Japanische Holzverbindungen für tausend Jahre
Vortrag zur hohen Kunst der präzisen, rein handwerklichen Verbindungstechniken, gefertigt mit traditionellen japanischen Werkzeugen.
Martina Pfeifer Steiner ·
Dez 2025 · Ausstellung
Einblick in die jahrhundertealte japanische Handwerkskunst gewährte der Zimmermeister und ausgebildete Tempelbauer Hirotoshi Kitamura in einem Vortrag mit praktischer Demonstration traditioneller Holzverbindungstechniken und lockte über hundert Interessierte in den Werkraum Bregenzerwald. Zur Einstimmung bot die derzeit laufende Ausstellung „unplugged“ noch die Möglichkeit, die Kraft reiner Holzverbindungen anhand zahlreicher Handmuster und 1:1-Modelle tatsächlich zu „begreifen“.
Hirotoshi Kitamura ist Inhaber der Zimmerei Soushin in der japanischen Region Tottori und hat bei einem großen Meister des Tempelbaus gelernt. Dieser Meister forschte am ältesten Holzgebäude der Welt, dem Gangō-ji-Tempel in Nara, der in der Asuka-Zeit errichtet wurde. Zudem war er maßgeblich daran beteiligt, die „Bibel“ der japanischen Holzbaukunst in eine moderne Sprache zu übersetzen und so das traditionelle Wissen weiterzugeben. Kitamura spricht auf Japanisch. Für die verständliche Vermittlung ins Deutsche steht ihm Noriaki Ikeda zur Seite, ein Diplom-Forstwirt, der seit langem im Schwarzwald lebt.
Dass der Tempel 1.300 Jahre überdauert hat, liegt an mehreren Faktoren. Zum einen am verwendeten Holz: Die japanische Zypresse ist ein sehr hartes Holz. Der Meister lehrt, dass ein gelebtes Jahr im Wald einem Jahr der Lebensdauer eines Gebäudes entspräche. Für den Tempel wurde tausend Jahre altes Holz verwendet. Moderne Tempelbauer können sich also noch so große Mühe geben – es gibt keine Bäume mehr, die älter als 400 Jahre sind.
Charakter des Baumes
Ein weiteres Gesetz gilt: „Wir kaufen nicht die Bäume, wir kaufen den Wald.“ Warum? Ein tiefes Verständnis für die Wuchsrichtung, den Faserverlauf und den Charakter des Holzes ist Voraussetzung für seine Verwendung. „Ein krummes Holz kann man nicht gerade hinstellen“, erklärt Kitamura. Zudem müsse man wissen, wo oben (Krone) und unten ist. Ein waagrechter Balken dürfe nur Kopf an Kopf verbunden werden, „unten mit unten zu verbinden ist ein Scheidungsgrund!“ Dass Holz bei abnehmendem Mond und in der Zeit von November bis Jänner geschlagen werden sollte, ist auch in unseren Breiten bekannt. Der Meister achtet jedoch nicht nur genau auf den Charakter des Holzes, sondern bestimmt auch, welche Person damit arbeiten soll. Und bezüglich Ausbildung? Es sei ein „Learning by doing“, und der Meister entscheide, wann das Lernen abgeschlossen ist. Bei Kitamura dauerte dies acht Jahre. „Deshalb ist es auch wesentlich, welchem Meister ich begegne.“
Damit auch die vielen Zuschauer:innen in den hinteren Reihen der Live-Demonstration folgen können, wird auf eine große Leinwand projiziert. Auf der Werkbank liegen unzählige Werkzeuge bereit. Kitamura zeichnet mit eleganten Strichen aus unverwischbarer Holzkohle die Linien auf den vorbereiteten Holzbalken. Das kunstvoll geschnitzte Spickwerkzeug, die Holzfeder, der Hobel und weitere Werkzeuge stellt jeder Handwerker selbst her, und muss auch die hohe Kunst des Messerschärfens beherrschen. Präzise sägt, stemmt und hobelt Kitamura, während er dem wissbegierigen Publikum Fragen beantwortet: Die Technik habe sich in tausend Jahren stark verändert, und es sei noch immer eine große Leistung, solche Verbindungen zu meistern. Das hohe Lehrbuch kann dabei helfen, doch viel wichtiger sei es, direkt am Bauwerk beim Sanieren, Restaurieren und Auseinandernehmen zu lernen. Alte Tempel weisen sehr einfache Holzverbindungen auf. Nach einer Stunde ist der Balken zusammengefügt und hält der Belastungsprobe stand. Wie spannend und inspirierend das war!
unplugged – die kraft der holzverbindungen
Ausstellung bis 4.4.26
Werkraum Bregenzerwald