Spielräume fürs Leben
Das Junge Theater am Vorarlberger Landestheater lädt Kinder und Jugendliche zum Zuschauen, Mitspielen und Ausprobieren ein.
Dagmar und Heinz Franziska Ullmann-Bautz ·
Mai 2026 · Kinder
Das Junge Theater ist längst eine äußerst wichtige Schiene des Vorarlberger Landestheaters geworden. Für Kinder und Jugendliche, für Schulen, für Familien – und für die Zukunft des Theaters selbst. In diesen Wochen stehen besonders die Clubs im Mittelpunkt: Sie feiern mit ihren Produktionen Premiere und machen sichtbar, was seit Herbst in Proben, Gesprächen, Improvisationen und gemeinsamer Arbeit gewachsen ist.
Michael Schiemer, Leiter der Theaterpädagogik, engagiert sich gemeinsam mit den Theaterpädagog:innen Sara Baric, Ute Thierer und David Kopp das ganze Jahr über dafür, Kinder und Jugendliche mit Theater in Berührung zu bringen – als Publikum, aber auch als junge Menschen mit eigenen Ideen, mit Spiellust, Neugier und dem Wunsch, sich auszuprobieren.
Kekse auf dem Campingplatz
Am 23. Mai feierten die Jüngsten – der Kindertheaterclub unter der Leitung von Ute Thierer – mit „Kekse!“ ihre Premiere. „Kekse!“, das sind kleine Szenen auf einem Campingplatz, wo sich Menschen, Tiere und sogar Zauberwesen begegnen, sich kennenlernen, Konflikte austragen und einander näherkommen.
Vierzehn Kinder im Alter von 7 bis 10 Jahren haben sich seit Herbst letzten Jahres getroffen, mit allergrößter Begeisterung gemeinsam Ideen gesponnen, sich auf ein Thema geeinigt, Szenen entwickelt, geprobt und diese nun im Theatercafé zur Aufführung gebracht. Aus ersten Einfällen, aus Improvisationen, aus gemeinsamem Spiel ist nach und nach eine eigene kleine Theaterwelt entstanden.
Die meisten Kinder wollen im Herbst weitermachen, je nach Alter entweder wieder im Kinderclub oder dann schon im Jugendtheaterclub der 10- bis 14-Jährigen, der dieses Jahr am 6. Juni in der Box seine Premiere feiert.
Das Café am Rande des Wahnsinns
„Das Café am Rande des Wahnsinns“ heißt die Eigenproduktion, die Theaterpädagogin Sara Baric mit den Jugendlichen erarbeitet hat. Auch hier wurde monatelang in kreativen Prozessen spielerisch entwickelt, geschrieben, ausprobiert, verworfen, neu zusammengesetzt und geprobt.
Entstanden ist eine rasante Abfolge von wilden, lustigen, kriminalistischen und chaotischen Kaffeehausbegegnungen. Mit viel Spaß und Fantasie haben die Jugendlichen ihre ureigensten Ideen umgesetzt. Ein Café ist dafür ein idealer Ort: Menschen kommen, gehen, beobachten einander, bringen Geschichten mit, Geheimnisse, Konflikte, Wünsche. Im Theater kann aus einer Bestellung, einem Blick, einer Verwechslung oder einem Missverständnis plötzlich eine ganze Szene werden.
Die Macht der Phantasie
Schon eine Woche davor, am 29. Mai, stehen die 14- bis 18-Jährigen auf der Bühne in der Kulturwerkstatt Kammgarn in Hard. Unter der Leitung von Schauspieler David Kopp hat der zweite Jugendtheaterclub ein vorgegebenes Stück erarbeitet. „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende gehört seit über 40 Jahren zu den wohl bekanntesten deutschen Jugendbüchern, ein Klassiker, der die Macht der Phantasie feiert.
Der einsame Junge Bastian flieht aus seinem trostlosen, grauen Alltag in ein geheimnisvolles Buch und wird selbst Teil der phantastischen Geschichte, in der das Land Phantasien zu verschwinden droht. Das Stück ist ein Plädoyer für die Kraft der Vorstellung. Es zeigt, dass wir unsere Träume brauchen, um die Realität zu bewältigen, uns aber nicht in ihnen verlieren dürfen.
Wer Lust hat, kann mitspielen
Wer Lust hat, nächstes Jahr dabei zu sein: Ab Herbst starten die drei Theaterclubs wieder durch und freuen sich auf viele spielfreudige Kinder und Jugendliche. Anfragen können einfach an info.junges@landestheater.org geschickt werden.
