Neu in den Kinos: „Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit“ Michael Pekler · Jun 2026 · Film

In seinem jüngsten Science-Fiction-Blockbuster tritt Steven Spielberg den Beweis an, dass Aliens existieren und wir deshalb an sie glauben sollten. An den Film selbst hat man jedoch bereits den Glauben verloren, noch bevor man den ersten Außerirdischen zu Gesicht bekommt.

„I’m doing the right thing.“ In den Filmen von Steven Spielberg sind die wirklich wichtigen Menschen, von denen es aber immer nur ganz wenige gibt, stets davon überzeugt, das Richtige zu tun. Dass sie für die richtige Sache eintreten. Das kurze Innehalten ist allenfalls ein Zögern, wie man die Hindernisse – weiße Haie, korrupte Politiker, böse Nazis – auf dem Weg zum Ziel am besten ausschaltet, der Glaube an das Richtige und damit sich selbst bleibt stets aufrecht. In „Disclosure Day“ ist der Physiker Daniel Kellner (Josh O’Connor) davon überzeugt, dass die Weltbevölkerung ein Recht hat, die Wahrheit zu erfahren: Außerirdische sind unter uns. Als Experte für Cyberkriminalität und Insider hat Kellner jahrelang der US-Regierung geholfen, die Menschheit zu belügen. Doch nun muss, wie er seiner Freundin erklärt, die Wahrheit ans Licht kommen. „I’m doing the right thing.“ 

Saurier in der Kinolandschaft

„Disclosure Day“ ist ein Film, der dreißig Jahre zu spät ins Kino kommt und von zwei wesentlichen Merkmalen bestimmt wird: Zum einen ist es ein Film von Steven Spielberg, zum anderen ist es ein Blockbuster alter Schule, wie ihn vermutlich nur noch jemand wie Spielberg selbst zustande bringt. „Wenn es etwas gibt, was das Kino Steven Spielberg verdankt“, schrieb der leider viel zu früh verstorbene Filmkritiker Michael Althen, „dann ist es der sogenannte Blockbuster. Diese Filme überzeugen durch schiere Präsenz. Wie Saurier stampfen sie durch die Kinolandschaft, unempfindlich gegen alle Anfeindungen, unersättlich in ihrer Gier nach Zuschauern.“ Das trifft auf „Disclosure Day“ von der ersten bis zur letzten Minute zu. Ein absolut liebloser Film, der davon lebt, eine Botschaft zu vermitteln, die irgendetwas mit Menschlichkeit und Aufrichtigkeit zu tun haben will. Der also von etwas erzählt, was er selbst nicht besitzt.

Die Auserwählten sind unter uns

Die Enthüllungsgeschichte, die Spielberg und sein langjähriger Co-Autor David Koepp zweieinhalb Stunden lang ausbreiten, kreist um Kellner als ehemaligen Mitarbeiter der Geheimorganisation „Wartex“, die im Auftrag des US-Militärs seit Jahrzehnten Alien-Sichtungen vertuscht, und die TV-Journalistin Margaret Fairchild (Emily Blunt), die plötzlich seltsame Fähigkeiten besitzt, die ihr Umfeld nachhaltig verstören. Die Wettermoderatorin beherrscht nicht nur jede beliebige Sprache, sondern kann auch in das Gedächtnis ihrer Mitmenschen eindringen und ihre Erinnerungen abrufen. Das lässt einen Straßenpolizisten ebenso verdutzt zurück wie den koreanischen Studiogast. Kellner und Fairchild sind die für Spielberg typischen Auserwählten, die aufgrund einer einschlägigen Erfahrung in der Kindheit vor dem vermeintlichen Weltenretter und „Wartex“-Leiter (Colin Firth) die Flucht antreten.

Kinder und Kitsch

Kann eine ohnehin bereits aus den Fugen geratene Welt die Nachricht verkraften, dass die Menschheit bereits seit Langem Besuch von einer außerirdischen Lebensform bekommen hat? Dass die Aliens in „Disclosure Day“ so aussehen, wie man sie sich nicht nur im Kino seit „E.T.“ vorstellt, ist auch Steven Spielberg zu verdanken. Überhaupt wirkt „Disclosure Day“ wie ein Mashup bisheriger Arbeiten des Regieveteranen: Hier eine Verfolgungsszene wie in „Indiana Jones“, dort die Faszination für Monitore wie in „Poltergeist" und „Minority Report“, strahlende Erscheinungen wie in „Close Encounters of the Third Kind“ und nicht zuletzt an der Kitschgrenze inszenierte Kinderaugen, die ins Licht schauen. Allerdings wirkt diese Zusammenstellung aus dem Spielberg-Baukasten derart schwerfällig, dass man meint, es handelt sich bei „Disclosure Day" um eine überlange Episode aus seiner eigenen Achtzigerjahre-Fernsehreihe „Amazing Stories".

Nicht klug genug

Um zur Abwechslung einmal erfreuliche Nachrichten zu verbreiten, begann das Pentagon vor wenigen Wochen damit, bislang unter „Verschluss" gehaltene Akten zu UFO-Sichtungen zu veröffentlichen. Die recht skurrilen Aufnahmen lassen jedoch stark vermuten, dass die Außerirdischen wohl intelligent genug sind, um sich nicht mit uns zu beschäftigen. Über eine Geheimorganisation, die die Existenz von Aliens vertuschen muss, war leider nichts zu erfahren. 

ab 10.6., Kino Bludenz (dF), Cinema Dornbirn (dF), Cineplexx Hohenems (dF, OF am 10.6., 19 Uhr), Skino Schaan (OmU); ab 11.6., Cineplexx Lauterach (dF)

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