Neu in den Kinos: „Der perfekte Urlaub“ Michael Pekler · Okt 2026 · Film

„Fack ju Göhte“-Regisseur Bora Dagtekin konnte es nicht lassen: Im Sequel zum deutschen Kassenschlager „Das perfekte Geheimnis“ landet das Ensemble rund um Elyas M’Barek und Karoline Herfurth auf Mallorca. Man will nicht glauben, was man sieht, doch die Leinwand lügt nicht: Manche Geheimnisse und Kinobesuche behält man besser für sich.

Über die Sinnhaftigkeit des Filmsequels nachzudenken, ist sinnlos. Was zählt, ist einzig der kommerzielle Erfolg. Bei vielen Filmen stellt sich also nicht die Frage, ob es eine Fortsetzung geben wird. Sondern nur, wann. Im Falle von „Das perfekte Geheimnis“ (2019) hat die Schonfrist immerhin sieben Jahre gedauert. Die Komödie – ein Remake des mit unzähligen Neuverfilmungen ausgeschmückten Ensemblefilms „Perfetti Sconosciuti“ (2016) von Paolo Genovese –, in der alle ihr Handy auf den Tisch legen müssen und sämtliche Nachrichten teilen, avancierte in Deutschland zu einem Publikumsmagneten. Was sich bereits damals abzeichnete, wird nun in „Der perfekte Urlaub“ offensichtlich: Qualitatives deutsches Mainstreamkino bleibt ein Widerspruch in sich.

Blöder Zufall

Bora Dagtekin, der die „Fack ju Göhte“-Reihe zu verantworten hat, gilt als der kommerziell erfolgreichste Filmemacher Deutschlands, weshalb sich wohl auch das restliche Ensemble an der Mitwirkung bei „Der perfekte Urlaub“ bereit erklärt hat. Sofern es in diesem Film eine Handlung gibt, lässt sie sich wie folgt zusammenfassen: Nach dem Handyspiel mit den intimen Offenbarungen sind alle irgendwie angeknackst. Was die Männer – das sind Leo (Elyas M’Barek), Pepe (Florian David Fitz), Rocco (Wotan Wilke Möhring) und Simon (Frederick Lau) – auf die grandiose Idee bringt, sich auf Mallorca zu regenerieren. Männer eben. Womit das Quartett, das sich dafür in der Finca eines Bekannten einquartiert, allerdings nicht gerechnet hat: Auch die Frauen – das sind Eva (Jessica Schwarz), Carlotta (Karoline Herfurth), ihre Freundin Maus (Diana Amft) und Evas Teenager-Tochter Sophie (Emily Kusche) – haben dieselbe Urlaubsadresse gebucht. Zufälle soll es geben – auch blöde. 

Verhängnisvolle Affären

Der Urlaub steht dementsprechend im Zeichen der Aufarbeitung und Richtigstellung: Weil Carlotta ihrem Leo misstraut, unterstellt sie ihm prompt die nächste Affäre. Ob die Nachrichten, die sie heimlich auf seinem neuen Smartphone liest, tatsächlich von der Geliebten stammen? Pepe wiederum muss sich nach seinem Outing von seinen heterosexuellen Freunden erklären lassen, wie man als schwuler Mann überhaupt liebt und lebt. Schrammt der Film hier entgegen seiner Intention an der Grenze zur Homophobie? Ja. Unterdessen haben Eva und ihr Ehemann Rocco jeweils eigene Altlasten im Gepäck, an deren Enthüllung sich Dagtekins Drehbuch zäh abarbeitet.

Urlaubsunkultur

Tatsächlich gehören jene Szenen zu den stärksten, in denen sich der Film der bitteren Realität annähert: Als die Finca natürlich aus reiner Dummheit abgefackelt wird, zieht die Truppe zwangsweise in ein Ballermann-Clubhotel um. Vermutlich ist die echte Welt noch grausamer als das Sittenbild, das uns hier serviert wird: deutsche Urlaubsunkultur, Weißwein aus dem Tetrapak und ein bezeichnender Gastauftritt der No Angels. Irgendwann muss zum Glück die Heimreise angetreten werden – das Beste an diesem Film.

ab 21.10., Cineplexx Hohenems, Kino Bludenz, Kinothek Lustenau, Cineplexx Lauerach, GUK Feldkirch Kino

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