Neu in den Kinos: „Der Hochstapler – Roofman“ Michael Pekler · Nov 2025 · Film

Die wahre Geschichte des Einbrechers Jeffrey Manchester, der sich sechs Monate lang in einem Geschäft der Spielwarenkette Toys'R'Us versteckte. Derek Cianfrance verfilmt das Schicksal des gutherzigen Dachknackers als melancholischen Wohlfühlfilm.

Eigentlich möchte Jeffrey Manchester (Channing Tatum) für alle nur das Beste. Wenn er eine McDonald’s-Filiale ausraubt, schenkt er dem kurzärmeligen Chef seinen Mantel, bevor er ihn im Kühlraum einsperrt. Denn Jeffrey hat ein gutes Herz. Vor allem aber möchte er seinen Kindern jeden Wunsch erfüllen, weshalb er beschlossen hat, Löcher in die Dächer von Fastfood-Restaurants zu schneiden und tolles Spielzeug nach Hause zu bringen. Nie wieder soll es ein so armseliges Geschenk wie am sechsten Geburtstag seiner Tochter geben, als deren enttäuschter Blick den Beginn seiner phänomenalen Einbrecherkarriere markierte. Daran, dass man Liebe nicht erkaufen kann, denkt Jeffrey nicht. Doch dann wird er, mittlerweile landesweit als gesuchter „Roofman“ bekannt, natürlich geschnappt. Um sofort seine Flucht zu planen. 

Nur die Liebe zählt

Der US-Amerikaner Derek Cianfrance („The Light Between Oceans“) erzählt in „Der Hochstapler – Roofman“ die unglaubliche, aber wahre Geschichte des sympathischen Einbrechers und Familienvaters als Rückblende – ihr Verlauf und das Ende sind bekannt. Nachdem Jeffrey hollywoodreif aus dem Gefängnis ausgebrochen ist, versteckt er sich monatelang in einer Filiale von Toys'R'Us ernährt sich von Kindersnacks und Süßigkeiten – und verliebt sich prompt in die im Spielzeugladen arbeitende Leigh (Kirsten Dunst). Die alleinerziehende Mutter zweier Töchter hat er entdeckt, als er in seinem Versteck – hinter der doppelten Wand sieht es bald aus wie in einem Wohnzimmer – eine Überwachungskamera installiert.

Gerechtigkeit vor Recht

„The Roofman“ ist ein trauriger Wohlfühlfilm. Das ist hier kein Widerspruch, denn Cianfrance macht aus dem Kriminalfall – Manchester erhielt bei seiner ersten Verurteilung glatte 45 Jahre Haft aufgebrummt – ein romantisches Schelmenstück. Channing Tatum lässt den populären Dachknacker so sympathisch wirken, dass man für den treuherzigen Familienvater am liebsten Gerechtigkeit vor Recht walten lassen möchte, und Kirsten Dunst ist für den Mann, der sich hinter den Fahrrädern sein eigenes Gefängnis gebaut hat, ein rettender Fels in der Brandung. Wie könnte man es ihm verübeln, dass er sie mit einem Sack angeblich gespendetem Kinderspielzeug in der Kirche besucht und von einem neuen Leben als Familienvater träumt?

Herz gegen Verstand

„We moved on“, erklärt ihm die Ex-Frau am Telefon, „and you need to move on, too.“ Doch Jeffrey kann nicht loslassen, weil er an die Liebe glaubt. Recht und Gerechtigkeit sind in diesem Film nicht dasselbe, der davon erzählt, dass man für das richtige Selbsturteil die eigenen falschen Entscheidungen akzeptieren muss. Ein Film über einen, der zwar ausbrechen, aber nicht aufbrechen konnte. Als sich für Jeffrey plötzlich die Möglichkeit ergibt, sich nach Südamerika abzusetzen, kämpft der Verstand gegen das Herz. Darin liegt auch der Reiz dieses Films: Man schaut jemandem zu, wie er verzweifelt nach dem Glück im trauten Heim sucht, obwohl er weiß, dass dieses wie ein Kartenhaus zusammenbrechen muss.

ab 27.11., Cineplexx Hohenems

 

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