Neu in den Kinos: „Backrooms“ Michael Pekler · Jun 2026 · Film
Der Besitzer eines heruntergekommenen Möbelgeschäfts entdeckt im Untergeschoss seines Ladens eine unsichtbare Tür. Von Tag zu Tag dringt er immer weiter in das Labyrinth aus Gängen und leeren Räumen vor. Der auf dem gleichnamigen Internetphänomen basierende Horrorthriller erkundet die Untiefen der menschlichen Psyche. Der wahre Schrecken sind wir selbst.
Der Prolog mutet an wie ein Videospiel. Mit dem Unterschied, dass in dem Labyrinth aus Räumen und Gängen, in das man zu Beginn des Kinofilms „Backrooms“ geworfen wird, der Tod endgültig ist. Langsam tastet sich der suchende Blick der Kamera vor, späht vorsichtig um die nächste Ecke, hinter der offensichtlich Gefahr lauert. Rasches Atmen und Stolpern. Man sei von den anderen getrennt worden, keucht eine Stimme. Wer allein ist, stirbt an einem solchen Ort bekanntlich noch schneller. Es ist kein dunkler Keller, durch den sich die Kamera vorarbeitet, sondern es sind hell erleuchtete, leergeräumte Büroräume. Ein Schatten, ein Poltern, eine Flucht. Eine verschlossene Tür.
„Backrooms“ ist, neben dem kommende Woche startenden Horrorfilm „Obsession“, bislang eine der großen Überraschungen der diesjährigen Kinosaison. Wobei das wieder zu relativieren ist, denn der Psychothriller wurde vom New Yorker Studio A24 produziert, wo man nichts dem Zufall überlässt, sondern beinhart mit der jungen Zielgruppe kalkuliert. Die Produktionskosten des Films belaufen sich auf zehn Millionen Dollar, das bisherige Einspielergebnis beträgt 250 Millionen. Für diesen kommerziellen Erfolg hat man auf die gleichnamige YouTube-Serie des 20-jährigen Filmemachers Kane Parsons zurückgegriffen, die als Internetphänomen für millionenfache Klicks sorgte. Die „Hinterzimmer“ sind unendlich ausgedehnte, auf mehrere Etagen verteilte Innenräume, die durch Glitches betreten werden können – und den Besucher:innen große Unannehmlichkeiten bereiten.
Haus im Haus
Aus der Horror-Webserie wurde nun ein ebenfalls von Parsons inszenierter Kinofilm, der die Idee seiner Vorlage geschickt in die Länge zieht. Nach der beunruhigenden Eröffnungsszene, deren Bedeutung sich natürlich erst im Laufe des Films erschließt und die sich stark am Fake-Found-Footage-Klassiker „The Blair Witch Project“ anlehnt – der ewigen Blaupause für das Subgenre –, landet man in der unschönen Lebensrealität von Clark (Chiwetel Ejiofor), eines Möbelhausbesitzers im amerikanischen Niemandsland. Clark hat eben keine gute Zeit, nachdem ihn seine Frau aus dem eigenen Haus geworfen hat und sein Geschäft bis auf seine zwei Angestellten niemand betreten will. Immerhin besucht er regelmäßig seine Psychotherapeutin Dr. Mary Kline (Renate Reinsve), die Lebensratgeber mit Titeln wie „The Window Within“ im Werbefernsehen verkauft. Unregelmäßigkeiten bei der Stromversorgung und drei seltsame rote Schalter im Sicherungskasten lassen Schlimmes ahnen, und tatsächlich verschlägt es Clark eines Abends im Untergeschoss seines Ladens auf die andere Seite. Wer durch eine Wand greifen kann, will auch wissen, wie es dahinter aussieht.
Es ist ein surrealistisch inspiriertes Haunted House, das sich hier auftut. Zu einem Berg aufgetürmte Möbel, halb im Teppichboden versenktes Mobiliar und ein Straßenschild bilden den Anfang, dann verliert sich der Weg in ein Gewirr aus Gängen, Schächten und Sackgassen. Die seit einigen Jahren enorm populären Backroom-Spiele, die mit dem Escape-Trend einhergehen, funktionieren nach diesem Prinzip: Es sind sogenannte „Liminal Spaces“, in denen man sich verirrt, wie etwa verlassene Büros, leere Parkhäuser. Ein postapokalyptisches Szenario, das bedrohlicher wirkt als jeder Horrorwald. Clark entdeckt, je weiter er in das Labyrinth vordringt, sogar einen Pool.
Ungläubige Therapeutin
Damit das im Kino aber zwei Stunden lang spannend bleibt, braucht es auch eine Geschichte. In „Backrooms“ beschränkt sich die Erzählung darauf, dass Clark seiner zunächst ungläubigen Therapeutin von seiner Entdeckung berichtet, woraufhin diese ebenfalls die Paralleldimension erkundet. Wie in jedem Horrorfilm erweist sich das selbstverständlich als keine gute Idee, und auch der genrekonforme Plot-Twist darf natürlich nicht fehlen. Wenig überraschend ist dies auch der Schwachpunkt dieses ansonsten atmosphärisch starken Films.
Chiwetel Ejiofor scheint die Rolle des selbstmitleidigen Verkäufers, der allen anderen die Schuld an seinem Elend gibt, zu genießen. Und auch der europäischen Starschauspielerin Renate Reinsve macht der Ausflug ins amerikanische Horrorfach sichtlich Spaß. Als Patient und Therapeutin erkunden sie die beiden suchenden Seelen in uns.
ab 17.6., Cineplexx Hohenems (dF, OF am 17.6., 19.30), Cineplexx Lauterach (dF),
ab 19.6., Skino Schaan (OmU)