Morgenstern in der Holzwerkstatt Ingrid Bertel · Jän 2026 · Ausstellung

Die Münchner Bildhauerin Heike Schaefer zeigt in der Holzwerkstatt Markus Faißt Werke aus Papier, Textilem, Bronze und Mixed Media.

„Das ist der schönste Raum, in dem ich je ausgestellt habe!“ sagt die Bildhauerin Heike Schaefer. Und tatsächlich: Besser könnten ihr filigraner „dance in black“, ihr glühender „asteroid“, ihr dunkler „Morgenstern“ nicht zur Geltung kommen. Schaefers Werke verlangen nach Sichtbarmachung, denn sie sind so komplex, dass wir Betrachter:innen erst ruhig werden müssen und konzentriert, um sie zu sehen. Perfekt sichtbar werden sie in der Atmosphäre der Holzwerkstatt, in deren raffiniert mit dem Licht spielenden Holzflächen, in der fein austarierten Raumgestaltung mit ihren sorgfältig gearbeiteten Materialien.
Von der Decke hängt also „dance in black“ und weckt mit seiner in sich geschwungenen Form Assoziationen an die ausgefallenen Hüte der Belle Époque. Leicht sollen ihre Werke sein, betont Heike Schaefer. Deshalb habe sie sich vom Bildhauer-Material schlechthin, dem Stein, verabschiedet. Aber auch, weil sie lieber etwas hinzufüge als wegnehme. Familiär inspiriert (der Vater hatte einen Verlag), greift sie zu Wellpappe oder Papier, bisweilen auch Textilien oder Weidenruten, fügt Epoxidharz und Gips hinzu, färbt mit Graphit und Erdpigmenten. In zarten Farbtönen und organischen Formen entstehen so Objekte, die wie fremdartige Pflanzen wirken, wie merkwürdige Tiere oder Steine – märchenhaft und dabei doch ganz und gar irdisch.

aus der Haut fahren

Viel Geduld sei nötig, um diese filigranen Gespinste zu formen, erzählt Hausherr Markus Faißt, der die Künstlerin immer wieder im Atelier besucht hat. Sie lacht: Dabei sei sie ein ganz und gar ungeduldiger Mensch. Wenn eine Form sich erschöpft habe, lege sie sie zur Seite. Sie nehme sie vielleicht später wieder auf – und so arbeite Schaefer bisweilen über Jahre hinweg an einem Werk. Die ästhetische Qualität, die dabei entsteht, ist sinnenhaft spürbar.
Aber Heike Schaefer kann auch aus der Haut fahren. Man sieht es an der Körperhülle, die gespenstisch über dem Abgrund einer Treppe schwebt. Dimensionen existenziellen Schreckens sind auch im kühlen Holzreifelager erahnbar. Dort tropft zwischen den Bretterregalen (papierenes) Blut, beginnt aber kurz über dem Boden zu schweben und zu tanzen. Es ist ein Anblick, den man nicht vergisst und der unmittelbar Rilkes Verse ins Gedächtnis zurückholt:

„Denn das Schöne ist nichts
als des Schrecklichen Anfang, den wir noch gerade ertragen,
und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht,
uns zu zerstören.“

Wie erkennen wir das Schöne? Gar nicht, wenn wir uns ihm nicht widmen, nicht die Wahrnehmung dafür entwickeln und pflegen. Die Holzwerkstatt von Markus und Gertrud Faißt ist ein Ort, der dem Dialog mit dem Schönen gewidmet ist. Ein Ort, an dem Handwerk und Kunstwerk fließend ineinander übergehen. Ein großzügiges Geschenk an die Besucher:innen, die hier beides erleben.
Die Ausstellung „Nexus“ von Heike Schaefer ist bis zum 28. Februar jeweils am Freitag und Samstag zwischen 15 und 18 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet. Die Werke von Heike Schaefer können auch käuflich erworben werden.

Heike Schaefer: „Nexus"
bis 28.2., jeweils Fr und Sa, 15–18 Uhr
Holzwerkstatt Markus Faißt, Hittisau 

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