Souveräne Freigeister
Zum Saisonsabschluss der Lustenauer Konzerte sprühten die Funken
Silvia Thurner · Apr 2026 · Musik

Die Sinfonietta Vorarlberg rund um den Kontrabassisten Bernd Konzett gastierte im Lustenauer Reichshofsaal und überzeugte auf ganzer Linie. Zum gemeinsamen Musizieren waren der Kontrabassist Georg Breinschmid und der Violinist Kirill Kobantschenko eingeladen. Die beiden Musiker sind bewundernswerte Individualisten, der eine war, der andere ist Mitglied der Wiener Philharmoniker. Ihr Musikverständnis und ihre musikalische Kreativität kannten in diesem Konzert, das Werke von Georg Breinschmid mit Tschaikowsky verband, keine Grenzen. Vom ersten bis zum letzten Ton wirkte die Stimmung im Saal inspiriert, denn insbesondere von Kirill Kobantschenko ging eine große Dringlichkeit aus. Diese übertrug sich auf die Musiker:innen der Sinfonietta Vorarlberg und war der Nährboden für herausragende Werkdeutungen.

Georg Breinschmid war hierzulande bereits in unterschiedlichen Formationen zu erleben, sowohl mit dem legendären Vienna Art Orchestra, als Jazzmusiker mit Band und auch als Komponist für das Blechbläserquintett Sonus Brass und das Symphonieorchester Vorarlberg. In Lustenau kamen zwei Werke aus seiner Feder zur Aufführung, die den kompositorischen Einfallsreichtum und die Virtuosität des Musikers erlebbar machten.
Kirill Kobantschenko ist Orchestermusiker, Ensembleleiter und DJ. Er spielte neben dem Kontrabassisten Georg Breinschmid in der Sinfonia concertante den Violin-Solopart. Im Nu entwickelte sich ein Sog in einen musikalischen Klangkosmos hinein, der unterschiedlichste Stile streifte und einverleibte. Von einem lyrischen Song ausgehend, fanden sich die Musiker:innen unmittelbar in einem mitreißenden Gypsy-Sound wieder. Sodann mutierte der musikalische Verlauf mit viel rhythmischer Raffinesse in Richtung Balkan weiter. Daraufhin driftete er in einen französischen Walzer, dieser verwandelte sich in einen rustikalen Ländler und mündete schließlich in ein Wienerlied mit sprechendem Duktus. Anspielungen an unterschiedliche Werke aus der klassischen Musik sowie überraschende Wendungen reizten die Sinne und verliehen den einzelnen Abschnitten einen humorvollen Touch.
Faszinierend war die Spielweise der beiden Solisten, deren Tongebung durch ihre Vielseitigkeit und Ausdrucksstärke begeisterte. So entwickelte sich die Solovioline in den oberen Klangregistern und wandelte wunderbar zwischen Schmelz und Süffisanz. Zudem versetzte das starke Bassfundament mit spektakulären Spieltechniken und perkussiven Pizzicati die Zuhörenden in Staunen.
Nicht weniger bewundernswert setzten die Musiker den vierten Satz der „Vier Sätze für Streichquartett“ in einem Arrangement für Streichorchester in Szene. Funkig wirkten die Themen mit den markanten Tonrepetitionen. Sie entwickelten über den ungeraden Rhythmen viel Drive und zugleich eine große Spannung, die die Musiker stets variierten und am Schluss in ein stimmungsvolles Fade-out führten. Die Sinfonietta Vorarlberg war den Solisten eine gute Partnerin. Die Musiker:innen agierten aufmerksam und breiteten einen klanglich ebenmäßig ausgestalteten Klanggrund aus. Georg Breinschmid verabschiedete sich schließlich mit dem „Samba Petit“ für Kontrabass solo von Niels-Henning Ørsted Pedersen, in dem er mit seiner atemberaubenden Spieltechnik das Instrument zum Leben erweckte.

Leidenschaftlicher Tschaikowsky

Nicht von vornherein war klar, ob und wie sich die Werke von Breinschmid mit Pjotr I. Tschaikowskys Serenade für Streichorchester, op. 48 verbinden lassen würden. Doch die beiden kompositorischen Welten ergänzten sich hervorragend. Kirill Kobantschenko leitete die Sinfonietta Vorarlberg vom Konzertmeisterpult aus. Seine inspirierende musikalische Aussagekraft übertrug sich sofort auf das Streichorchester, und alle gemeinsam zelebrierten die poesievollen musikalischen Linien und schillernden Farben des Werkes.
Alle Stimmgruppen musizierten mit hervorragend ausgeloteter Klangbalance und kommunizierten aufmerksam miteinander. So bildeten sich innerhalb des Gesamtgefüges Pole, die die musikalischen Gestalten einesteils mit Emphase vorantrieben und andererseits in Ruhe verweilen ließen. In einem wechselseitigen Geben und Nehmen entfalteten sich Korrespondenzen, durchsetzt von einer stimmungsvollen Agogik und einer bewundernswerten Pianokultur.

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