Nun hat auch die Gemeinde Klaus einen Hotspot für Kunst
Galerie Brugger nimmt mit drei Einzelausstellungen den Betrieb auf
Karlheinz Pichler ·
Mär 2026 · Ausstellung
Seit über zwei Jahren sind Simeon und Zeynep Brugger bereits als „virtuelle Galerie“ an Messen wie etwa der Stage Bregenz, Spark Art Fair Vienna oder Viennacontemporary präsent. Nach längerer Umbauzeit und völliger Neugestaltung einer ehemaligen Stickerei haben sie nun in Klaus auch einen physischen Galeriensitz eröffnet, der sowohl als Ausstellungshaus als auch als Wohnsitz dient. Mit Werkschauen von Billie Clarken, Oliver Laric und Heimo Zobernig nahm die Galerie Brugger nun offiziell ihren Betrieb auf.
Das Galeristenpaar Simeon und Zeynep Brugger hat den Umbau der Stickerei selber geplant, sind doch beide ausgebildete Architekt:innen. Die beiden führen zwar kein eigenes Architekturbüro, sind aber am „Institute of Urban Design“ der Universität Innsbruck tätig und betreuen dort die Klasse „formerlynotknown“. Konzeptionen und Werke von Student:innen ihrer Klasse sind übrigens unter dem Titel „Supercalifragilisticexpialidocious“ derzeit und noch bis vierten April im Kellergeschoß des Künstlerhauses Palais Thurn & Taxis in Bregenz zu sehen. In der Öffentlichkeit haben sich die Bruggers bisher vor allem mit Ausstellungsdesigns, dem Verfassen von theoretischen Texten sowie auch Projektrealisationen hervorgetan. Simeon Brugger ist derzeit zusammen mit Anne Zühlke zudem als Kunstankäufer des Landes Vorarlberg unterwegs.
Kennengelernt haben sich der aus Klaus stammende Simeon Brugger und die in Istanbul aufgewachsene Zeynep Çınar während eines Studienaufenthaltes in Los Angeles. Simeon konnte damals bei dem dort lebenden und vergangenes Jahr verstorbenen österreichischen Maler Hubert Schmalix wohnen. Mit Schmalix war Brugger bereits seit längerem befreundet, und heute arbeitet er bzw. die Galerie Brugger mit der Famlie von Schmalix zusammen, die seinen Nachlaß betreut.
Architektonisches Baujuwel
Der wohlproportionierte, geometrisch rhythmisierte weiße Bau, in dem die Galerie untergebracht ist, sticht am Rand der Klauser Industrie und mit Blick auf die Hänge am Fuße der Hohen Kugel wie ein architektonisches Juwel ins Auge. Die Galerie verfügt im Prinzip über vier Kunstzonen. Da ist zunächst die Außenfassade des über dem Eingangsbereich auskragenden Architekturblocks. Dann folgt in der direkten Eingangszone eine Art Schaufenster-Display, von dem aus man in den eigentlichen Galerienraum gelangt. Von diesem zweigt im hinteren Bereich wiederum ein weiterer Raum ab, das sogenannte Studio.
Drei Ausstellungen
Den Hauptraum und die Außenfassade der Galerie halten derzeit Werke des 1981 in Innsbruck geborenen und heute in Berlin lebenden und arbeitenden Bildhauers Oliver Laric besetzt. Laric setzt sich im Rahmen seiner künstlerischen Praxis vor allem mit den Themen Kopie, Originalität und Transformation im digitalen Zeitalter auseinander. Er nutzt häufig 3D-Scans von historischen Skulpturen, zum Beispiel aus der Antike, die er digital bearbeitet und dann mittels 3D-Druck oder Gussverfahren in neue, oft hybride Formen überführt.
Neben einem überdimensionalen, aus Edelstahl 3D-gedruckten Bartgeier beeindrucken hier zwei Skulpturen, „Ram with Human“, die auf die Odyssee verweisen. Odysseus nutzte ja in der „Odyssee“ Widder (männliche Schafe), um mit seinen Männern aus der Höhle des Zyklopen Polyphem zu entkommen. Er klammerte sich unter den Bauch des größten Widders, um unbemerkt zu entkommen, da Polyphem die Tiere nur abtastend hinauslässt. Diese List ist eine Schlüsselszene der Heimkehr von Odysseus. Genau diesen Moment setzt Laric mit größter Präzision skulptural in Form eines Aluminium-3D-Druckes um.
