Junge Stimmen zu Hip-Hop
Mehr als nur Moves
HAK HAS Lustenau ·
Jun 2026 · Tanz
Schüler:innen der HAK Lustenau setzen sich mit Journalismus und Mediengestaltung auseinander. Hier bieten wir Raum für ihre Kulturerfahrungen und Meinungen. Längst hat Hip-Hop auch in Vorarlberg seinen festen Platz gefunden. Für den 28-jährigen Vorarlberger John Armenio ist Hip-Hop seit Jahren mehr als nur Tanz – nämlich Ausdruck, Haltung und Lebensgefühl. Aleyna Aktepe & Shayna Tracy Akosua Klein haben mit ihm darüber gesprochen, wie alles begann, was sich verändert hat und wohin sich die Szene entwickelt.
Aleyna Aktepe & Shayna Tracy Akosua Klein: Wie würdest du Hip-Hop in drei Worten beschreiben?
John Armenio: Lifestyle, Liebe, Community.
Aleyna & Shayna: Was macht die Hip-Hop-Kultur in deinen Augen so besonders?
John: Die Community ist so einladend! Ich habe jetzt zum Beispiel innerhalb von zwei Jahren wirklich viele Menschen aus der ganzen Welt kennengelernt. Leute aus Deutschland, Frankreich, Spanien, der Schweiz, den Philippinen, Belgien etc. und das alles nur, weil wir dasselbe lieben: den Tanz und die Musik. Es ist ganz egal, woher du kommst, wir sind alle gleich.
Aleyna & Shayna: Apropos Kultur: Könntest du auf der Straße einen Hip-Hop-Tänzer in der Masse der Menschen erkennen?
John: Ich erkenne Tänzer meistens an der Art, wie sie angezogen sind, an der Art, wie sie sich bewegen, zum Beispiel an der Gangart oder wenn sie Leuten etwas erklären, also an ihren Handzeichen dabei.
Aleyna & Shayna: Wie bist du selbst zum Hip-Hop gekommen?
John: Über einen Film! Mit sechs Jahren habe ich „You Got Served“ gesehen und so kam ich das erste Mal in Kontakt mit Hip-Hop-Tanz.
Erster Auftritt als Kind
Aleyna & Shayna: Kannst du dich noch an das erste Mal erinnern, als du selbst Hip-Hop getanzt hast?
John: Ja, daran kann ich mich noch sehr gut erinnern! Meine Eltern und ihr philippinischer Verein veranstalteten damals eine Weihnachtsfeier und da wurde uns dann einfach ein Auftritt zugewiesen: Meine Cousinen und ich mussten tanzen. So habe ich meine ersten Schritte gelernt und hatte direkt einen Auftritt! Das Gefühl war überwältigend, für mich war dann schnell klar, dass Hip-Hop ein Bestandteil meines Lebens wird.
Aleyna & Shayna: Und welche Bedeutung hat Hip-Hop heute für dich – viele Jahre später?
John: Für mich hat die Hip-Hop-Kultur einen sehr hohen Stellenwert. Es steckt viel mehr als nur Tanz dahinter: Beim Tanzen kann ich frei sein, einen Ausgleich zum Alltag finden und meine Emotionen ausdrücken sowie alles rauslassen, was raus muss.
Aleyna & Shayna: Würdest du sagen, dass Hip-Hop dich als Person verändert hat?
John: Ja, definitiv, ich wurde etwas lockerer, begann meinen Mitmenschen vorurteilsfrei zuzuhören und mit mehr Respekt zu begegnen, weil man einfach nicht weiß, welche Last der andere als Rucksack mit sich trägt. Und ich lasse vieles nicht mehr an mich heran. Mir ist es inzwischen egal, was Menschen über mich denken.
Aleyna & Shayna: Was sind deiner Meinung nach Schwierigkeiten beim Hip-Hop-Tanz?
John: Den Druck zu haben, immer Leistung zu bringen und performen zu müssen! Das kann einen richtig kaputt machen, habe ich das Gefühl.
Hip-Hop in Vorarlberg
Aleyna & Shayna: Du warst dieses Jahr auch auf dem City Pool Beatz Battle in Feldkirch. Gratulation zum Sieg! Wie würdest du sagen war die Energie?
John: Danke! Also energy-technisch ist es auf Battles immer sehr schön! Jeder feiert jeden.
Aleyna & Shayna: Du bist inzwischen in St. Gallen aktiv, im Verein Urban Dance World. Wie war Hip-Hop-Tanz in deiner Anfangszeit in Vorarlberg?
John: In der Zeit, als ich anfing, gab es ein paar Tanzschulen, die den Hip-Hop unterrichteten. Also gab es schon viele Möglichkeiten. Jedoch war die Szene noch nicht so groß wie jetzt. Meistens wurde in den Tanzschulen selber getanzt, manchmal haben wir uns auch draußen getroffen, um zu trainieren, aber das ist in Vorarlberg ein bisschen schwierig, weil es sehr viele gibt, die es nicht tolerieren, wenn laute Musik läuft.
Aleyna & Shayna: Wie hat sich Hip-Hop verändert und wie siehst du seine Zukunft in Vorarlberg?
John: Durch Social Media wird heute weltweit mehr getanzt und die Szene ist sichtbarer geworden. In Vorarlberg wird sich Hip-Hop weiter etablieren und es werden sicher auch noch mehr Events entstehen.
Aleyna & Shayna: Welchen Rat würdest du den Menschen geben, die mit Hip-Hop anfangen wollen?
John: Lasst euch Zeit! Stresst euch nicht auf das Level zu kommen, auf denen andere sind. Habt Spaß und tanzt auch ohne Grund. Damit meine ich: Tanzt einfach, ohne zu performen oder jemanden beeindrucken zu wollen, tanzt, weil es euch Spaß macht!
Ablauf eines Battles
Ein Battle ist meistens so aufgebaut, dass es zuerst ein Vortanzen gibt, die „Preselection“, bei dem alle Tänzer:innen einzeln zeigen können, was sie so draufhaben. Danach entscheiden die Judges (in der Regel drei Personen), wer weiterkommt. Anschließend treten dann die Tänzer:innen eins zu eins gegeneinander an und die Judges entscheiden nach jeder Runde, wer weiterkommt.
Dieser Artikel ist bereits in der Print-Ausgabe der KULTUR Juni 2026 erschienen. Hier geht es zum E-Paper.
Das Projekt „Junge Stimmen“ wird von Double Check – Netzwerk für Kultur und Bildung in Vorarlberg unterstützt.