Klassisches Konzert und Dragshow?
Sounds of Pride im Spielboden
Annalena Ruppe · Apr 2026 · Musik

Am Samstag (11.04.) wehte ein glitzrig-frischer Wind durch die Welt der klassischen Musik. Im Spielboden Dornbirn luden die beiden Cellisten Jonas Streit und Chris Njapha mit ihrem Programm „Sounds of Pride“ zu einem Abend ein, der sich mit dem queeren Erbe klassischer Musik auseinandersetzt. Dabei wurden sie stellenweise von Mykola Myroshnychenko auf dem Flügel begleitet. Fräulein Bürgerschreck, nicht nur bekannt in Vorarlberg, sondern vor allem auch in Wien, führte mit der ein oder anderen Anekdote durch das Programm. Zu bekannten Namen wie Lully und Tschaikowski gesellen sich auch weniger geläufige bis ganz neue Namen, beispielsweise Eneko Lacalle, dessen Stück „Eror – Eten“ am Samstag uraufgeführt wurde.

Zwischen Fabuliciousness und Ernst

Gleich zu Beginn wird von Fräulein Bürgerschreck die Frage in den Raum gestellt, ob der Abend wohl eher klassisches Konzert oder doch eher Dragshow wird. Der Abend beginnt mit einer humorvollen Performance der Dragqueen mit einem Cover des Liedes „Tauben vergiften“ von Georg Kreisler. Sie schafft es dann, einen Bogen zu Benjamin Britten zu spannen, und so startet mit seiner Suite Nr. 1 auch der klassische Teil des Abends. Die Musiker überzeugen dabei sehr durch ihr Können, und auch durch den entstehenden Dialog zwischen den zwei bzw. drei Instrumenten können sie begeistern. Dieser Dialog bekommt noch eine weitere Dimension im Laufe des Programmes, er weitet sich aus auf einen Dialog zwischen ernster Musik und fabulös-glitzernden Moderationskarten. Dieser bleibt den ganzen Abend bestehen und verleiht dem Konzert eine erfrischende Note. Die Anfangsfrage kann in dem Fall wohl nur in Bezug auf das Publikum beantwortet werden, das den üblichen lautstarkem Beifall bei Drag-Performances nicht so ganz kennt und dabei stärker in Richtung klassisches Konzert tendiert hat. Trotz mehrfachen Bemühens der Dragqueen („Seids ihr eh alle da?“) war das Publikum noch nicht eingeführt genug in die Ballroom-Kultur, um Stimmung zu machen und sich auch mal zu trauen, laut zu sein.

Queere klassische Komponist:innen

Im Mittelpunkt standen zweifelsohne nicht nur die Stücke, sondern vor allem auch die Komponist:innen hinter ihnen. Bei der Moderation wurde Wert daraufgelegt, zu unterstreichen, in welchen Alltagssituationen die jeweiligen Künstler:innen gelebt haben und inwiefern sich das auf ihre Musik ausgewirkt hat. So könne man bei Benjamin Britten nur heraushören, dass er sein Leben lang seine Homosexualität versteckt hat, ganz im Gegensatz zu Ethel Smyth, die sehr offen mit ihrer Sexualität umgegangen ist – so offen, dass es ihr einen spitzen Kommentar von Virginia Woolf eingebracht habe. Bei Francis Poulencs „Les Chemins de l‘amour“ wird seine innere Zerrissenheit zwischen seiner tiefen katholischen Religiosität und dem Ausleben seiner Sexualität thematisiert, wohingegen bei Gian Carlo Menotti der negative Einfluss eindeutig von außen – USA in den 1950er – kam. Mit Beispielen dieser Art wurde durch den Abend geleitet und schlussendlich mit Caroline Shaws „In Manus Tuas“ der Bogen in die Gegenwart gespannt. Der krönende Abschluss des Programms wurde eingeleitet mit der bereits erwähnten Uraufführung des Stücks von Eneko Lacalle, der zu Recht laut bejubelt wurde. Daraufhin rundete die glamouröse Cover-Performance von Fräulein Bürgerschreck („Bidla Buh“ v. Georg Kreisler) das Konzert ab. 
Die Veranstaltung ist ein weiterer Schritt der queeren Kultur in Vorarlberg, mehr Platz einzunehmen, und hat es geschafft, zwei gänzlich unterschiedliche Konzerterlebnisse zu vereinen.

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