Im Doppel unschlagbar
Das tonart Jugendsinfonieorchester holte sich zum 30-jährigen Jubiläum seines Neujahrskonzertes Verstärkung durch den Orchesterverein Götzis.
Fritz Jurmann ·
Jän 2026 · Musik
Man könnte für diese Ausgabe des Götzner Neujahrskonzertes in der Kulturbühne AmBach angesichts des aufgedoppelten Klangkörpers auch einen alten Kalauer bemühen. Das tonart Jugendsinfonieorchester ist gut, der Orchesterverein Götzis ebenso, wie gut müssen erst beide Klangkörper zusammen sein? Ohne Spaß – so war es denn auch, zur Freude eines prallvoll mit begeisterten Zuhörenden gefüllten Saales.
Für diese unerwartete Vereinigung gab es denn auch einen bestimmten Anlass. Zudem bewiesen die jungen und die schon etwas älteren Musiker:innen gemeinsam auch enorme Standfestigkeit und Kondition, weil sie nach der erfolgreich verlaufenen ersten Ausgabe ihres Silvesterkonzertes am Vortag nun, am frühen Abend des Neujahrstages, bereits wieder topfit aufgestellt zu einer Neuauflage ihres Programms antraten.
Im Gleichklang mit dem Lions-Club Hohenems
Im Doppel sind sie einfach unschlagbar, nicht nur musikalisch, sondern auch im Bestreben, das neue Jahr wie üblich im Gleichklang mit dem Lions-Club Hohenems als drittem Verein im Bunde mit guten Taten für hilfsbedürftige Mitmenschen einzuläuten. Der Zweck heiligt hier auch alle erdenklichen Mittel, und auf diese Weise sind seit 1996 nach einer Idee des damaligen Lions-Club-Präsidenten Hans-Karl Walser durch Kartenverkauf und Sponsoring nicht weniger als 300.000 Euro zusammengekommen, gemäß dem Lions-Motto, „auf einfache und unkomplizierte Art so rasch und so effizient wie möglich zu helfen“. Er durfte diesmal in Erinnerung daran zusammen mit einem Musikanten bei der „Feuerfest“-Polka von Josef Strauß mit einem Hammer auf einem Amboss den Takt schlagen – der Lacherfolg dieses Abends.
Der Direktor der heutigen tonart Musikschule (ehemals „Musikschule Mittleres Rheintal“), Markus Pferscher, heute zugleich Präsident des Lions-Clubs Hohenems, führte diese Idee der Lions bei den weiteren Neujahrskonzerten fort, die er seit 1999 selbst leitet. Er listete als dirigierender Strahlemann dieses Abends in einer Ansprache auch die seither umgesetzten Projekte der Wohltätigkeit für Hilfsbedürftige in Vorarlberg und in Krisengebieten im Ausland auf. Aktuell war das diesmal ein symbolischer Scheck über 2.500 Euro für den Orchesterverein Götzis zur weiteren Ausbildung jugendlicher Musiker:innen. Diesen überreichte Pferscher an Vorstand Thomas Dünser, der am Beginn als Mitwirkender im Orchester mit einem souveränen Cellosolo hatte aufhorchen lassen.
Vereinigung zweier Orchester
Zum heurigen 30-jährigen Jubiläum dieser beliebten Reihe und dem 50-jährigen Bestehen seiner Bildungseinrichtung hatte Markus Pferscher zudem einen zündenden Einfall. Er wollte diesmal nicht die langjährige Tradition unter Einbeziehung bekannter Solisten wie David Helbock, Kian Soltani und Philipp Lingg oder Ensembles wie dem Landesjugendchor Voices als Zugpunkte für das Programm fortführen. Sein Ziel war es, in einem gemeinsamen Konzert mit dem zuletzt durch den künstlerischen Leiter Markus Ellensohn und den Dirigenten Benjamin Lack auf ein bemerkenswertes Niveau geführten Orchesterverein Götzis daran zu erinnern, wie viele Musiker:innen dort nach ersten Erfahrungen beim Musikschulorchester inzwischen Unterschlupf und eine neue musikalische Heimat gefunden haben.
