Neu in den Kinos: „No Other Choice“ Michael Pekler · Feb 2026 · Film

In seinem jüngsten Film verknüpft der südkoreanische Autorenfilmer Park Chan-wook geharnischte Sozialsatire mit schwarzem Humor: Als ein Facharbeiter nach fünfundzwanzig Dienstjahren seine Arbeit in einer Papierfabrik verliert, nimmt er nach monatelanger Jobsuche die Sache eigenverantwortlich in die Hand – und schafft sich auf mörderische Art eine freie Stelle.

Jedes Mal, wenn Man-su (Lee Byung-hun) meint, keine andere Wahl zu haben, trommelt er sich mit den Fingern gegen die Schläfen. Wie ein Mantra wiederholt er die Worte, mit denen er sich einredet, alles richtig zu machen: „Keine andere Wahl“. Schließlich hat er bereits alles Menschenmögliche versucht, um seinen Lebensstandard zu halten – weshalb nun jemand anderes sein Leben lassen muss. Denn die Konkurrenz ist hart, schläft angeblich nicht und will ausgerechnet den Job, um den sich Man-su beworben hat. Das Problem, wie der Mann, der nach fünfundzwanzig Dienstjahren in derselben Firma entlassen wurde, messerscharf erkannt hat, ist nicht seine mangelnde Qualifikation, sondern die Anzahl der Mitbewerber. 
Wobei ein Mord schwieriger durchzuführen ist, als man gemeinhin meint: Man braucht eine Waffe, einen Ort, an dem man eine Leiche verschwinden lassen kann, und später am besten ein Alibi – falls man so dumm war, verdächtigt zu werden. Zum Beispiel den Garten vor dem eigenen Haus, das man glücklicherweise noch nicht hat verkaufen müssen. Im Gegensatz zu allen anderen mit der Kündigung verbundenen Einbußen: keine weiteren Tennisstunden für die Gemahlin Mi-ri (Son Ye-jin), kein Netflix-Abo und kein kostspieliger Cellolehrer für die musikalisch hochbegabte Tochter. Die zwei Golden Retriever werden fortan von den Großeltern gefüttert. 

Kein Mitgefühl

Wer sich allerdings einen nervenzerfetzenden Thriller mit einem Serienmörder als Protagonisten erwartet, kann sich beruhigt – oder enttäuscht – zurücklehnen: „No Other Choice“, der jüngste Spielfilm des koreanischen Autorenfilmers Park Chan-wook („Oldboy“, „Die Taschendiebin“), ist eine ebenso bitterböse wie überdrehte Komödie, in der sich das Mitgefühl für die Opfer in so engen Grenzen hält wie die Empathie für den arbeitslos gewordenen Antihelden. Dass dieser von „Squid Game“-Schauspieler Lee Byung-hun verkörpert wird, passt perfekt: Nichts an Man-su ist außergewöhnlich, im Gegenteil ist er in jeder Hinsicht der durchschnittliche südkoreanische Angestellte, der tatsächlich meint, für seinen Fleiß belohnt zu werden.
Obwohl sich der Vergleich mit Bong Joon-hos oscarprämiertem „Parasite“ aufdrängt, in dem sich eine arme Familie in das Luxusleben einer anderen einschleicht und auf parasitäre Weise ihren Platz einnimmt, schlägt Park einen humorvolleren und mitunter skurrilen Tonfall an. Man-su, ein leidenschaftlicher Gärtner mit Bonsai-Glashaus, der bei seinen Mordversuchen am liebsten eine weinrote Latzhose aus Plastik trägt, stellt sich dermaßen ungeschickt an, dass ihm jedes Mal das pure Glück zum Erfolg verhelfen muss. Parks überbordende Inszenierung bewegt sich auf einem schmalen Grat: Wie ernst kann man die Existenzängste eines Mannes nehmen, dem eigentlich nichts fehlt und der trotz Jobverlustes Lichtjahre von wirklicher Armut entfernt ist? Und wie ernst kann man seinen mörderischen Plan nehmen, bei dem Blumentöpfe, eine alte nordkoreanische Pistole und ein Erdloch als Mordwaffen dienen sollen? Am besten gar nicht. 

Zeichen der Zeit

Parks zeitgeistig wirkende Kapitalismuskritik ist indes nicht neu: Bereits 2005 verfilmte Costa-Gavras mit „Die Axt“ den gleichnamigen Kriminalroman von Donald Westlake, der auch „No Other Choice“ als Vorlage diente. Abgesehen von der Verlagerung der Handlung von Europa nach Südkorea haben sich auch die Zeichen der Zeit seitdem deutlich verändert: In seiner Absurdität ist „No Other Choice“ von der Wirklichkeit so weit entfernt wie sein Antiheld vom begehrten Job. Also am Ende vielleicht gar nicht so weit.

ab 7.2. TasKino im GUK Feldkirch (OmU)
ab 11.3. FKC, Cinema Dornbirn
ab 6.4. Kinothek extra, Lustenau

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