Musik zum Mitfühlen und Mitdenken Silvia Thurner · Apr 2026 · Kinder
Karl Markovics, Guntram Simma und das Collegium Instrumentale Dornbirn geben ein Erzählkonzert für Kinder ab fünf Jahren.
Das Collegium Instrumentale Dornbirn hat Guntram Simma im Jahr 2007 initiiert und seither mit diesem Orchester musikalische Stadt- und Landesgeschichte geschrieben. Hervorgegangen ist es aus dem Jugendsinfonieorchester der Musikschule Dornbirn. Dort war der Orchestergründer und Dirigent jahrelang Direktor und hat als kulturpolitisch aktiver Mitgestalter im Land ein kreatives „Biotop“ für den musikalischen Nachwuchs und die Orchesterkultur geschaffen.
Seit seiner Gründung hat sich das Collegium Instrumentale Dornbirn mit vielgestaltigen Konzertprogrammen einen Namen gemacht. Oft werden neue Kompositionen präsentiert und stets erhalten namhafte Solist:innen ein Podium. Unter anderem zeigen die Musiker:innen im zweijährigen Abstand ihre Profession im Rahmen der Abonnementkonzerte „Dornbirn Klassik“.
„Immer wieder bezog das Collegium Instrumentale Dornbirn mit kreativen Programmen das Publikum in das Konzertgeschehen mit ein“, hebt Guntram Simma einen Wesenszug seiner musikalischen Praxis hervor. „Es war naheliegend, ganze Familienkonzerte anzubieten, die in Dornbirn in den letzten Jahren mit großer Begeisterung angenommen wurden.“ So gab es Rätselkonzerte oder thematische Programme wie „Von Dichtern, Bauern und Jägern“, bei denen musikalische Natur-, Volks- und Jagdmotive im Mittelpunkt standen. Erst kürzlich sorgte das Orchester beim „Clowncerto“ für gute Stimmung.
Gegen Missstände ankämpfen
Schon als der Begriff „Musikvermittlung“ noch nicht in aller Munde war, hat Guntram Simma diese Praxis mit vielerlei Programmen musikpädagogisch gelebt. In einem Interview betonte er seine Beweggründe: Er sehe seine Hauptaufgabe darin, gegen die Eventkultur anzukämpfen. Die Form eines Symphonieorchesters müsse sich verändern. Das sei notwendig, damit auch Jugendliche ins Konzert kommen. Gleichzeitig weist er auf einen folgenschweren Missstand in den Lehrplänen hin. „Wenn man in den Schulen den Musikunterricht kürzt oder streicht, braucht man sich nicht zu wundern, wenn die Menschen mit der klassischen Musik nichts mehr anfangen können.“
Seit Jahrzehnten miteinander verbunden
Karl Markovics und Guntram Simma verbindet eine langjährige Freundschaft. Bereits zahlreiche Projekte haben sie gemeinsam realisiert, unter anderem im Rahmen der „Jeunesse“. Zuerst standen sie mit Humperdincks „Hänsel und Gretel“ auf der Bühne, später präsentierten sie das musikalische Märchen „Der Bär“ von Tristan Schulze. Bereits vor gut zehn Jahren erzählte Karl Markovics die Geschichte von „Babar, dem Elefanten“ mit Guntram Simma am Dirigentenpult. „Die Projekte waren immer außerordentlich interessant und erfolgreich.“ Nun geben sie eine Neuauflage dieses Erfolgsstücks.
Eine Figur, die seit Generationen begeistert
Francis Poulencs Geschichte von „Babar, dem kleinen Elefanten“ vergleicht Guntram Simma mit „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgski. Wie diese ist die Geschichte zunächst in einer Klavierfassung entstanden. Später wurde das Werk von Jean Françaix, „einem außergewöhnlich einfallsreichen und witzigen Komponisten, zu einem impressionistischen Orchesterwerk bearbeitet“, schwärmt Guntram Simma.
Das Erzählstück geht auf die von Jean de Brunhoff geschaffene Figur des Babars aus dem Jahr 1931 zurück. Es verzaubert die Kinder bis heute. Auch Francis Poulencs Nichte war von Babar begeistert. Den kleinen Elefanten verschlägt es nach dem Tod seiner Mutter in die Stadt, wo ihn eine ältere Dame wie ein Menschenkind aufzieht. Später kehrt er in den Urwald zurück, heiratet die Elefantin Celeste und wird schließlich König.
Spontan entstanden
Während eines Besuchs bat die Nichte ihren Onkel, ihr die Geschichte zu erzählen. Der Pianist improvisierte dazu am Klavier und entwarf dabei Themen, die den Elefanten und seine Gefühle charakterisieren sowie Begegnungen und das Umfeld illustrieren. Poulenc sah in seinem spontan entstandenen Stück eine Gelegenheitskomposition. Deshalb brachte er die Musik erst fünf Jahre nach der Entstehung, wieder auf Drängen seiner Nichte, zu Papier.
Die Erzähltexte verband Poulenc mit musikalischen Zwischenspielen. Hierfür erfand er eingängige, musikalisch atmosphärische Themen und Formen wie Nocturne, Marsch, Wiegenlied, Walzer und andere. Die in Musik gefassten Abenteuer von Babar wurden im Laufe der Zeit in zahlreichen Alben, Zeichentrickfilmen und Fernsehserien weitererzählt. Die farbenreich instrumentierten Themen, die zugleich die Erzählung illustrieren und die Figuren charakterisieren, sowie die enge Beziehung zwischen dem Text und der Musik machen die Faszination der bilderreichen musikalischen Geschichte aus.
Dieser Artikel ist bereits in der Print-Ausgabe der KULTUR April 2026 erschienen. Hier geht es zum E-Paper.
Collegium Instrumentale Dornbirn: „Babar, der kleine Elefant“ v. Francis Poulenc
Guntram Simma, Dirigent; Karl Markovics, Sprecher
Sa, 25.4., 17 Uhr, Gebhard Wölfle Saal, Bizau
So, 26.4., 17 Uhr, Kulturhaus Dornbirn
ab 5 Jahren
www.collegium-instrumentale.at