Neu in den Kinos: „Song Sung Blue“ Michael Pekler · Dez 2025 · Film
Statt zum dritten Mal mit den Avataren nach Pandora dieses Weihnachten lieber mit Hugh Jackman und Kate Hudson nach Milwaukee: Als Mike und Claire Sardina gründen sie die Neil Diamond-Tributeband „Lightning & Thunder“ und erleben die Höhen und Tiefen des klassischen Biopics. Ein simpler und anrührender Film, der aber voller Wahrheiten steckt.
Milwaukee, Ende der 1980er Jahre. Das Geburtstagsständchen, das Mike Sardina (Hugh Jackman) sich selbst singt, stößt nicht auf großes Echo. Allerdings besteht sein Publikum auch aus anonymen Alkoholikern, die ihre eigenen Probleme haben. Jedenfalls darf er sich zum 20. Jahrestag gratulieren, denn seit so vielen Jahren ist der Kriegsveteran, der in Vietnam als Tunnelratte diente, schon trocken. Weil Mike sich zwar als Aushilfsmechaniker durchs Leben schlägt, sein Herz aber der Musik gehört, tritt er bei lokalen Tributeshows auf, bei denen sich Elvis-Imitatoren und Willie-Nelson-Doppelgänger tummeln und wo er die Friseurin und alleinerziehende Mutter Claire (Kate Hudson) kennenlernt, die sich als Countrysängerin Patsy Cline ausgibt. Und weil es auf musikalischer und persönlicher Ebene zwischen den beiden auf Anhieb klappt, präsentieren sie schon bald ihre eigenen Interpretationen der Schlager des 1970er-Jahre-Crooners Neil Diamond: Das großartige Tribute-Duo „Lightning & Thunder“ ist geboren.
Friedlicher Geheimfavorit
Wer nach dem Kinobesuch von „Song Sung Blue“ keinen Ohrwurm hat, muss gegen das Wohlfühl-Liedgut des heute 84-jährigen US-Superstars immun sein. Diamond war ein meisterlicher Entertainer, der mit Liedern wie „Cherry Cherry“, „I Am… I Said“ und „Cracklin’ Rose“ zahlreiche Hits landete. Nicht zu vergessen ist jener Song, der bei Footballspielen als Stadionhymne gespielt wird und mit dem Mike Sardina keinesfalls seine Tribute-Konzerte eröffnen möchte. Anstelle von „Sweet Caroline“ („Bumm, bumm, bumm“) setzt er auf seinen Geheimfavoriten „Soolaimon“. Für den kriegsgebeutelten Arbeiter hat ein Lied über den Weltfrieden die größere Bedeutung.
Kein Firlefanz
Erstaunlich an diesem Biopic ist, dass es sich kaum von einem über große Stars unterscheidet. „Song Sung Blue“ erzählt die Geschichte von Mike und Claire Sardina ohne dramaturgischen Firlefanz als ein von Höhen und Tiefen geprägtes Leben. Dieses sieht bei Regisseur und Drehbuchautor Craig Brewer („Hustle & Flow“) natürlich etwas anders aus als in der gleichnamigen und empfehlenswerten Dokumentation von 2008 (aus aktuellem Anlass auf YouTube nachzusehen), funktioniert über weite Strecken aber selber wie ein eingängiger Schlager: ein Film über die Liebe, über das Schicksal, den Erfolg, die Niederlagen und das Weitermachen. „Song Sung Blue“ ist also ein zutiefst amerikanischer Film.
Familiärer Garagensound
Als Mike und Claire ein Paar werden und sich der anfängliche Widerstand ihrer Kinder bald in Sympathie verwandelt, machen sie erst mal – Musik. In Claires kleinem Wohnzimmer zu zweit, dann in Mikes Garage mit Unterstützung seines Buddy-Holly-Freundes (Michael Imperioli) und eines Bläsersatzes. Das gefällt sogar der Nachbarin mit dem Gartenschlauch. Dann einigen Konzertveranstaltern in Milwaukee und schließlich dem halben Mittleren Westen. Weniger den Rockern, mit denen sich Mike prügeln muss, weil sie „Lightning & Thunder“ ausbuhen. Dafür aber dem berühmten Jungstar Eddie Vedder von Pearl Jam, den Mike im Gegensatz zu seiner Tochter nicht mal kennt.
Letzte Wahrheiten
„Song Sung Blue“ ist simpel und anrührend. Auch weil Jackman und Hudson, die alle Songs selbstverständlich selbst singen, eben nicht mit Perfektion glänzen. Es ist die kinogerechte Version über das Leben der echten Sardinas, und man erfährt wenig über die Verlogenheit des Musikbusiness, über schlechte Ratgeber und falsche Freunde. Doch „Song Sung Blue“ erzählt dennoch viele Wahrheiten, weil er versteht, was für Mike und Claire Sardina wirklich zählte. Musik zu machen. Für sich selbst und, wenn möglich, für möglichst viele andere. „But then I know it’s growing strong ...“
ab 25.12., Skino Schaan (OmU), Kino Bludenz