Neu in den Kinos: „Auf zwei Rädern“ Michael Pekler · Jul 2026 · Film
Zwei Freunde und ein Hund machen sich per Rad auf den Weg von Frankreich ans Schwarze Meer. Ein tragikomischer Reisefilm, entstanden in Erinnerung an den verstorbenen Sohn von Regisseur Mathias Mlekuz, der davon erzählt, was das Leben wert ist.
Natürlich kommt es im Lauf der Reise zu einem Streit. Mathias (Mathias Mlekuz) und Philippe (Philippe Rebbot) sind mit ihren Fahrrädern endlich in Rumänien angekommen, es wird dunkel und die beiden haben noch keinen Schlafplatz für die Nacht gefunden. Tagsüber haben ihnen streunende Hunde zugesetzt, eben wurde Philippe beinahe von einem Auto überfahren. Jetzt liegen die Nerven blank und man wird laut. Doch hier wird aus einem Streit, der nicht im Drehbuch steht, eine kleine Spielfilmszene. „Wir streiten uns in diesem Moment wirklich“, so Regisseur Mathias Mlekuz, „aber anstatt aufzuhören, wie wir es im wirklichen Leben vielleicht tun würden, machen wir weiter, weil wir Schauspieler sind und in erster Linie für den Film agieren.“ Womit er die größte Qualität von „Auf zwei Rädern“ („À Bicyclette!“) auf den Punkt bringt: Nahezu spielerisch wechselt dieser Film vom Dokumentarischen ins Fiktionale – und wieder zurück. Und erzählt wie nebenbei die kurze Geschichte zu einem langen Abschied.
Erinnerungsorte
Jedes Roadmovie beginnt typischerweise mit einem Aufbruch. In diesem Film findet er an der französischen Atlantikküste im Schatten eines riesigen Baums statt. Es ist eine der wenigen vorbereiteten Szenen, in der Mlekuz eine Rede vor Familienangehörigen und Freunden hält. Im Andenken an seinen vor zwei Jahren verstorbenen Sohn Youri möchte er mit seinem Freund Philippe eine Radtour unternehmen, und zwar entlang jener Route, die auch Youri damals wählte. In Istanbul will man schließlich zum ersten Mal Youris Freundin kennenlernen – jene Frau, zu der er zum letzten Mal „Ich liebe dich“ sagte.
Was anfänglich nach Pathos und Traurigkeit klingt, entwickelt sich jedoch bereits nach wenigen Kilometern zu einem Buddymovie über das Wesen der Freundschaft und die Frage nach dem Sinn des Lebens. Den beiden ziemlich unsportlichen Männern mit Hund Lucky im Fahrradkorb – begleitet von einem nur fünfköpfigen Technikteam – traut man keinen Augenblick zu, dass sie den weiten Weg durch halb Europa absolvieren, und tatsächlich werden Bus und Bahn später zum Einsatz kommen. Zur genauen Festlegung der Route dient Mathias jenes Fotoalbum, mit dem Youri damals seine Reise dokumentierte und mit dem das Trio nun die einzelnen Erinnerungsorte besucht. An einem See in Frankreich wird Youris Foto exakt nachgestellt, in Wien improvisiert die Schauspielerin Adriane Grzadziel in einer längeren Szene als strenge Gastgeberin einer Privatunterkunft, in Budapest entzündet Mathias in der berühmten Matthiaskirche eine Kerze, und in Rumänien philosophiert man mit einem ausgewanderten Landsmann und Fotografen, dem sein Haus abgebrannt ist.
Momente des Glücks
Im Zentrum stehen jedoch die abendlichen Gespräche zwischen Mathias und Philippe, die sich um Elternschaft und die glücklichsten Momente im Leben, aber auch um die beste Art zu sterben und um Schuld drehen – langsam erfährt man dabei auch die Hintergründe für Youris Tod. „Wir werden ihn zwar nicht finden, aber so bleibt er lebendig“, meint Mathias. Aber auch Philippe gehen die Erinnerungen an den toten Sohn des Freundes nahe. „Dein Kind schenkt mir die schönsten Momente meines Lebens. Scheiße.“
Man merkt diesem Film an, dass Mlekuz und Rebbot einander seit zwanzig Jahren kennen und dass „Auf zwei Rädern“ sich aus einer einfachen Idee wie von selbst ergeben hat. Egal, ob man sich wie der Kettenraucher Rebbot in Anzug und Krawatte aufs Rad setzt und dabei aussieht wie Harry Dean Stanton in „Paris, Texas“ oder man wie Hund Lucky mit Sonnenbrille den Fahrtwind genießt – von diesem Film kann man sich auf jeder Etappe etwas für die eigene Lebensreise mitnehmen.
ab 10.7., TaSKino im GUK Feldkirch (OmU)