auf. Claude Debussy hatte mit seiner einsätzigen Symphonie in h-Moll an eine spätere Orchestrierung gedacht, die dann aber nicht mehr realisiert wurde. Das Particell ist im spätromantischen Stil angelegt und entfaltete eine große Klangpracht. Straff artikulierten Arndt Rausch im Primopart und Kathrin Nußbaumer im Secondopart die Themen, entfalteten sie transparent und gaben sich dabei die Motivketten wunderbar aufeinander abgestimmt in die Hand. Teilweise stieß jedoch der Flügel, hauptsächlich in den exponierten höheren Lagen, an seine klanglichen Grenzen.
Kompositorisch als vierhändiges Klavierstück austariert, erklang die Suite von Charles Koechlin, op. 19. Das musikalische Schaffen des französischen Komponisten, einem Zeitgenossen von Debussy und Schüler von Fauré, wird seit rund 20 Jahren wieder neu entdeckt, und so finden sich vermehrt seine Werke in Konzertprogrammen. Kathrin Nußbaumer und Arndt Rausch kristallisierten die unterschiedlichen Charaktere der fünf Suitensätze abwechslungsreich heraus. Sie spannten einen ausdrucksstarken Bogen von kontrapunktischen Linienführungen im ersten Satz über einen mit einem gemeinsamen Atem gestalteten „Lied“, dem spielerisch und humorvoll in den Raum gestellten „Feuillet d’album“ hin zum lyrischen „Berceuse“. Spannung bot insbesondere der Finalsatz, in dem Tonballungen und signalartige Motive einen großen Tonraum ausfüllten. Hier zeigte sich die exakt aufeinander abgestimmte Anschlagskultur der Pianistin und des Pianisten. Virtuos führten sie die Stimmen gegen- und miteinander und brachten die spezielle Harmonik des expressionistischen Satzes zur Geltung.
Hervorragend zu diesen beiden Werken passte die Große Sonate in c-Moll, op. 122 von Josef Gabriel Rheinberger. Fein phrasiert umkleideten die Klavierpartner:innen im ersten Satz die Hauptthemen mit melodischen Girlanden und verliehen damit dem dichten, kontrapunktischen Satzgefüge eine transparente Leichtigkeit. Dabei forderten sich die beiden gegenseitig heraus und musizierten mit kammermusikalischem Geist. Auch in diesem Allegro marcato wirkten die hohen Lagen mitunter etwas grell. Das Ebenmaß im Anschlag und die exzellente dynamische Ausgestaltung zeichneten das lyrische Adagio aus. Wie bereits Koechlins „Feuillet d’album“ spielten Kathrin Nußbaumer und Arndt Rausch in Rheinbergers Minuett den tänzerischen und an Salonmusik erinnernden Charakter mit eleganter Stimmführung und Begleitung aus.
Virtuos griffen sie im Finale „Alla Tarantella“ in die Tasten, steigerten sich in die kauzige Chromatik und in die in rasenden Tempi dargebotenen Läufe hinein. Dabei griffen die melodischen Linien perlend ineinander und erhielten von unten eine mitreißende Schubkraft.
Die Stimmung im schönen Salon der Villa Grünau war hervorragend und das Publikum hörte aufmerksam zu. Die unterhaltsamen und informativen Werkeinführungen von Arndt Rausch boten den Zuhörenden spannende Einblicke in die drei Werke und ließen die Grenze zwischen den Musizierenden und den Zuhörenden sympathisch verschwimmen.