Für Michael Schiemer sind die Clubs wichtig, damit Kinder und Jugendliche, die wirklich Interesse haben, die Chance bekommen, sich in einem professionellen Rahmen auszuprobieren. Theater stärkt Präsenz, Sprache, Körpergefühl, Fantasie und soziale Aufmerksamkeit. Man lernt, Verantwortung zu übernehmen, auf andere zu reagieren, gemeinsam an etwas zu arbeiten – und sich zu zeigen.
Der Zulauf zu den Clubs hat natürlich auch unter Corona gelitten. Davor war der Ansturm kaum zu bewältigen. Jetzt zieht es langsam wieder an, und auch die Kreativität, die Lust, selbst aktiv zu werden, erholt sich wieder. Vielleicht ist gerade das ein wichtiger Punkt: Nach einer Zeit, in der Kinder und Jugendliche so vieles vor Bildschirmen, vereinzelt oder auf Distanz erlebt haben, bekommt ein Ort wie das Theater noch einmal eine andere Bedeutung. Hier geht es um Begegnung, um Gegenwart, um gemeinsames Tun. Theater ist nie nur Konsum. Theater ist immer auch ein Raum, in dem Menschen miteinander in Beziehung treten.
Theater gehört in die Gesellschaft, auch in die jüngste
Michael Schiemer ist begeistert und überzeugt von dem, was er tut, und hält voller Freude ein Plädoyer für das Theater: „Theater ist für mich immer noch die ganzheitlichste Kunstform, die die Menschheit kennt, weil sie alles verbinden kann, weil sie alles beinhaltet: Musik, bildende Kunst, darstellende Kunst, Literatur! Alles hat Platz im Theater. Und Theater vereint nicht nur die verschiedenen Kunstformen, sondern Theater vereint auch Menschen.“
Theater und Schule
Neben den Theaterclubs ist für den Theaterpädagogen, Schauspieler und Regisseur Michael Schiemer das Junge Theater eine ganz wichtige Schnittstelle zwischen dem Theater und den Schulen. Die Angebote sind so vielfältig, wie Theater nur sein kann.
Zu fast allen Stücken, die im Landestheater gespielt werden, wird den Schulen Begleitmaterial angeboten, außerdem Vorbereitungs- und Nachbereitungsworkshops. Auch Probenbesuche werden organisiert. So kann ein Theaterbesuch vorbereitet, vertieft und weitergedacht werden.
Ein wichtiges theaterpädagogisches Angebot ist die Dramapädagogik und relativ neu das Forumtheater. Die Dramapädagogik ist ein veritables Mittel, um Inhalte zu vermitteln. Dazu gibt es Werkzeuge für praktisch alle Unterrichtsfächer. Die Kinder lernen Inhalte durch aktives Erleben.
Das Forumtheater ist eine Form des interaktiven Theaters, ein Mittel des Dialogs, um problematische Themen aufzugreifen und Veränderungen zu bewirken. Schiemer leitet dieses Jahr fünf Projekte an fünf verschiedenen Schulen. Ein längerfristiges Ziel wäre ein Forumtheaterfestival.
Sonntags um drei
Last but not least gibt es auch ein feines Angebot für die Kleinsten. Die Familienbox am Sonntag um drei richtet sich an Eltern mit Kindern im Kindergartenalter. Zwischen Oktober und Ostern stehen jeden Sonntag um 15 Uhr entweder ein Workshop, eine Hausführung oder Kindertheater – hauseigene Produktion oder ein Gastspiel – auf dem Programm.
Dieser Artikel ist bereits in der Print-Ausgabe der KULTUR Juni 2026 erschienen. Hier geht es zum E-Paper.
Bei Interesse an den Theaterclubs schreiben Sie bitte an: info.junges@landestheater.org
Vbg. Landestheater, Jugendclub (14-18 J.): „Die unendliche Geschichte“
Premiere: 29.5., 19.30 Uhr
weitere Vorstellungen: 30./31.5., jeweils 19.30 Uhr
Kammgarn, Hard
Vbg. Landestheater, Junges Theater (10-14 J.): „Das Café am Rande des Wahnsinns“
Premiere: 6.6., 18 Uhr
weitere Vorstellungen: 7./9.6., jeweils 18 Uhr
Vbg. Landestheater am Kornmarkt, Bregenz