Mit Schwung, Charme und Humor ins neue Jahr
Das Jugendsinfonieorchester Dornbirn und Matthias Seewald läuteten das 125-jährige Stadtjubiläum temperamentvoll ein
Silvia Thurner · Jän 2026 · Musik

Die Silvester- und Neujahrskonzerte sind für das Jugendsinfonieorchester Dornbirn Höhepunkte des musikalischen Jahreskalenders. Gleichzeitig verschönern die jungen Musiker:innen in großer Orchesterbesetzung vielen Musikbegeisterten den Jahreswechsel. Unter der motivierenden Leitung von Matthias Seewald, einer hervorragenden Werkauswahl und gespickt mit humorvollen Moderationen stellte sich im Dornbirner Kulturhaus sogleich eine fröhliche Stimmung ein. Bereichert wurde das Konzert zudem durch das Orchesterwerk „Pour Camille“ des Dornbirner Komponisten Thomas Thurnher. So wurden die Feierlichkeiten zum 125. Jubiläum der Stadterhebung gebührend eingeleitet.

Die Freude und die Anspannung waren den Musiker:innen zu Beginn des inspirierenden Neujahreskonzertes anzumerken, als sie mit der Polonaise aus „Eugen Onegin“ von Pjotr I. Tschaikowsky das Konzertpublikum mit markanten Phrasierungen und teilweise noch etwas verhalten agierenden tiefen Streicherstimmen begrüßten.
Doch sogleich kamen alle miteinander in Fahrt und George Bizets Ausschnitte aus den berühmten „Carmen-Suiten“ erklangen spannungsgeladen und temperamentvoll. Besondere Aufmerksamkeit zog die berühmte Habanera auf sich. Das Orchester intonierte den Satz geheimnisvoll und zelebrierte den typischen Tanzrhythmus wirkungsvoll. Anregend spielten die Musiker:innen das Intermezzo, sie ließen sich Zeit und beeindruckten mit herausragenden, selbstsicher vorgetragenen Soli von Flöte, Klarinette, Oboe, Fagott und Trompete.
Ebenso effektvoll, wieder getragen von bewundernswerten Soli, die die Qualität des Jugendsinfonieorchesters eindrucksvoll unter Beweis stellten, erklang die Ouvertüre zur Oper „Orpheus in der Unterwelt“ von Jacques Offenbach. Die musikalischen Inhalte wurden mit einem schönen Klangfluss erzählt. Den Höhepunkt bildete der charmant und mit tänzerischem Schwung geformte Cancan.

Ein zeitgenössischer Akzent

Eine besondere Note erhielt das diesjährige Neujahrskonzert durch die Aufführung eines zeitgenössischen Werkes des Dornbirner Komponisten Thomas Thurnher. Das Orchesterwerk „Pour Camille“ ist vor gut 20 Jahren entstanden und schildert nach einem Gedicht von Livia Javor die Geschichte eines Mädchens, das durch das Pflücken von Blumen und deren Düften die Verbindung zu ihrem verstorbenen Freund Camille aufrechterhält. Das französische Flair und sein farbenreicher musikalischer Fluss fügten sich gut in die Klangkultur des Jugendsinfonieorchesters ein. Abschnittsweise führten die Orchestermusiker:innen die melodischen Linien von unten nach oben. Dadurch verliehen sie der Musik eine erdige Wirkung mit einem schreitenden Duktus und zugleich einen feinsinnigen, sich verflüchtigenden ätherischen Charakter.
Die Jubiläumsfeierlichkeiten anlässlich „125 Jahre Stadterhebung“ wurden mit der Aufführung dieses Werkes würdig eingeleitet. Selbstverständlich hätte ein eigens für diesen Anlass vergebener Werkauftrag an den Dornbirner Komponisten Thomas Thurnher passgenauer gewirkt als die dargebotene Elegie für Orchester.

Walzer, Witz und Wohlklang

Ausgelassene Festlaune bescherte das Jugendsinfonieorchester dem begeisterten Publikum Josef Strauss' „Plappermäulchen“, der „Bauernpolka“ sowie dem „Vergnügungszug“ von Johann Strauss. Sinnlich zelebrierten das Violoncello und das Fagott die langsame Einleitung im Strauss-Walzer „Tausend und eine Nacht“ und initiierten damit im Orchester eine elegante Musizierfreude.
Johanna und Albert sorgten mit ihren lustigen Moderationen für lachende Gesichter. Treffend bezeichneten sie ihren Orchesterleiter Matthias Seewald vor der Darbietung von Strauss' „Vergnügungszug“ als ihren Lokführer. Mit schnellen Fingern, viel Schwung und Einsatzbereitschaft ließen die jungen Musiker:innen den „Karren schnellen“.
Mit einem ausgefallenen Arrangement spielte das Jugendsinfonieorchester der Stadt Dornbirn ein „Happy Birthday“-Ständchen und entließ die stürmisch applaudierenden Konzertbesucher:innen mit dem obligatorischen Radetzky-Marsch.

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