Schnittstellen, die faszinierende Klangräume öffneten
Hammerklavier und Cembalo als inspirierende Kammermusikpartner
Silvia Thurner ·
Jän 2026 · Musik
Musiker:innen, die sich mit der historischen informierten Aufführungspraxis beschäftigen, sind oft auch besonders experimentierfreudig und stets auf der Suche nach neuen, bisher unbekannten musikalischen Erlebnissen. So auch Martin Gallez, Angelika Gallez, Heidrun Wirth-Metzler und Bianca Riesner. Sie initiierten die höchst erfolgreiche Kammermusikreihe „Klang & Raum“. Dieses Mal spielten sie mit dem Cembalisten Johannes Hämmerle im wunderbaren Ambiente von Georg Bechters Showroom. Angekündigt waren unter anderem Kompositionen für Hammerklavier und Cembalo von Bach, seinen Söhnen, Muzio Clementi, W.A. Mozart und Johann Baptist Cramer. Die Werkdeutungen waren einzigartig und erreichten durch die virtuosen Darbietungen eine beinahe orchestrale Klangpracht.
Der Pianist Martin Gallez und der Organist sowie Cembalist Johannes Hämmerle zählen zu den besten Musikern des Landes. Beide verbindet eine mitreißende Musikalität, ein ausgeprägter Forschergeist, große Experimentierfreude und eine souveräne Spieltechnik. Und zudem besitzen beide Instrumente, die ihresgleichen suchen: Martin Gallez spielt auf einem Nachbau eines historischen Walther-Klaviers und Johannes Hämmerle auf einem exquisiten italienischen Cembalo. Gemeinsam musizierten sie nun im Rahmen von „Klang & Raum“ im Showroom des Architekten und Lichtdesigners Georg Bechter in Hittisau. Der Präsentationsraum für exklusive Leuchten entpuppte sich als idealer Konzertraum. Im Mittelpunkt waren die edlen Instrumente positioniert, das Publikum bildete den sie umrahmenden Resonanzraum.
Mit Johann Sebastian Bachs „Fuga inversa a 2 Clavicembali“ eröffneten Martin Gallez und Johannes Hämmerle das Konzert. Zuerst wirkte die Klangmischung von Hammerklavier und Cembalo ungewohnt, denn die an sich gleichberechtigt geführten Linien des Cembalos traten im Vergleich zum Hammerklavier allzu sehr in den Klanghintergrund. Diese Voraussetzungen betrafen auch die Fuge in g-Moll für 2 Klaviere von W.A. Mozart. Doch hatten sich die Ohren an die Zusammenklänge der beiden Instrumente gewöhnt, kristallisierten sich die Vorzüge zunehmend heraus. Die beiden Musiker spielten wunderbar aufeinander abgestimmt, nutzten die Registerfarben des Cembalos und setzten die einzelnen Stimmverläufe fantasiereich in Szene.
Mit Esprit und Einsatzbereitschaft
Kein Halten gab es für die beiden Tastenakrobaten in Muzio Clementis „Duetto für 2 Claviere“, op. 6/1. Im Primo-Part gestaltete Martin Gallez die melodischen Hauptstimmen transparent, während Johannes Hämmerle im Secondo eine derart satte Grundlage schuf, dass sich der Gesamtklang orchestral auffächerte. Kraftvoll kamen die parallel geführten Passagen zur Geltung. Das Pingpong der einander zugespielten Phrasen ergab ein spannendes Geben und Nehmen, das begeisterte. In Erinnerung blieben auch die Registerwechsel im langsamen Satz, der die dramatische Eintrübung unterstrichen.
Ebenso reizvoll erklang die Sonate in G-Dur für 2 Klaviere op. 15/5 von Johann Christian Bach. Besonders das Allegro zog die Zuhörenden in seinen Bann, denn Martin Gallez und Johannes Hämmerle schenkten sich nichts und spielten sich in einen mitreißenden Flow hinein. Auch die Interpretation des Rondos aus dem „Grand Duetto für Klavier zu vier Händen“, op. 33 von Johann Baptist Cramer schlug in diese Kerbe.
Aufgelockert wurde das abwechslungsreiche Programm mit der Cellosonate von Johann Christoph Friedrich Bach, die die Pianisten gemeinsam mit der Cellistin Bianca Riesner darboten. Sie interpretierte das Werk mit viel Ausdruck sowie virtuos ausgestalteten Verzierungen und entfaltete im Larghetto auf ihrem Instrument eine in sich ruhende Kantilene. Die Begleitstimme teilten sich Martin Gallez am Hammerklavier und Johannes Hämmerle am Cembalo, sodass besonders das Rondo des Finalsatzes humorvoll ausgestaltet erklang und von der perkussiven Kraft des Cembalos profitierte.
Die Sonate für Traversflöte und Basso continuo, op. 6/3, von Carl Friedrich Abel musizierten Angelika Gallez und Johannes Hämmerle in einem gut aufeinander ausbalancierten kammermusikalischen Geist und mit dem warmen Klang der Traversflöte. Einen Abstecher in die Romantik machten Fagottistin Heidrun Wirth-Metzler und Martin Gallez mit dem „Nocturne Nr. 1“ des französischen Komponisten Louis-Emmanuel Jadin. Die wirkungsvolle Melodielinie formte die Fagottistin mit empathischem Ausdruck, den der Pianist sensibel unterstrich.
Vom Potenzial an Übergangszonen
Das Konzert stand unter dem Leitgedanken „Schnittstellen“. Martin Gallez zeichnete diese musikhistorisch nach und gab in seinen kurzen Werkeinführungen interessante Hinweise auf die Entstehung und Wirkzusammenhänge der sorgfältig ausgewählten Kompositionen.
Schnittstellen anderer Art thematisierte der Gastgeber Georg Bechter in seiner sympathischen Ansprache. Er beleuchtete Aspekte der beiden von ihm gegründeten und geleiteten Unternehmensbereiche Lichtdesign und Architektur und klopfte sie auf erwünschte sowie unerwünschte Schnittstellen ab. Indem er die Lösungspotenziale solcher Übergänge betonte, weitete er den Blick auf gesellschaftliche Bedingungen, in denen das Gemeinsame gepflegt und bewusst gelebt wird.