Kleine Rollen, große Wirkung!
„Botenstoffe“ begeistert im Theater Kosmos
Dagmar Ullmann-Bautz ·
Jun 2026 · Theater
Vergangenen Freitag gab es im Theater Kosmos ein echtes Highlight zu erleben. Das Stück „Botenstoffe – Nachrichten in Dur und Moll“ holt eine Figur ins Rampenlicht, die sonst meist nur als kleinste Nebenrolle agiert: den Boten. Die Premiere dieses Musiktheaterstücks von und mit Schauspieler Sebastian Doppelbauer und dem Hornquartett QuadriCor wurde vom Publikum völlig zu Recht bejubelt.
Hinter „Botenstoffe“ stecken die beiden in Feldkirch geborenen Brüder Sebastian und Anton Doppelbauer, die hier ihre Berufsfelder Theater und Musik auf beeindruckende Weise verbinden.
Sebastian Doppelbauer lebt und arbeitet als Schauspieler, Autor und Filmemacher in Hamburg, ausgezeichnet mit verschiedenen Preisen, zuletzt mit dem Grimmepreis für seine Darstellung in der ZDF-Serie „Tschappel“. Anton Doppelbauer ist erfolgreicher Hornist bei den Nürnberger Symphonikern und Kammermusiker bei QuadriCor und verschiedenen anderen Ensembles.
Die Macht der Nachricht
Der Abend beginnt mit einem kleinen Vorspiel. Ein Zwiegespräch zwischen Schauspieler, Musikern und Saal führt locker an den Stoff heran und geht der Frage nach, wie sich pure Emotionen darstellen lassen und wie sie klingen. Denn Botschaften haben es in sich: Sie sind echte Gamechanger, sie bringen unbändige Freude, Wut oder tiefe Trauer. Der Bote hat dabei eine enorm wichtige Funktion, selbst wenn sein Auftritt manchmal nur einen einzigen Satz lang dauert. Einen wunderbaren Einstieg in diese Welt liefert die eigens komponierte Ouvertüre von Hornist Jernej Cigler. Die vier Stimmlagen fließen kraftvoll und berührend ineinander und nehmen das Publikum sofort mit auf eine spannende Reise.
Worte und Töne im ständigen Austausch
Im Zentrum stehen fünf ganz unterschiedliche Botenberichte. Die Palette reicht von der „Frohen Botschaft“ über die Todesnachricht in Shakespeares „Macbeth“ und den Verrat an Kreon in „Antigone“ bis hin zur Siegesnachricht der Schlacht von Marathon und einer simplen, privaten Alltagsnachricht. Schauspieler Sebastian Doppelbauer stellt diese große Bandbreite äußerst akzentuiert und erfrischend lebendig dar.
Gleichzeitig sind die vier Hornisten in ständiger Kommunikation mit dem Schauspieler. Text und Musik sind perfekt kombiniert, treten in den Austausch, ergänzen und unterstützen sich gegenseitig. Musikalisch gleicht das einem wilden, wunderbaren Ritt durch die Musikgeschichte, der ein großes Fingerspitzengefühl und einen weiten Horizont beweist: Von Händels „Wassermusik“ und dem Allegretto aus Beethovens 7. Sinfonie geht es über das Weihnachtslied „Les anges dans nos campagnes“ bis hin zum Volkslied „Kommt ein Vogel geflogen“ und Helene Fischers „Atemlos durch die Nacht“. QuadriCor spielt all das mit großer Ambition und Hingabe.
Das 2018 gegründete, aus vier Ländern stammende Quartett zeigt sich an diesem Abend erfrischend ungebunden: Weder fixieren sie sich auf eine Stilrichtung noch in der Aufteilung der Stimmlagen. Die vier Musiker, Martin Reiser (Deutschland), Damien Muller (Luxemburg), Jernej Cigler (Slowenien) und Anton Doppelbauer (Österreich), sind ein großartig eingespieltes, gleichberechtigtes Team mit hinreißender Spiellaune. Am Premierenabend überließ Anton Doppelbauer seinen Platz auf der Bühne dem langjährigen Ensemblemitglied Lucie Krysatis (Luxemburg), die sich mit diesem Auftritt von QuadriCor verabschiedete, um ihre künstlerische Reise in Australien fortzusetzen.
Rosarote Päckchen und viel Leichtigkeit
Einen schönen Kontrast zu manch schwerer Botschaft bildet die höchstemotionale Ausstattung von Vanessa Maria Sgarra. Weißer und rosaroter Tüll sowie Berge von kleinen ebenfalls weißen wie rosaroten Päckchen wecken das unbeschwerte Gefühl freudiger Erwartung, fast wie an einem Kindergeburtstag. Passend dazu strahlt das komplett in Weiß gekleidete Ensemble eine offene, positive Energie aus.
Auch wenn es zwischendurch um schlimme Nachrichten geht – was an diesem Abend dominiert, sind Leichtigkeit und viel Humor. Das liegt vor allem an der großen Professionalität und der spürbaren Freude der Akteure am gemeinsamen Tun. Das leider nur kleine Publikum bedankte sich mit großem, jubelndem Applaus. Wer nicht dabei war, hat wirklich etwas versäumt!