Musik, die man hört, sieht und fühlt
„Beat the Silence“ im vorarlberg museum zeigte eindrücklich, wie Musik sichtbar wird.
Silvia Thurner ·
Mär 2026 · Musik
Ein in mehrerlei Hinsicht anregendes Konzert war im Rahmen der Jazzkonzerte im vorarlberg museum zu erleben. Unter dem Motto „Beat the Silence“ gaben die Jazzsängerin Veronika Morscher & Band gemeinsam mit Tänzerinnen, Gebärdenpoesie und Visual Arts ein Konzert, das die Musik auf faszinierend vielschichtige Weise erfahrbar machte. Eine erstmals eingesetzte Vibrationsbühne ermöglichte es zusätzlich, Veronika Morschers Kompositionen körperlich zu spüren. So wurde das Konzert für nicht hörende, schwer hörende und normal hörende Musikbegeisterte zu einem eindringlichen und freudvollen Erlebnis. Bisherige Hörerfahrungen wurden genuss- und fantasievoll erweitert und hinterließen tiefgehende Eindrücke.
„Beat the Silence“ nennt sich der in Wien angesiedelte Verein für Chancengleichheit rund um Anna Blaskó und Mariann Grunenwald. Im Rahmen einer Österreich-Tournee mit der hierzulande bestens bekannten Jazzsängerin Veronika Morscher waren die Künstler:innen auch im vorarlberg museum in Bregenz zu Gast. Der Saal konnte die zahlreichen Konzertbesucher:innen kaum fassen, so groß war der Andrang. Nicht allein die hervorragend disponierte Veronika Morscher und ihre Band mit Andreas Tausch an der Gitarre, Katarina Kochetova am Klavier, Anna Reisigl am Bass und Valentin Duit am Schlagzeug standen im Mittelpunkt. Vielmehr ging es bei diesem inklusiven Konzertereignis darum, allen Besucher:innen Musik zugänglich zu machen, unabhängig von ihrem Hörvermögen.
Den musikalischen Darbietungen stellten Anja Tanzende Hände, Marina Rützler, Sonja Hanl und Dan Borufka eine körperlich und visuell erfahrbare Kunst zur Seite, die das Publikum in den Bann zog. Insbesondere die mitreißende Ausdruckskraft der Gebärdenpoesie von Anja Tanzende Hände war ein faszinierendes Erlebnis. Gebärdensprache, Mimik, Tanz und eine ausdrucksstarke Körpersprache verband sie zu einer Performance, die weit mehr war als eine visualisierende Deutung der Musik. Sie begeisterte als individuelle Kunstform.
Auch die Tänzerinnen Marina Rützler, Sonja Hanl und der Visual-Künstler Dan Borufka bereicherten die Musikdarbietungen von Veronika Morscher. Sie agierten jedoch eher als zusätzliche musikalische Deutungsebene.
Erstmals kam eine Vibrationsbühne zum Einsatz. Alle Anwesenden waren eingeladen, die Musik von Veronika Morscher auch über die Wahrnehmung der Frequenzen zu spüren. Dafür wurden bewusst die Bassfrequenzen verstärkt. Zudem wurden alle gesprochenen Texte des inklusiven Konzertereignisses in die Gebärdensprache übersetzt und auf Leinwand verschriftlicht. Die projizierten Lyrics bildeten eine willkommene Bereicherung für das Textverständnis der Lyrics. Sie vertieften das musikalische Verständnis, denn die Jazzsängerin transportiert mit ihren Texten viel Inspiration und Inhalte.
Vielgestaltige Themenkreise musikalisch umwoben
Im Rahmen der Tour „Beat the Silence“ präsentiert Veronika Morscher & Band ihr neuestes Album „Blooming“, das 2024 beim LowSwing Records erschienen ist. Ihre Songs sind mitten aus dem Leben gegriffen und widmen sich auch psychologischen Themen. Sie umfassen ein breites Spektrum, von Optimismus trotz schwieriger Umstände, toxischen Beziehungen, dem Erwachsenwerden und „Troubleshooting“ bis zu Fragen des Aufbruchs und des Zuhauseseins, um nur einige zu nennen.
Alle Songs wirkten feinsinnig auskomponiert und unterstrichen die Aussagegehalte der Texte. Veronika Morscher sang sensibel auf Details bedacht, zugleich mit viel Emphase und emotionsgeladen. Ihre aufschlussreichen und sympathischen Moderationen bereicherten die Darbietungen zusätzlich.
Besondere Aufmerksamkeit lenkte die musikalische Gestaltung einzelner Songs auf sich. Markant kamen die aufstrebenden Gesten in „Blooming“ zur Geltung, ebenso eine originell verarbeitete Viertongruppe in „Breathe Out Colour“. Die Gratwanderung der Gefühle spiegelte sich in „Growing Up“ eindrücklich in der harmonischen Gestaltung wider. Entschlossen durch die kraftvollen Beats präsentierte sich „Troubleshooting“, während die melodische Linie in „Worth the Extra Tought“ durch Vokalisen der Sängerin unterstrichen wurde. Große Gesten und der aufgefächerte Gesamtklang der Band blieben in „Follow the Line“ besonders in Erinnerung.
Das neueste Lied aus der Feder von Veronika Morscher trägt den Titel „Moth to a Flame“ und zeichnet sich durch eine markante musikalische Gestaltung aus. Aus Tonrepetitionen heraus entwickelte sich eine dynamische Wirbelbewegung, die allmählich Fahrt aufnahm und den Text originell und ausdrucksstark ausdeutete.
„Beat the Silence“ regte alle Sinne an und war ein freudvoll vielschichtiges Erlebnis, das in Erinnerung bleibt.