So kam es zu dieser erstmaligen und wohl einmaligen Vereinigung dieser beiden Klangkörper in der Stärke von knapp 70 Musizierenden zu einer beachtlichen Besetzung. Dieses Orchester wurde nun von Markus Pferscher aus jugendlicher Spielfreude und routinierter Abgeklärtheit zu einem Klangkörper von erstaunlicher Präzision und Leistungsfähigkeit zusammengeführt und nach dem der Politik abgelauschten Motto „Das Beste aus zwei Welten“ auch Markus Ellensohn logischerweise die Position des Konzertmeisters anvertraut. Und: Markus Pferscher dirigierte das gesamte Programm auswendig – ein Zeichen dafür, wie sehr er sich diese Werke zuvor verinnerlicht hat.
Diese Massierung vieler hochbegabter Musiker:innen aus dem Mittleren Rheintal erforderte natürlich auch entsprechende Auswahl in der Programmierung, und da konnte Markus Pferscher nun unbesorgt in die Vollen greifen. Er war sich der Gefolgschaft seiner ihm durchwegs vertrauten Musiker sicher und meisterte mit ihnen auch anspruchsvolles Repertoire auf bemerkenswertem Niveau. Isabella Pincsek hatte als Moderatorin für das Publikum wie gewohnt die näheren Erläuterungen bei der Hand.
Mit positiver Energie
Gut geerdet und ausgestattet mit einer Portion positiver Energie, oft mit einem aufmunternden Lächeln, leitet Pferscher zunächst als Bewährungsprobe für seine Musiker:innen drei große, schwergewichtige Knüller der klassisch-romantischen Orchesterliteratur, die nicht ohne Herzklopfen, aber auf einem durchaus respektablen Niveau für ein Jugend- bzw. Amateurorchester bewältigt werden. Die Musiker:innen finden rasch zu großer klanglicher Einheit, sauberer Intonation und klarer Artikulation. Pferscher ist manchmal etwas verliebt in einen großen, überdimensional kräftigen Sound, findet aber natürlich auch immer wieder zu sehr feinsinnigen Pianostellen.
Mit festlichen Bläserklängen setzt Edvard Griegs Huldigungsmarsch aus „Sigurd Jorsalfar“ den Beginn, gefolgt von dem gerade in den letzten Jahren zum Konzertsaal-Hit gewordenen blechschweren „Tanz der Ritter“ aus der Ballettmusik zu „Romeo und Julia“ von Sergej Prokofjew. Das farbenreiche Tongemälde „Finlandia“ von Jean Sibelius als eherne Hymne für die Freiheit seines Landes ist ein kämpferisches, revolutionär aufgeladenes Werk mit rhythmisch vertrackten Blechsignalen und weiten Streicherbögen – eine enorme Herausforderung, die die Musiker:innen und ihr Dirigent mit Mut und Können zum Erfolg führen. Großer Applaus schon zur Pause.
Natürlich gilt es, im Programm des zweiten, locker unterhaltenden Teils auch der Bezeichnung eines Neujahrskonzertes gerecht zu werden. Da kommt nun die erweiterte Strauß-Dynastie zu Wort und nur ein Nicht-Wiener, nämlich der Franzose Emil Waldteufel, fügt sich mit seinem elegant auftrumpfenden Schlittschuhläufer-Walzer in dieses lockere Gefüge ein – charmant und in einem sorgfältig konzertanten Tempo gespielt, bei dem es viele Gelegenheiten für ein kleines Innehalten gibt. Carl Michael Ziehrers „Schönfeld-Marsch“ zuvor ist eine stilgerechte Reverenz an die Ära der altösterreichischen Militärkapellmeister, während Schanis feinsinniger Bruder Josef Strauß mit „Arm in Arm“ das biedermeierlich verzopfte Flair einer Polka mazur aus Kaisers Zeiten heraufbeschwört.
Auch für Götzis ein Triumph
Ohne „Donauwalzer“ freilich wäre auch das kein Neujahrskonzert gewesen. Etwas vorsichtig begonnen, erblüht das Werk danach imposant zu klangsatter, meisterlicher Schönheit auf. Dem folgt ein „Radetzkymarsch“, den noch Stunden zuvor der übermütige kanadische Dirigent Yannick Nézet-Séguin, dirigierend durch den Goldenen Musikvereinssaal schreitend, zum Triumph seines Debüts am Pult des Wiener philharmonischen Neujahrskonzertes geführt hat. Ein solcher ist ohne Zweifel auch dieses Götzner Konzert, mit einem beachtlichen Stellenwert in der landeseigenen Musikszene. Chapeau für so viel Einsatz und Engagement!