Neu in den Kinos: „Crime 101“ Michael Pekler · Feb 2026 · Film

Ein smarter Juwelendieb, ein sympathischer Detective und eine standhafte Versicherungsmaklerin geraten in ein filmreifes Katz-und-Maus-Spiel, das am berühmten kalifornischen Freeway 101 beginnt und mit der Erkenntnis endet, dass man die wichtigen Dinge im Leben nicht kaufen kann, aber manchmal geschenkt bekommt.

Mike Davis (Chris Hemsworth) ist ein Mann ohne Vergangenheit. In seiner Wohnung hängen keine Familienfotos an den Wänden, er hat keine Freundin, keine Lieblingsmusik und natürlich kein Lieblingslokal. Immerhin hat er ein Lieblingsauto, nämlich einen alten grünen Mustang. Für seine Raubüberfälle verwendet er natürlich weniger auffällige Autos, die er, wenn wie immer alles glatt gelaufen ist, in einer Tiefgarage stehen lässt. Selbstverständlich ohne Spuren zu hinterlassen. Ob Davis eine Zukunft hat, entscheidet sich mit dem berühmten letzten Coup, den er zu Beginn des Films ausführt: einen Überfall am ebenso berühmten Highway 101 in Kalifornien. 

Perfektes Räderwerk

„Crime 101“, geschrieben und inszeniert vom britischen Filmemacher Bart Layton nach einer Kurzgeschichte des US-Autors Don Winslow, funktioniert von der ersten bis zur letzten Minute wie ein perfekt geöltes Räderwerk, bei dem man höchstens Sorge haben muss, dass einem gerade deshalb beim Zuschauen langweilig wird. Davis ist ein Profi, wie er im Hollywood-Bilderbuch steht: fesch, sympathisch, wortkarg, verschlossen – was ihn interessant machen soll, zugleich aber das Gegenteil bewirkt. Zu seinen herausragenden Eigenschaften gehört die Tatsache, dass er bei seinen Überfällen keine Gewalt anwendet, was auch der auf den Meisterräuber angesetzte Detective Lubesnick (Mark Ruffalo) bald erkennt. Und natürlich zu schätzen weiß. Wobei es gar nicht so einfach ist, den Überblick zu wahren, wer was und vor allem warum tut. 

Freiheit und Befreiung

Vieles in diesem Film erinnert an Michael Manns stilprägenden Neo-Noir-Thriller „Heat“, in dem sich Al Pacino und Robert De Niro ein Katz-und-Maus-Spiel liefern: die polierten Oberflächen, die an die Neunzigerjahre angelehnte Ästhetik, die langsame Annäherung der Kontrahenten bis zum Aufeinandertreffen. Das sind natürlich auch Motive und Topoi jahrzehntelanger Genrekonventionen, auf die Spitze getrieben und mit fantastischer Coolness gespielt. Auch Layton kann, wenngleich nicht auf derartige Giganten, auf ein Starensemble zurückgreifen, das er mit Halle Berry als desillusionierter Versicherungsmaklerin und Barry Keoghan als hyperaktivem Gegenspieler komplettiert. Doch im Grunde geht es nicht um Juwelen und Versicherungsbetrug, auch nicht um das Hin und Her von Verdächtigungen, kurzfristigen Bündnissen oder die üblichen Eheprobleme des üblichen amerikanischen Detectives. Sondern natürlich um persönliche Freiheit und um Befreiung, sei es die des Räubers aus den Fängen eines ihn seit Jahren ausnützenden Hehlers (Nick Nolte in einer Nebenrolle), die des Polizisten aus seinem tristen Alltag oder jene der Maklerin von ihren saturierten Kunden. Es muss nicht die Welt gerettet, sondern nur das Leben bewältigt werden.

Nur mit Geduld

Unterlegt sind die vom norwegischen Kameramann Erik Wilson ausnehmend schön fotografierten Bilder vom wummernden Elektrosound des britischen Musikers Blanck Mass, der die Tonspur mit treibenden Beats füllt. Das hört sich dynamisch an, wird bei knapp zweieinhalb Stunden allerdings zur akustischen Geduldsprobe. Aber das passt gut zum coolen Gangster, der für seinen Ausstieg aus dem hochriskanten Geschäft ebenfalls einen langen Atem braucht.

ab 12.2., Kinothek Lustenau (dF), Cineplexx Hohenems (OF am 16.2. und 18.2.)

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