The Sisters of Mercy: Zwischen Legendenstatus und Zimmerlautstärke Daniel Furxer · Nov 2026 · Musik
Die Legenden des Gothic Rock der 1980er und 1990er Jahre standen am Freitag im Event Center in Hohenems auf der Bühne. Ihrem Legendenstatus wurden sie an diesem Abend allerdings nicht gerecht.
15 Minuten lang bauten sie mit sphärischer Musik und abgedunkeltem Licht Spannung auf. Nicht das Schlechteste am Vorabend von Halloween. Auch wenn die Show selbstredend nicht auf dieses Fest abgestimmt war. Der Auftritt begann mit viel Nebel und zahlreichen Spots, die die Musiker in grelles Gegenlicht tauchten. Von hinten wurde der Nebel abwechselnd rot, pink, grün oder blau beleuchtet. Was man als guten Effekt für den Beginn einer Show sehen kann, wurde konsequent bis zum Schluss durchgezogen. Kein einziges Mal verirrten sich die Schattenwesen ins Licht, es blieb düster. Das kann man mögen oder nicht.
Was sofort auffiel, war die Zurückhaltung bei der Lautstärke. Selbst in den vorderen Reihen hatte man das Gefühl, dass die Boxen auf Wohnzimmerlautstärke eingestellt waren. Etwas kraftlos spielten sie die ersten Songs, die teilweise aus dem neueren, bislang unveröffentlichten Repertoire der Band stammten. Der Drumcomputer, der liebevoll „Doktor Avalanche“ genannt wird, leistete indes gute Arbeit und pumpte den Sound.
Im Schatten der eigenen Legende
Sänger und Bandleader Andrew Eldritch, als einziger noch aus der Gründungsformation dabei, sang erschreckend leise und nuschelte oft ins Mikrofon. Er schlich auf der Bühne herum und versuchte sich gelegentlich an einer großen Geste. Viel mehr Bühnenpräsenz war an diesem Abend nicht zu sehen.
Erst mit ihrem Hit „More“, nach ungefähr zwei Dritteln der Show, wurden sowohl der Sound als auch die Action auf der Bühne etwas besser. Es war ein kleines Aufbäumen und der Versuch, das Publikum doch noch mit ins Boot zu holen. Die beiden Gitarristen Kai und Ben Christo bemühten sich redlich, mit ihrem Gitarrensound mehr Fülle in den Gesang zu bringen. Auch beim abschließenden „Temple of Love“ war mehr Drive zu spüren. Eines muss man ihnen zugute halten: Sie schafften es, die meisten der bekannten Songs im Set unterzubringen, ohne dass es eine Best-Of-Show wurde. Doch der richtige Durchbruch wollte nicht gelingen.
Drei Zugaben und insgesamt 80 Minuten später verließen sie die Bühne. Ein „Danke“ und ein paar unverständliche Worte auf Englisch waren gegen Ende das Einzige, was Eldritch dem Publikum mit auf den Heimweg gab. Während der gesamten Show kam kaum eine Interaktion mit den Zuhörer:innen zustande. Viele Legenden, die heutzutage wieder auf Tour sind, schaffen es, Gefühle einzufangen, mit dem Publikum in Kontakt zu kommen und es an die eigene Jugend zu erinnern. Das klappte in diesem Fall nicht. Ist aber auch etwas schwierig, wenn man sich hinter einer Sonnenbrille und einer dichten Nebelwand versteckt.
Den Draht zum Publikum herzustellen, schaffte zumindest die Vorband The Hiveminds aus Norwegen. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten lieferten sie guten Post-Rock und Dark Pop ab.