Neu in den Kinos: „Ein Leben ohne Liebe ist möglich, aber sinnlos“ Michael Pekler · Dez 2025 · Film
Wenn sich eine 50-jährige verheiratete Frau wünscht, die Liebe neu zu entdecken, ist eine Suche mit Hindernissen vorprogrammiert. In der ungewöhnlichen romantischen Komödie des spanischen Regisseurs Cesc Gay begibt sich die Hauptdarstellerin Nora Navas auf den beschwerlichen Weg zum Glück.
Das Hotel neben dem Forum Romanum ist ein Ort zum Verlieben. Die spanische Verlagsangestellte Eva (Nora Navas), auf Dienstreise in Italien, lernt dort den argentinischen Drehbuchautor Álex (Rodrigo de la Serna) kennen. Natürlich zufällig, denn zwischen ihren Hotelzimmern gibt es eine halboffene Verbindungstür und damit vor Evas Augen plötzlich einen fast nackten Mann. Doch manchmal, wie alle wissen, die auf der Suche nach der Liebe sind, muss man den Zufall auch zulassen.
Eva ist knapp 50 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Álex ist geschieden und kinderlos. Man begegnet einander wieder beim Frühstück, kommt ins Gespräch. Álex wohnt, schon wieder so ein Zufall, wie Eva in Barcelona. Die Einladung zu einem gemeinsamen Abend bei Álex’ Freunden nimmt Eva nur zögernd an, denn Spanien mag für sie augenblicklich weit weg sein, bei ihrer Heimkehr aber auf sie warten. Am nächsten Morgen, nachdem man sich vorbildlich ins eigene Zimmer verabschiedet hat, ist Álex verschwunden. Was Eva zunächst bleibt, ist ein Buch mit einer Telefonnummer.
Liebesgeschichten und Trennungssachen
Die Weichen für eine wie am Reißbrett entworfene romantische Komödie, über die im Presseheft zum Film die Beschreibungen „berührend“ und „leichtfüßig“ stehen, wären also gestellt. Doch die Romantik bleibt überraschenderweise aus, denn aus der römischen Liebe wird wider Erwarten nichts – stattdessen landet Eva zu Hause im Alltag. Wo sie allerdings, auch weil der Kontakt zu Álex nach wenigen Textnachrichten abgebrochen ist, nicht mehr richtig ankommt: Sie beobachtet verliebte Paare, zweifelt plötzlich an ehelicher Verbindlichkeit und beschließt, zum Entsetzen ihrer Freundinnen, sich von ihrem zuverlässigen und von allen respektierten Mann Victor (Juan Diego Botto) zu trennen. Womöglich haben die Tage in Rom nur etwas in ihr ausgelöst, das schon länger vorhanden war.
Hübsche Verpackung
Mit „Ein Leben ohne Liebe ist möglich, aber sinnlos“ (so der seltsam missglückte Verleihtitel von „Mi amiga Eva“) bewegt sich Autor und Regisseur Cesc Gay auf vertrautem Terrain. Der knapp 60-jährige Spanier widmet sich nämlich in seinen Arbeiten, wie etwa der Tragikomödie „Sentimental“ und dem Drama „Freunde fürs Leben“, vorzugsweise den Beziehungsverhältnissen seiner eigenen Generation. Fast immer geht es um Beruf, Kinder, Familie, Trennungen und Liebesnöte von Menschen in der Großstadt, und man darf die bisweilen zu hübsche Verpackung dieser Filme ebenso durchaus kritisieren wie ihre Art, ernste Fragen auf „warmherzige“ Weise zu beantworten. In dieser Hinsicht bildet „Ein Leben ohne Liebe“ keine Ausnahme: Dass Eva sich von Victor trennt und nicht umgekehrt, entspricht nicht dem bekannten Rollenbild und zieht nicht nur im familiären Umfeld entsprechende Konsequenzen nach sich. Ganz zu schweigen von den Teenager-Kindern, die es nicht akzeptieren können, dass sich ihre alleinlebende Mutter auf Dating-Plattformen umsieht. Evas Wunsch, als mittlerweile Fünfzigjährige wieder – oder noch einmal – die Liebe zu entdecken, erweist sich jedenfalls als anstrengend.
Schmetterlinge im Bauch
Der Nachteil dieser Erzählung, die immer wieder ins Komische kippt, ist allerdings ihre Thesenhaftigkeit, wodurch sämtliche Nebenfiguren – allen voran Ex-Mann und Freundinnen – ihre jeweilige Aufgabe schablonenhaft erfüllen. Gerade weil Evas langjährige Ehe keinem Dampfkochtopf gleicht, fällt ihr die Trennung schwer – doch so wie sie den Wunsch nach Trennung schlecht erklären kann, so wenig schafft das letztlich auch dieser Film. Immerhin wünscht man Eva, dass die berühmten Schmetterlinge im Bauch wieder flattern, solange es noch nicht zu spät ist.
ab 12.12., Cinema Dornbirn