Neu in den Kinos: „The Uprising – Für die Freiheit“ Michael Pekler · Sep 2026 · Film
Nach der Pest kommt der Adel. Dass sich im Jahr 1381 die englischen Bauern gegen das geldgierige Königshaus erheben, ist in diesem Film einem einfachen Landmann (Andrew Garfield) zu verdanken – doch der Kampf gegen das Establishment war schon vor Jahrhunderten eine Herausforderung. Ein abenteuerlicher Historienfilm, der sich das Mittelalter so ausmalt, wie das Kinopublikum es gerne sieht.
Das Mittelalter ist im Kino immer grau, braun und vor allem sind die Leute schmutzig. In „The Uprising“ sieht man zu Beginn einen Bauern (Andrew Garfield) hinter seinem Pflug, wie er mühsam den Acker umgräbt. Er schläft in einer primitiven Hütte, hinter dem Feld stehen drei Kreuze für die von der Pest hinweggeraffte Frau und seine beiden Kinder. Der namenlose Mann, der zum Helden dieser Erzählung wird, hat jede Hoffnung auf ein besseres Leben aufgegeben, zumal die nächsten Steuern fällig sind. Denn Richard II. (Woody Norman) braucht aufgrund der Kriege in Frankreich und Schottland dringend frisches Geld. Dass der erst 14-jährige Monarch eben für volljährig erklärt wurde, ändert nichts daran, dass das Land vom königlichen Rat regiert wird, der dem weinerlichen und von Albträumen verfolgten Jüngling einflüstert, was er zu tun hat. Als der Bauer einer armen Frau, die vom Steuereintreiber schlecht behandelt wird, helfen will und sich gegen die Unterdrücker wehrt, nehmen die Ereignisse ihren Lauf und nimmt die Handlung von „The Uprising“ Fahrt auf. Der Bauernaufstand von 1381, der größte in der Geschichte Englands, wird zum historischen Abenteuerfilm – und zu einem abenteuerlichen Historienfilm.
Furchtsamer Kinderkönig
Die Rebellion beginnt wie fast immer mit kleinteiligem Widerstand. Um der drückenden Steuerlast zu entgehen, soll unser Bauer, genannt „Ploughman“, beweisen, dass er vor sieben Jahren die Sterbesteuer für die tote Familie bezahlt hat. Was er natürlich nicht kann. Doch weil er kein rachedurstiger Schlächter ist, sondern nach Gerechtigkeit strebt, möchte er mit der Obrigkeit in Verhandlungen treten: Vom Lehensherrn gelangt die Botschaft letztlich bis zum König, der sich so sehr fürchtet, dass er die Türe zu seiner Kammer immer nur einen Spalt breit öffnet. Die Königinmutter (Katherine Waterston) betet vor dem Sarkophag des verstorbenen Gatten für den Nachwuchs.
Gemäßigter Revolutionär
„The Uprising“ ist ein Film über das Mittelalter, wie das Kinopublikum sich dieses gerne ausmalt. Die verhältnismäßig spärliche Quellenlage der Epoche kommt der Kreativität des britischen Autors und Regisseurs Paul Greengrass („Flug 93“, „Jason Bourne“) zupass. Greengrass macht nämlich nicht den ehemaligen Soldaten Wat Tyler (Cosmo Jarvis) oder den vom Erzbischof exkommunizierten Priester John Ball (Jamie Bell) – also die historisch verbürgten Anführer des Aufstands – zu seinen Protagonisten. Stattdessen setzt er einen gemäßigten Revolutionär in den Mittelpunkt: einen um Ausgleich bemühten Helden, der für Verhandlungen mit dem König eintritt. Dass sich diese nach der Einnahme Londons durch die Bauern, den Plünderungen und der Hinrichtung der „Verräter“ des königlichen Rats als schwierig erweisen, versteht sich. Weil sich unter den Aufständischen auch Frauen befinden, ist neben der vernünftigen Königinmutter auf der Gegenseite noch Platz für eine radikale Revolutionärin – mit beiden weiß die Erzählung leider wenig anzufangen.
Am Glauben festhalten
Bei aller dramaturgischer Konventionalität und trotz seiner verwegenen Anspielungen auf William „Braveheart“ Wallace und Robin Hood wirft „The Uprising“ unbeabsichtigt die eine oder andere Frage auf: Was interessiert das Mainstreamkino noch immer am Mittelalter? Sind es die dekadenten Herrschenden, sind es die großen Taten oder ist es der Alltag der sogenannten einfachen Menschen? In „The Uprising“ kann all das immerhin nebeneinander stehen. An die gottgegebene Wahrheit müsse man glauben, so der Prediger John Ball, dem der Film ein gnädigeres Schicksal gönnt als die historische Wirklichkeit. „Ich glaube nur, was ich sehe oder festhalte“, entgegnet der zum Revolutionär gewordene Bauer. Am Glauben festzuhalten fällt ihm schwer.
ab 10.9., Cineplexx Hohenems (dF), Skino Schaan (OmU)