Lachen, bis der Berg bebt – Volltreffer gegen Krisenstimmung
„Bretter vor dem Kopf“ – Café Fuerte begeistert mit dem 2. Teil der „Blasenheim-Soap“
Dagmar Ullmann-Bautz · Jun 2026 · Theater

Das Warten hat sich gelohnt: Ein Jahr nach dem fulminanten Auftakt feierte der zweite Teil der Blasenheim-Soap von Café Fuerte in Hittisau Premiere. Und das Ergebnis ist ein absolut treffsicherer Angriff auf die Lachmuskeln.

Das freie Theaterensemble rund um Danielle Fend-Strahm und Tobias Fend lebt und arbeitet in Hittisau und bleibt seinem bewährten Konzept „Theater woanders“ treu. Es bespielt gezielt unkonventionelle Räume und verknüpfen globale Krisen mit regionalem Lokalkolorit. In den von Tobias Fend geschriebenen Stücken wird die eigene Heimat kritisch, scharfzüngig, aber eben auch mit einer befreienden Dosis Humor seziert.

Absurditäten unserer Gegenwart

Mit dem neuen Stück „Bretter vor dem Kopf“ landet das Team erneut einen Volltreffer. Schloss der erste Teil – „Baden wäre mir lieber“ – noch auf dem Weihnachtsmarkt ab, verlagert sich das Geschehen nun an den Skilift am Blasenberg. Die Kulisse spiegelt die Absurditäten unserer Gegenwart wider: Klimawandel, weltweiter Rechtsruck, Korruption und Ignoranz. Doch statt in Schockstarre zu verharren, schreibt und spielt das Ensemble mit ungeheurer Klugheit und Fantasie gegen den Wahnsinn an.
Regisseurin Danielle Fend-Strahm inszeniert diesen herrlichen Theaterabend mit feinem Gespür für Timing, hohem Tempo und vollem Körpereinsatz. Ein schwindelerregendes Figurenkarussell entfaltet sich auf der Bühne: Vier grandiose Schauspieler teilen sich im fliegenden Wechsel insgesamt acht Rollen. Tobias Fend, Stefan Pohl, Simon Labhart und Gregor Weisgerber überzeugen auf ganzer Linie und versprühen dabei eine ansteckende Spielfreude.
Für ein rundes Ganzes sorgen zudem die Ausstattung von Matthias Strahm, die Licht- und Tontechnik von Arndt Rössler und die Musik von Moritz Widrig.

Ein herrlich skurriles Figurenpanoptikum

Das Personal, das diesen absurden Mikrokosmos bevölkert, ist ebenso skurril wie treffend gezeichnet. Im Zentrum steht der Politiker Keller, der frisch mit Fußfessel aus dem Gefängnis entlassen und zum Sozialdienst verdonnert wurde – und mangels Liftmotor prompt selbst als menschlicher „Biolift“ einspringen muss. Er trifft auf den verzweifelten Zahnarzt Heinz, dessen Apartmenthaus leer steht und an Wert verloren hat, sowie auf Pisten-Rudi, den die enormen Energiekosten für die Unterflurkühlung tief in die roten Zahlen geritten haben. Mittendrin agieren ein vermeintlich ägyptischer Großinvestor, der sich als deutscher Migrant im Sprachkurs entpuppt, und zwei Söhne auf der Suche nach väterlicher Anerkennung und einem gemeinsamen Skitag wie in alten Zeiten. Kontrastiert wird diese Sehnsucht durch einen weißbeschalten Lackaffen, der stur seine Saisonkarte ausnutzen will – Schnee hin oder her –, während ein Wissenschaftler im Hintergrund den sich bedrohlich hebenden und knurrenden Blasenberg vermisst. Dass am Ende ausgerechnet ein meditierender Vegetarier für eine furiose Überraschung sorgt, passt perfekt ins herrlich inszenierte Chaos.

Improvisationstalente

Ich durfte die zweite Vorstellung erleben, die wetterbedingt ein ganz eigenes Spektakel bot. Nach der Hitze der Premiere brachte der Freitagabend angenehme Abkühlung – und ein paar Regentropfen, die mittels einer kurzen Pause umschifft wurden. Als daraufhin die Tontechnik streikte, bewies das versierte Ensemble absolute Klasse: Es improvisierte die Panne so charmant und ideenreich weg, dass es eine wahre Freude war.
Am Ende gab es völlig zurecht jubelnden Applaus. „Bretter vor dem Kopf“ ist ein absolutes Must-see, das auch ohne Vorkenntnisse aus dem ersten Teil perfekt funktioniert. Wer dieses Erlebnis verpasst, hat definitiv etwas versäumt. Ich freue mich schon jetzt auf den dritten Teil!

Aufführungstermine unter: www.cafefuerte.at/termine

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