Leise Töne für eine große Geschichte Daniel Furxer · Sep 2026 · Musik
Der Bregenzerwälder Country- und Americana-Singer-Songwriter Prinz Grizzley präsentierte am 19. September gemeinsam mit seiner Band, den Beargaroos, im Dornbirner Spielboden sein neues Album „Tilda“.
Mit seinem neuen Album „Tilda“ erfindet sich Christoph Comper aka Prinz Grizzley neu. Es ist ein über weite Strecken sehr reduziertes und nachdenkliches Stück Musik geworden, ein Konzeptalbum über seine Großeltern, die sich vor dem Zweiten Weltkrieg kennenlernen, die Wirren des Kriegs überstehen und sich danach wiederfinden.
Prinz Grizzley and his Beargaroos spielten bei der Plattenpräsentation das ganze Album, insgesamt 14 Songs, in der festgelegten Reihenfolge durch. Stücke wie zum Beispiel der Opener „Put me down“ trug Prinz Grizzley fast ausschließlich mit seinem Banjo vor. Er wurde dabei nur sehr dezent von den anderen Bandmitgliedern begleitet. Diese und andere Stücke gaben dem ganzen Abend eine sehr intime Atmosphäre und ließen einen in die Welt seiner Großeltern eintauchen, auch wenn man den konkreten Inhalt nicht verstand. Das Gefühl der Songs, die ausdrucksstarke Stimme von Prinz Grizzley und seine erklärenden Worte zwischen den Liedern genügten live. Wer die ganze Geschichte verstehen will, der greift zur LP, in dessen Innencover die Songtexte abgedruckt sind. Sein langjähriger musikalischer Gefährte Johannes Jogi Bischof hatte an der Pedal Steel Platz genommen und begleitete die innigen Songs.
Ausdrucksstarke Stimme
Claude Meier am Kontrabass und Schlagzeuger Andreas Wettstein hielten sich weitgehend im Hintergrund, die Struktur war ganz klar auf den Gesang ausgerichtet. Live legte Prinz Grizzley sogar noch ein Schäufelchen mehr Dynamik in seine Stimme hinein, was den ohnehin zurückgenommenen Stücken plötzlich eine große Intensität verlieh. Man spürte förmlich den Schmerz, den die Beziehung dieses Paars durch die Wirren der Weltgeschichte aushalten musste. Unterstützt wurde er von Jodok Lingg (Trompete) und Lukas Morre (Baritonsaxofon). Einen Bläsersatz hatte er schon bei mehreren Auftritten in der Vergangenheit dabei, hier bezog er ihn aktiv in die neuen Kompositionen mit ein. Bei „Pull me up“ wurde das am deutlichsten spürbar.
Fetziger zweiter Teil
Nach einer Pause ließen es die Jungs ordentlich krachen. Altbekannte Gassenhauer wie „Fiery Eyes“, „Drifting“, das er gemeinsam mit Heidi Caviezel spielte, oder „Wicked Heart“ zeigten das rockige Gesicht dieses Ensembles. Claude Meier griff zum E-Bass, das Schlagzeug und das Pedal Steel kamen voll zur Geltung und Prinz Grizzley sang, nach dem ersten thematisch anspruchsvollen Teil, befreit und locker auf. Sie können beides: ruhig und tiefgreifend, aber auch laut und mitreißend. Prinz Grizzley greift dabei auf ein Repertoire von drei Studioalben zurück, das von Folk über Rock bis hin zu Country alles beinhaltet.
Das neue Album geht neue Wege, und der erste Live-Eindruck überzeugte durchwegs. Seine Aussage auf der Bühne, er brauche keinen Radiohit und es gebe auch keinen auf dem aktuellen Album, ist das Statement eines Mannes, der musikalisch schon sehr viel erreicht hat. „Tilda“ zeigt einen Prinz Grizzley, der sich musikalisch nicht auf das bereits Erreichte verlässt. Das Album ist leiser, persönlicher und erzählerischer als seine bisherigen Arbeiten und funktioniert gerade deshalb auch live.