Stabübergabe nach 30 Jahren Theatergeschichte
Ein Neubeginn im Theater Kosmos
Dagmar Ullmann-Bautz · Nov 2025 ·

Das Theater Kosmos bleibt in männlicher Hand. Bei der Pressekonferenz am Montag wurde jenes lang gehütete Geheimnis gelüftet, das seit dem vergangenen Sommer im Raum stand: Die beiden Theaterleiter Augustin Jagg und Hubert Dragaschnig übergeben nach drei Jahrzehnten ihr Lebenswerk an den Autor und Regisseur Josef Maria Krasanovsky. Ein großer Schritt – emotional, bedeutend und gleichzeitig wichtig für die Zukunft des Hauses.

Drei Jahrzehnte Theaterarbeit, Mut und gemeinsames Gestalten

Im Herbst 2026 sind es exakt 30 Jahre her, dass zwei junge Theaterschaffende voller Energie, Neugier und Leidenschaft daran gingen, ein neues Theater in Bregenz aufzubauen. Von ihren frühen Anfängen auf der Hinterbühne der Bregenzer Festspiele über den Umzug ins Schöller Areal im Jahr 2005 haben sie über all die Jahre eine große, treue Gemeinschaft theaterinteressierter Menschen angezogen und – meistens – auch glücklich gemacht.
Sie kümmerten sich um Nachwuchs, gaben jungen Regisseur:innen, Schauspieler:innen und Autor:innen Raum und Unterstützung. Mit dem Kosmosdrom schufen sie eine eigene junge Theaterschiene. Dazu kamen eigene Inszenierungen, eigene Rollen, die stetige Verbindung zur österreichischen Theaterlandschaft und schließlich die Gründung der Theaterallianz – eine bundesweite Plattform für zeitgenössisches Theater, die in regelmäßigen Abständen einen Wettbewerb für Theaterautor:innen ausschreibt. Kurz gesagt: Sie haben Spuren hinterlassen, die weit hinausreichen.

Ein kluger Übergang zur rechten Zeit

Drei Jahrzehnte lang waren die Namen Jagg und Dragaschnig untrennbar mit dem Theater Kosmos verbunden. Sie haben Theater gelebt – mit Begeisterung, Beharrlichkeit und einem offenen Blick für das, was zeitgenössische Bühnenkunst braucht. Nun den passenden Moment zu wählen, um dieses Lebenswerk weiterzugeben, ist nicht nur mutig, sondern auch richtig. Und es geschieht mit einem sichtbaren Gefühl der Ruhe und Gewissheit, dass das Haus weitergehen wird – vielleicht anders, aber getragen von derselben Liebe zur Kunst.
Genau das vermittelten die beiden bei der Pressekonferenz: Sie legen das Theater Kosmos mit einem guten Gefühl in die Hände von Josef Maria Krasanovsky. 2026 wird ihr letztes Jahr als Leitungsteam sein, ab 2027 übernimmt Krasanovsky die künstlerischen Geschicke und freut sich darauf, „diesen wichtigen Ort für zeitgenössisches Theater in Vorarlberg in Zukunft weiterentwickeln zu dürfen.“

Der zukünftige Theaterleiter: Josef Maria Krasanovsky

Geboren 1976 in Salzburg, hat Krasanovsky die letzten Jahre als freischaffender Regisseur und Autor in Wien gelebt. Neben seiner künstlerischen Arbeit unterrichtet er an der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Wien sowie an der Schauspielakademie Passau.
2023 erhielt er den Autorenpreis für zeitgenössische Dramatik der Theaterallianz Österreich für sein Stück „mondmilch trinken immer und jetzt / dein solarplexus ist mir egal“. Die Uraufführung inszenierte er selbst im Rahmen der Bregenzer Festspiele 2024 – ein Umstand, der den Kosmosleitern die Möglichkeit gab, den potenziellen Nachfolger genauer kennenzulernen. Es folgten intensive und ausführliche Gespräche – mit dem Kandidaten, mit dem Team vor Ort, aber auch mit den Verantwortlichen aus Stadt, Land und Bund bis die endgültige Entscheidung im Sommer 2025 gefallen ist.

Theater als Ort des Diskurses und der Irritation

Krasanovsky ist überzeugt, dass Theater gerade in Zeiten gesellschaftlicher und politischer Unsicherheit ein wichtiger Impulsgeber ist. Es darf, es soll, es muss auch irritieren. Mit seinem Stück „mondmilch trinken“ hat er einen ebenso fantasievollen wie provozierenden Abend präsentiert, der zum Nachdenken und Diskutieren angeregt hat.
Für ihn soll das Theater Kosmos ein Ort der Begegnung bleiben – für Publikum, Theatermacher:innen, ein Ort für neue Stimmen, neue Ideen und Formate. Er freut sich darauf, die Kolleginnen und Kollegen im Land kennenzulernen und legt allergrößten Wert auf nationale wie internationale Vernetzung.

Dank, Wertschätzung und ein Blick nach vorne

Zum Abschluss meldete sich Kulturstadtrat Reinhold Einwallner (SPÖ) zu Wort. Er dankte Jagg und Dragaschnig für ihr jahrzehntelanges Engagement und begrüßte den neuen Leiter mit Vorfreude auf inspirierende und herausfordernde Theaterstunden.
Dass Krasanovsky seine neue Aufgabe nicht nur mit Enthusiasmus, sondern auch mit großem Respekt angeht, zeigt eine persönliche Entscheidung: Seit Herbst 2025 absolviert er an der Universität Zürich den Lehrgang Executive Master in Arts Administration, der Führungskräfte im Bereich Performing Arts professionell vorbereitet. Wir von der Zeitschrift Kultur freuen uns auf ein letztes, intensives Theaterjahr mit Augustin Jagg und Hubert Dragaschnig – und ebenso auf die neuen Impulse, die Josef Maria Krasanovsky ab 2027 setzen wird. Dem neuen Theaterleiter wünschen wir Freude, Neugier und Erfolg auf seinem Weg – und dem Theater Kosmos weiterhin jene Kraft, Offenheit und Lebendigkeit, die es seit 30 Jahren prägt.

 

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