Kunst und Wandel im Dialog
Mit dem Kunstbräu Award 2026 erhält die zeitgenössische Kunstszene des Bregenzerwaldes eine weitere Bühne
Manuela Cibulka ·
Mai 2026 · Ausstellung
Die neue Wettbewerbsausstellung, die am 30. Mai im Sozialzentrum Egg eröffnet wurde, rückt das Thema „Metamorphose, Wandel und Veränderung“ in den Mittelpunkt und verbindet künstlerische Positionen mit gesellschaftlichen Fragestellungen.
Der Kunstbräu Award entstand aus dem Wunsch der regionalen Kunstschaffenden, die lebendige, aber oft wenig sichtbare Kunstszene des Bregenzerwaldes stärker zu vernetzen und ihr mehr öffentliche Aufmerksamkeit zu verschaffen. Während die traditionelle Herbstausstellung „Kunstbräu“ eine freie Werkschau bietet, fordert der Wettbewerb die Teilnehmenden dazu auf, sich mit einem vorgegebenen Thema auseinanderzusetzen und einen konzentrierten Dialog zwischen Werk, Künstler:innen und Publikum zu eröffnen.
Metamorphose
Für die erste Ausgabe wurde das Thema „Metamorphose, Wandel und Veränderung“ gewählt. Eine Besonderheit in diesem Jahr ist der Ausstellungsort. Mit dem Sozialzentrum Egg wird ein Raum bespielt, der den Gedanken von Veränderung unmittelbar erfahrbar macht. Den Impuls und die Einladung zu dieser Idee gab Johannes Metzler, seit vier Jahren Leiter des Sozialzentrums. In seiner Ansprache betonte er den Wunsch, auch anderen Menschen zu zeigen, dass in Zentren wie diesen keine Leere und kein Stillstand, sondern Leben und Erleben herrsche.
Die Gewinnerin
In vielen ausgestellten Arbeiten wird sichtbar, dass Lebensgeschichten der Bewohnerinnen und Bewohner den Künstler:innen zusätzliche Perspektiven auf das Wettbewerbsmotto eröffneten. So auch bei Sonja Bilgeri, der Gewinnerin, die am 30. Mai bei der Vernissage ihren Preis (mit 500 Euro dotiert) entgegennahm. Im Gespräch mit Juliana Krump (Regio Bregenzerwald) sagte durch Udo Rabensteiner, der die Jury vertritt, dass sich recht schnell einige Positionen, die das Thema am klarsten und auch emotional berührendsten auf den Punkt brachten, herauskristallisierten. Einstimmig wurde letztendlich die Arbeit der aus Egg stammenden Künstlerin Sonja Bilgeri nominiert – eine Arbeit, die überzeuge und an die Seele gehe. Über Musik, kreatives Gestalten und kunsttherapeutische Erfahrungen fand Sonja Bilgeri zur bildenden Kunst. Seit 2025 studiert sie Malerei und Zeichnen in Südtirol und widmet sich insbesondere der fotorealistischen Zeichnung. Mit ihrem Werk „Olte Hut“ (Alte Haut) – eine Zeichnung, eingebettet in einen mit Bienenwaben versetzten, dreiteiligen, an eine Ikone erinnernden Schaukasten – macht Sonja Bilgeri den Wandel des menschlichen Lebens sichtbar. Ausgehend von der Begegnung mit einer Bewohnerin des Sozialzentrums thematisiert die Zeichnung Vergänglichkeit, Berührung und die letzte große Metamorphose des Menschen.
Junge Arbeiten
Auch andere Einreichungen überzeugen vor allem in deren direkten Auseinandersetzung, wobei von der Jury bezüglich weiterer Reihungen nichts in Erfahrungen zu bringen war. Als Besucherin fiel mir vor allem das von Katharina Böhler mit der Aufschrift „Bitte berühren“ versehene „Schachtelbild“ aus 25 einzelnen, mit Naturfasern eingefärbten kissenartigen Feldern, die von den Bewohner:innen haptisch begriffen und immer wieder neu zusammengefügt werden können, auf. Ebenso die Installation „Bewusstseinsverpuppung – Metamorphose eines Seins“, in der sich Alice Weber mit Demenz als einem schleichenden Prozess der Veränderung auseinandersetzt. Anhand von Erinnerungsfragmenten, Fotografien und textilen Elementen thematisiert sie das allmähliche Verblassen von Identität und Erinnerung sowie die Übergänge zwischen Werden und Vergehen. Sie sprach bei der Vernissage stellvertretend für die anwesenden Künstler:innen, um dem Publikum Einblick in unterschiedliche Zugänge und Prozesse zu geben.
Stundent:innen des Bachelor-Studiengangs Soziale Arbeit der FHV
Auch die Arbeit des Künstlers David Rader, die direkt mit den Bewohner:innen zusammen entstanden ist, berührt. Die kleinen Kunstwerke, die in einer Art „ein Teil male ich – ein Teil du“ gefertigt wurden, lassen den Spaß an deren Entstehen durchblicken, und auch die Verbindung der Zeichnung mit einer digitalen Neuschöpfung macht den Dialog sichtbar. Die Arbeit, die vom Wettbewerb ausgeschlossen war, entstand spontan aus einer Idee und in Kooperation mit den Stundent:innen des Bachelor-Studiengangs Soziale Arbeit der FHV. Unter der Leitung von Martin Geser betreuten diese die organisatorische Umsetzung der Ausstellung, angefangen von Gesprächen mit allen Beteiligten, der Suche nach Sponsoren über die Pressearbeit bis hin zur Ausrichtung des Buffets bei der Vernissage. Zusätzliche brachten sie neue Perspektiven in den Prozess ein und wünschten sich, die im Workshop mit David Rader entstandene Kunst Teil der Ausstellung werden zu lassen. Denn Kunst könne mehr sein als etwas, das man betrachte; sie könne Erinnerung schaffen, Gespräche ermöglichen und Menschen verbinden.
Ausstellung zum Kunstbräu Award 2026
31.5. – 30.8.2026
täglich 14 –17 Uhr
Sozialzentrum, Egg
Kunstbräu - AWARD 2026 — Kulturbüro Bregenzerwald