Neu in den Kinos: „Greenland 2“ Michael Pekler · Jän 2026 · Film
In der Fortsetzung des Katastrophenfilms macht sich der nach Grönland geflüchtete Gerard Butler mit seiner Familie auf den Weiterweg nach Europa. Damit die Odyssee spannend bleibt, muss der Übervater große Gefahren überstehen und einiges Leid ertragen. Actionregisseur Ric Roman Waugh setzt die handelsüblichen Bausteine souverän zusammen. Ein dritter Teil ist im Gegensatz zum Neuanfang für die Menschheit dennoch nicht in Sicht.
Als vor fünf Jahren der Komet, den sie Clarke nannten, die Welt in Schutt und Asche legte, blieb das große Spektakel überraschenderweise aus. „Greenland“ erwies sich als Katastrophenfilm, der das Ausmaß der Katastrophe zwar zeigt, aber nicht zelebriert. Wichtiger als die auf die Erde niederprasselnden Feuerbälle war die unglaubliche Geschichte des Bauingenieurs John Garrity (Gerard Butler), der mit seiner Frau Allison (Morena Baccarin) und seinem an Diabetes erkrankten Sohn am Ende gerade noch rechtzeitig in einem Bunker in Grönland Unterschlupf fand. Garrity war aufgrund seiner technischen Kenntnisse einer der wenigen Auserwählten, die von der US-Regierung in Sicherheit gebracht werden sollten – was sich als falsche Hoffnung erwies, weshalb die amerikanische Kleinfamilie sich selbstständig auf den Weg machen musste. Das glückliche Ende war allerdings nicht zukunftsversprechend: Wie soll man auch jahrelang unter der Erde ausharren können, bis draußen irgendwann wieder alles blüht und gedeiht?
Geflüchtete auf der Flucht
„Greenland 2“ (Original: „Greenland 2: Migration“) erzählt das Abenteuer der Familie Garrity nach einem kurzen Rückblick auf die Geschehnisse nahtlos weiter – in den vergangenen fünf Jahren ist wenig bis gar nichts passiert, außer dass bei Sohn Nathan (Roman Griffin Davis) auch im Bunker die Pubertät eingesetzt hat. Doch bald erweist sich die Situation als angespannt, denn die Vorräte und Betten sind knapp. Die radioaktiven Stürme draußen schlagen sich drinnen aufs Gemüt und es gibt nicht zufällig mehr Psychotherapeuten als Chirurgen im ehemaligen Luftwaffenstützpunkt. Während Clarke einen Teil der Erde mit „Geisterringen“ umgibt, droht das nächste Unheil: Ein Erdbeben inklusive Tsunami zwingt die seinerzeit Geflüchteten abermals zur Flucht. Rette sich, wer kann – sei es in einem kleinen Boot auf dem Weg nach England.
Krater der Hoffnung
Actionregisseur und Ex-Stuntman Ric Roman Waugh, der bereits den ersten Teil inszenierte und Gerard Butler bei dessen „Has Fallen“-Filmreihe im Regiesessel unterstützte, verzichtet im ersten postapokalyptischen Katastrophenfilm des Jahres darauf, sich selbst zu überbieten. Zwar rumort es gewaltig unter den Füßen, fegen Stürme über graubraune Landschaften und ist die überlebende Menschheit bis auf wenige Ausnahmen um keinen Deut freundlicher oder gar empathischer geworden, doch im Zentrum der Aufmerksamkeit steht – der Originaltitel deutet darauf hin – die Verlegung des Lebensmittelpunkts der Garritys nach Europa. Dort befindet sich nämlich jener Krater, den Clarke hinterlassen hat und der einen zivilisatorischen Neuanfang verspricht. Dass der kleine Flecken bereits heiß umkämpft ist, versteht sich.
Letzter Versuch
Natürlich entgehen die Garritys auf ihrer Reise in den Süden dem Tod immer nur um Haaresbreite. Natürlich weiß man, dass nicht sie, sondern irgendwelche Feiglinge in den Höllenschlund, also in eine Felsspalte im nicht mehr vorhandenen Ärmelkanal fallen werden. Natürlich holt sich Garrity seine Uhr, mit der er die Transportkosten bezahlen musste, wieder zurück. Doch die Bausteine sind souverän gestapelt, und im Gegensatz zum ersten Teil, in dem die Katastrophe die entfremdete Kleinfamilie rettete, kann sich der Übervater diesmal ganz auf seine Führungsrolle konzentrieren. Das ist ideologisch entspannter.
Damit die Welt im Kino wenigstens vom Neuanfang träumen kann, muss zuerst alles zerstört worden sein. Die wichtigste Frage bleibt jedoch stets unbeantwortet: Schafft die Menschheit es im zweiten Versuch oder macht sie denselben Fehler noch einmal? Man würde es ihr wünschen, doch die Zweifel sind berechtigt.
ab 8.1., Kino Bludenz, (dF), Cineplexx Hohenems (dF)