Klang- und Gedankenräume in der Landesgedächtniskapelle
Lena Fankhauser und Elisabeth Heidinger begeisterten mit Viola solo und Texten
Silvia Thurner ·
Sep 2026 · Musik
Im Rahmen der Basilikakonzerte Rankweil findet einmal pro Jahr ein Abend in der Landesgedächtniskapelle statt. Der Rückzug auf den Raum mit der dichten Atmosphäre und der hervorragenden Akustik bildet durch die kleine Besetzung und die Verbindung mit Literatur stets einen Höhepunkt der Saison. In diesem Jahr musizierte die Bratschistin Lena Fankhauser unter dem Motto „Viola solo!“. Ein neues Werk von Baran Mohammadbeigi sowie Kompositionen von Julia Purgina, Anthony R. Green, Benjamin Britten und J. S. Bach fügten sich zu einem mitreißenden und sinnlichen musikalischen Kaleidoskop. Ergänzend dazu lenkte Elisabeth Heidinger mit ihren anspruchsvollen und vielsagenden Texten den Blick auf die Würde des Menschen.
Die Bratschistin Lena Fankhauser gastierte schon öfter als Mitglied des Koehne Quartetts in Vorarlberg. Ihre große stilistische Bandbreite und emotionale Spieltiefe weckten die Vorfreude, die Musikerin solistisch erleben zu können. Im Mittelpunkt des Konzertabends stand das neue Werk „Ich bin aus Lehm und Ton und Du Mensch bist auch davon“ von Baran Mohammadbeigi. Die Cellistin und Komponistin schuf die Komposition im Auftrag der Basilikakonzerte speziell für diesen Anlass. Das meditative Werk zog durch seinen intensiven Ausdruckswillen die Zuhörenden in seinen Bann. Von einem Dreitonmotiv aus Tonwiederholungen ausgehend entwickelte sich daraus rufartig ein Thema, das in einen belebten Klangfluss mündete. Vor allem die reibenden Tonlinien implizierten eine Enge, die sich erst durch die langsame Vergrößerung der Intervalle auflöste. Unruhige Trillermotive, verbunden mit Bordunklängen, die ein starkes Fundament formten, wühlten den musikalischen Verlauf kurz vor dem versöhnlichen Schluss nochmals kräftig auf.
Auch das Werk „Lunarium“ von Julia Purgina beeindruckte durch die vielseitige Anlage. Verhältnisse zwischen Tönen und Klangqualitäten flüchtiger Tonfloskeln wurden aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet. Teilweise nahm die Bratsche von Lena Fankhauser den Charakter einer Kithara an. Auch das Frühwerk von Benjamin Britten, die „Elegy für Viola solo“, passte hervorragend in den stimmungsvollen Rahmen der Landesgedächtniskapelle. Das Lamento „sang“ die Bratschistin auf ihrem edlen Instrument des kanadischen Geigenbauers John Newton und stellte energische, den musikalischen Fluss vorwärts treibende Phrasen transparent miteinander in Beziehung.
„On/Zeker“ von Anthony R. Green lenkte durch die flirrende Ungewissheit, die Lena Fankhauser mit Trillermotiven und darin eingebetteten Glissandi exzellent ausführte, die Aufmerksamkeit auf sich. Virtuos vergrößerte die Bratschistin sodann mit rhythmischen Gesten den Tonraum.
Mit drei Sätzen aus Bachs Suite für Violoncello solo Nr. 1 stimmte Lena Fankhauser die Zuhörenden auf das Konzert ein. Meistens erklingt die Solosuite in Originalbesetzung. Die Bearbeitung für Viola rüttelte durch die hohe Lage und die straffe Phrasierung in flottem Tempo an den Hörgewohnheiten.
Anspruchsvolle Texte
Elisabeth Heidinger ist seit 2019 Geschäftsführerin des Carl-Lampert-Forums. Sie stellte in ihren Texten gute Verbindungen zwischen den erklingenden Kompositionen und ihren philosophisch anspruchsvollen Gedanken über die Würde des Menschen her. Texte von Thomas Hobbes, der Dialog zwischen Kreon und Antigone von Sophokles sowie das Bildexperiment des Nikolaus von Kues verwiesen unter anderem auf unterschiedliche Perspektiven der Selbst- und Fremdwahrnehmung. Überdies zeigten sie auf, wie sich Antigone mutig dem „eisernen Gehorsam“ widersetzte. Die Erzählung über das „allsehende Bild“, mit dem der Universalgelehrte Nikolaus von Kues 1453 die Mönche verwirrte, regte zum Weiterdenken an.