Neu in den Kinos: „Eiserne Wildnis – Heart of the Beast“ Michael Pekler · Sep 2026 · Film

Ein Mann, ein Hund und 58 Meilen erbarmungslose Wildnis: Brad Pitt muss sich in diesem Survival-Abenteuer mit einem treuen Gefährten durch die Wildnis Alaskas schlagen. Regisseur David Ayer nutzt die Geschichte eines packenden Überlebenskampfes, um von der tiefen Beziehung zwischen Mensch und Hund zu erzählen.

Es soll noch Menschen geben, die sich völlig unvorbereitet einen Film ansehen. Vielleicht, weil ihr Lieblingsstar mitspielt. Oder weil sich der Kinosaal im selben Einkaufszentrum befindet, in dem sie ohnehin schon den halben Nachmittag verbracht haben. Für ein solches Wagnis ist der Preis einer mittlerweile überteuerten Kinokarte zwar recht hoch – doch falls es derzeit einen Film gibt, der sich für den Sprung ins kalte Wasser lohnt, dann ist es „Eiserne Wildnis“. 

Belastungsstörungen

Das liegt nicht nur daran, dass auch Brad Pitt in diesem Abenteuerfilm oft ins eisige Nass muss, sondern auch daran, dass dieser Film – sollte man unvermutet jeder Werbung entkommen sein – bereits in den ersten Minuten überrascht: Ein Mann und ein Hund fliegen in einem Wasserflugzeug über Alaska und landen irgendwo in der Wildnis. Das ist nicht sonderlich spannend und löst beim Zuschauen keinen Nervenkitzel aus, sondern evoziert eher ein wohliges Empfinden angesichts einer noch scheinbar intakten Natur. Der bestens ausgerüstete Mann und sein Hund haben offensichtlich nichts Bestimmtes vor: Ein Zelt wird aufgebaut, Kaffee am Lagerfeuer gekocht, ein Buch gelesen. Auffällig sind allerdings die Narben des Hundes, der auf den Namen Odin hört, und die Prothese, die sein fehlendes Vorderbein ersetzt. Und plötzlich mischen sich zwischen die idyllischen National-Geographic-Szenen blitzartig Rückblenden: Geschrei, Schüsse, Kampfszenen. Der ehemalige Soldat und sein Begleiter, ein ausgemusterter Militärhund, haben ihren letzten Kriegseinsatz nur knapp überlebt.
Tatsächlich leidet jedoch nicht James Belmont, sondern sein treuer Begleiter an einer posttraumatischen Belastungsstörung – ein wiederholtes Aufjaulen und Aufschrecken sind nur die äußeren Anzeichen für das Leid des Tieres. Als die beiden auf einen zivilisationsflüchtigen Trapper (J. K. Simmons) stoßen, ist die Stimmung noch gut und das belgische Bier schmeckt – bis am nächsten Morgen das Wetter umschlägt und sich Belmont zum Rückflug entschließt. Dass es am Ende nicht der Sturm ist, der das Flugzeug in einem Gebirgssee versenkt, ändert nichts am Ergebnis: Bis zur nächsten Straße sind es 58 Meilen, die Belmont und Odin durch die Wildnis zurücklegen müssen. Und die Begegnung mit einem Grizzly ist erst der Anfang eines zunehmend lebensgefährlichen Marsches.

Unsichtbares Band

David Ayer („End of Watch“, „The Beekeeper“), derzeit einer der versiertesten Actionregisseure Hollywoods, weiß die Spannung allen vorhersehbaren Hindernissen – reißende Flüsse, wilde Tiere und damit einhergehende Verletzungen – zum Trotz aufrechtzuerhalten. Denn der Reiz dieses Survivalthrillers liegt in eben dieser gespannten Erwartungshaltung: Obwohl man ahnt, ob eine Situation fatal oder gerade noch gut ausgehen wird („Good job, buddy“), ist auch das nächste Unheil stets packend inszeniert. „Eiserne Wildnis“ erinnert an Filme wie „All is Lost“ und „The Revenant“, in denen sich bereits Robert Redford und Leonardo DiCaprio auf sich allein gestellt den Naturgewalten stellen mussten. Im Gegensatz dazu behält „Eiserne Wildnis“ bis zum Ende den Blick für die Schönheit der Natur bei: Ayer erzählt weniger vom reinen Überlebenskampf als von der tiefen Beziehung zwischen Mensch und Tier. Belmont mag sich auf seine Erfahrung, auf Training und Improvisation stützen, doch letztlich ist er darauf angewiesen, dass das unsichtbare Band zu Odin unter dem strahlenden Nordlicht nicht reißt.

ab 24.9. Cineplexx Hohenems

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