Neu in den Kinos: „Obsession – Du sollst mich lieben“ Michael Pekler · Jun 2026 · Film
Ein junger Verkäufer erfüllt sich mithilfe eines mysteriösen Gegenstands seinen sehnlichsten Wunsch: Seine nette Kollegin soll sich in ihn verlieben. Mit seinem auf einer simplen Idee basierenden und kommerziell höchst erfolgreichen Horrorfilm trifft Regisseur Curry Barker den Nerv der Zeit und die Nerven der Zielgruppe. Und sorgt derzeit für ausreichend Gesprächsstoff.
Wie man mit einer einfachen Idee für einen Kinofilm richtig viel Geld verdienen kann, das beweist derzeit der Horrorfilm „Obsession“. Mit einem Produktionsbudget von weniger als einer Million spielte der Film weltweit bereits knapp 300 Millionen Dollar ein – ein sagenhaftes Ergebnis. Dass es stets Horrorfilme sind, die mit derartigen Erfolgsmeldungen aufwarten können – ein weiteres aktuelles Beispiel ist der Psychohorror „Backrooms“, der als Pendant zu „Obsession“ derzeit die Säle füllt –, liegt in der Natur der Sache. Meist braucht es weder ein aufwändiges Setdesign noch historisch akkurate Bauten und Gewänder, es bedarf keiner komplizierten Special Effects und ebenso wenig komplizierter und teurer Stars in den Hauptrollen. Auch die Werbung erfolgt in den sozialen Medien und über Mundpropaganda besser als in jedem anderen Genre. In dieser Hinsicht haben der YouTuber und Filmemacher Curry Barker sowie das spezialisierte Studio Blumhouse alles richtig gemacht.
Folgenschwerer Fehler
„Obsession“, der nach zahlreichen Previews nun regulär in den österreichischen Kinos anläuft, erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der sich etwas wünscht, das er nicht bekommt: seine Arbeitskollegin Nikki (Inde Navarrette) als Freundin. Alle zarten Annäherungsversuche schlagen fehl, und weil Bear (Michael Johnston) obendrein ein unsicherer Verkäufer in einem Musikladen ist, leidet er schwer unter der Situation. Als er eines Abends in ein Kuriositätengeschäft stolpert, um für seine Angebetete ein Geschenk zu kaufen, entdeckt er ein altes Spielzeug namens „One Wish Willow“, das Wünsche erfüllen soll. Es sieht aus wie ein Müsliriegel, den man in zwei Hälften bricht, während man seinen Wunsch ausspricht. Gesehen, gekauft, gewünscht. Nikki soll ihn „mehr lieben als alles andere auf der Welt“. Ein folgenschwerer Fehler mit dramatischen Konsequenzen.
Dass sich Nikki kurze Zeit später ähnlich eigenwillig verhält wie Goethes Zauberbesen, ist also keine Überraschung. Das plötzliche Interesse an dem unscheinbaren Kollegen verwundert nicht nur den gemeinsamen Freundeskreis, sondern vor allem den entzückten Bear, der sein Glück zunächst nicht fassen kann – bis Nikkis Auffälligkeiten überhandnehmen. Doch wie im Märchen kann ein ausgesprochener Wunsch nicht mehr zurückgenommen werden. Und wird zum Fluch.
Schwarzer Humor
Curry Barker inszeniert die Verliebte wider Willen als verhexte Schreckschraube, die immer stärker von ihrem Freund Besitz ergreift. Rasende Eifersucht geht einher mit verstörenden Liebesbekundungen und Handlungen, unterbrochen nur von kurzen Momenten, in denen Nikki plötzlich wieder in der Realität und bei Sinnen zu sein scheint – eine clevere dramaturgische Maßnahme, die dazu dient, ihr Leiden als Opfer zu veranschaulichen: Bear, der aus Schüchternheit – oder vielleicht auch Feigheit – ihre Gefühle manipuliert hat, ist der eigentliche Täter in diesem zunehmend blutigen Szenario. In dieser Hinsicht ist „Obsession“, der auch schwarzhumorige Satire sein möchte, im Grunde ein trauriger Film. Für das Elend der Marionette, die Bear geschaffen hat, kann es scheinbar nur einen richtigen Ausweg geben.
ab 25.6., Cineplexx Hohenems (dF)