Garth.s moderner Stilmix erklang im „malerischen“ Rankweil
Planet Nowhere Tour: in Rankweil gelandet und beim Publikum voll eingeschlagen
Sophie Grimmel ·
Mär 2026 · Musik
Garth. ist Musiker und „visual producer“ aus Brooklyn, New York. Sein Sound lässt sich als breiter Stilmix von Hip-Hop über R‘n‘B, Funk und Neo Soul beschreiben, mit Retro-Sounds, dichten Arrangements und ausschweifenden Gesangslinien. Für die „Planet Nowhere Tour“ ist er mit seiner Band aus den USA nach Europa gekommen, das Alte Kino in Rankweil war bereits die vorletzte Station dieser Reise.
Das Konzerterlebnis
Der atmosphärische Einstieg in das Programm erfolgte mit klassisch anmutenden, elektronischen Streichern vom Backing Track, die in komplexen Harmonien erklangen. Während sich Spannung und Vorfreude auf den Künstler im Publikum dadurch steigerten, stellt sich doch unweigerlich die Frage, inwiefern dieser Beginn zum Rest des Sets passt und weshalb er so gewählt wurde.
Der erste Song klang nach gut gemachtem, herkömmlichem R‘n‘B, mit starker Band und prägnanter Stimme. Danach bewegte sich der Sound mehr in Richtung Disco Funk, mit Gesangslinien in Anlehnung an Earth, Wind and Fire, die Garth. auch ganz klar als eines seiner Vorbilder benennt.
Im weiteren Verlauf des Abends fanden sich noch reichliche Anlehnungen an bekannte Hits, so wurde etwa die arabische Skala aus „Candy Shop“ von Rapper 50 Cent in „Superficial“ zitiert und Songs wie „Can I Follow You There?“ zeigten Neo Soul Einflüsse von Silk Sonic, dem Nebenprojekt von Bruno Mars. In der Mitte des Sets trieb Garth. es mit den Anspielungen in einem Stück auf die Spitze: Das Intro vereinte „Sweet Child O‘ Mine“ (Guns N' Roses) mit dem EDM-Sound des 2000er Songs „Freestyler“ (Bomfunk MC's), bevor im Hauptteil „Let‘s Groove“ von Earth, Wind and Fire und „Gold“ von Loi zueinander fanden.
Doch nicht nur aus der Musikszene referenziert Garth. offenbar gerne: Sein Song „Rosemary“ beginnt wortwörtlich mit dem Text „Rosemary, baby“ und könnte in Anbetracht der durchaus kryptischen Lyrics und des immer kehliger werdenden Gesangs durchaus eine Anspielung auf den berüchtigten Horrorfilm „Rosemary‘s Baby“ sein.
Ob sogar der Titel der Planet Nowhere Tour eventuell ein Zitat darstellt und auf das fünfte Album von Razorlight Bezug nimmt, ist nicht eindeutig erkennbar.
Einen interaktiven Höhepunkt des Abends bot ein Call-and-Response-Spiel mit dem Publikum in dem Song „Starlight“ und auch lateinamerikanische Einflüsse wurden im Laufe des Sets zu Gehör gebracht.
Angesichts der häufig eingesetzten Backing Vocals, die Garth.s Sound prägen und auf der Planet Nowhere Tour leider vom Band kommen, stellt sich die Frage, ob der Künstler in Zukunft nicht auch Backing-Sänger auf die Bühne holen möchte. Dadurch wäre es möglich den sehr dominanten Backing Track deutlich zu reduzieren oder vielleicht sogar wegzulassen und auch die Live-Band könnte besser glänzen.
Eine große Stärke des Künstlers bleibt noch zu erwähnen: Garth. weiß auf jeden Fall, wie man sich beim Publikum beliebt macht. Die Gemeinde und umgebende Bergszenerie bezeichnete er als „picturesque“, mehrfach lobte er den lauten Applaus und die gute Energie des Auditoriums, unter anderem mit den Worten: „Rankweil, you’re spoiling us!”
Dem Künstler scheint es in Vorarlberg tatsächlich gut gefallen zu haben, so postete er sogar eine Story auf Instagram darüber und kündigte auf der Bühne an, sehr gerne wieder zu kommen.
Lari + the Wolves als Support
Die energetische Eröffnung von Lari + the Wolves lieferte durch Larissa Schwärzlers stimmliche Glanzleistungen bereits mehrere Highlights, die ihre Wirkung beim Publikum nicht verfehlten. Das kompakte, zwischen Soul und Pop angesiedelte Set bot abwechslungsreiche, dynamisch vorgetragene Songs. Neben „altbekannten“ Hits der Band wurde unter anderem auch das titelgebende Stück „Mask“ des im Oktober 2025 erschienenen Albums präsentiert. Felix Biller am Keyboard und Konstantin Kräutler-Horváth am Drumset glänzten mit beeindruckenden Solos ebenso wie die herausragende Frontfrau der Gruppe. Samuel Wolf und David Ambrosch sorgten mit Gitarre und Bass für den charakteristischen, cleanen Sound.
Einzig zu wünschen bleibt, dass die „Wolves“ sich zukünftig an der Bühnenenergie ihrer Sängerin ein Beispiel nehmen und beim Auftritt ein wenig mehr die „Sau“, oder gerne auch den namensgebenden Wolf, raus lassen.