Imposant weiters die drei reliefartigen Darstellungen von Bäumen, mit denen Laric ebenfalls ein Zitat auf die Kunstgeschichte setzt. Das Motiv des Baumes hat nämlich in historischen Gemälden und auch Skulpturen eine wichtige Attributsfunktion. Es diente häufig als Stilmittel, um dargestellten Figuren als Unterstützung zur Seite zu stehen. Der Tiroler Künstler „befreit“ nun das Motiv „Baum“ von seiner Nebenrolle und rückt es selbst in den Mittelpunkt. Mit Hilfe der CNC-Technik (Computerized Numerical Control) in großformatige Aluminiumplatten gefräst, erhalten die eigentlich zweidimensionalen Wandarbeiten eine enorme Plastizität. Aufgrund der spiegelnden metallenen Oberfläche verändert sich der Bildeindruck mit jedem neuen Betrachtungsstandpunkt. Das wird besonders bei der 420 mal 773 Zentimeter großen „Stieleiche“, die an dem auskragenden Architekturteil an der Außenfassade über dem Eingang befestigt ist, evident. Die je nach Witterung sowie Tages- und Jahreszeiten unterschiedlichsten Lichtverhältnisse erzeugen stark divergierende Wahrnehmungsimpressionen.
Werke von Oliver Laric sind ab 30. Mai auch im Dock20 in Lustenau zu sehen.
Sind im Eingangsdisplay zwei Acryl-auf-Leinwand-Gemälde des 1958 im kärntnerischen Mauthen geborenen Künstlers Heimo Zobernig zu sehen, in denen er die konstruktivistischen und konkreten Bildansätze der klassischen Moderne paraphrasiert, so hängen im Studio 32 kleinformatige Foto-Objekte der Serie „Chewing Tongue“ der 1992 in Fairfax im US-Bundesstaat Virginia geborenen multidisziplinären Künstlerin Billie Clarken. Basis der Serie sind Fotografien, die Clarken aus Internetrecherchen, Social-Media-Aktivitäten oder auch aus Printmedien bezieht und via UV-Druck auf Schaumstoff überträgt, was ihnen zu einer Art Objektcharakter verhilft. Clarken löst die Bilder aus jedem lesbaren Kontext heraus. Durch die Entfremdung, Unschärfen und Einbettung in eine rötlich-pinke Farbtöne haftet den Bild-Objekten eine mitunter geisterhafte Aura an.
Galerie und mehr
Die Frage, ob sie die Galerie neben ihrer Tätigkeit an der Uni Innsbruck nur nebenberuflich führten, verneinen die beiden Architekt:innen. Im Gegenteil, sie soll zur Hauptsache werden. Dabei aber nicht nur als Kunstraum und Kunsthalle fungieren, sondern auch zu einem Möglichkeitsraum zur Realisierung von allen möglichen Projekten werden, etwa auch von Kunst-am-Bau-Unternehmungen sowie zur Entwicklung und Herausgabe von Grafik- und skulpturalen Editionen. Ein wichtiges Standbein soll auch die Produktion von bibliophilen Kunstbüchern sein. Analog zu dem Namen ihrer Klasse am „Institute of Urban Design“ heißt ihr Verlag „formerlynotknown.press“. Es wurden auch bereits mehrere Buchprojekte realisiert, so etwa Publikationen über den Tiroler Künstler Lukas Thaler, Alexander Wolff, Heinz Gappmayr oder Oliver Laric.
Derzeit führt die Galerie Brugger sechs Positionen im hauseigenen Portfolio: Billie Clarken, Oliver Laric, Hubert Schmalix, Lukas Thaler, das Peles Duo sowie die aus Koblach stammende und heute in Brüssel lebende Vorarlberger Künstlerin Melanie Ebenhoch. Von Ebenhoch, die ab 24. Mai bei Baumschlager-Eberle in Lustenau zu sehen sein wird, stammen die Entwürfe für die Tapeten in den sanitären Anlagen der Galerie Brugger.
Die zweite Ausstellung in der Galerie Brugger wird am 30. Mai mit Werken des Peles Duo eröffnet. Das aus Katharina Stöver und Barbara Wolff gebildete, in Berlin ansässige Künstlerduo hinterfragt im Rahmen seines Schaffens Reproduktion, Raum und Erinnerung.
Auch wenn Klaus abseits von urbanen Räumen liegt, ist die Galerie doch leicht über die öffentlichen Verkehrsmittel wie Zug oder Bus erreichbar. Durch das Konzept, nach Möglichkeit immer gleich zwei oder drei Positionen gleichzeitig als Einzelausstellungen zu organisieren, soll ein unterschiedliches Publikum nach Klaus gelockt werden. Auch soll der konsequente Besuch von lokalen und internationalen Kunstmessen ein zentraler Faktor sein, um das Profil der Galerie zu schärfen und Gäste aus dem Ausland nach Klaus zu lotsen.
Wie auch immer, Simeon und Zeynep Brugger scheinen voller Tatendrang und Zuversicht und haben der kleinen Gemeinde in der Bucht des Vorarlberger Vorderlandes einen richtigen Hotspot für Kunst beschert.
Billie Clarken: „Chewing Tongue“
Oliver Laric: „Supported Files“
Heimo Zobernig: „Display“
Bis 23.5.
Do u. Fr. 11-17, Sa 11-14
Galerie Brugger, Klaus, Erlenstrasse 11a
galeriebrugger.com