Fülle, Leben und Tod lagen nahe beieinander
Die Bludescher Orgelkonzerte starteten mit einer Hommage an Gerold Amann
Silvia Thurner · Mär 2026 · Musik

Das Auftaktkonzert der „56. Internationalen Bludescher Orgeltage“ fand in memoriam Gerold Amann statt. Bruno Oberhammer hat für die historische Silbermann-Bergöntzle-Orgel ein exklusives Programm entworfen und die beiden Trompeter Bernhard Bär und Bernhard Lampert zum Zusammenwirken eingeladen. Im Mittelpunkt stand eine eindrückliche Interpretation von „Exitus“, dem letzten Werk von Gerold Amann, sowie eine Fanfare für zwei Trompeten. Den Rahmen bildeten eine wirkmächtige Sonate von Viviani sowie eine Suite von Händel in C-Dur, mit denen die hervorragend aufeinander eingestimmten Musiker den Raum der Pfarrkirche füllten. Weitere Kompositionen des stimmungsvollen Konzertes führten von Laurentius von Schnifis ausgehend bis zur französischen Orgeltradition.

Gerold Amann hat ein breites kompositorisches Schaffen hinterlassen. Einen Schwerpunkt bildeten Übertragungen von Schallaufzeichnungen in Musik. Beide Kompositionen standen exemplarisch für die unterschiedlichen Schaffensfelder des im vergangenen Jahr verstorbenen Komponisten. In „Exitus“ setzte Gerold Amann Protokolle des Herzschlags, des Atems und des Blutdrucks eines sterbenden Menschen in Töne. Durch die fein registrierten Liegetöne der Orgel stellten sich Schwebungen und sich öffnende und schließende Klangwirkungen ein, verstärkt wurden diese durch den ruhigen musikalischen Duktus. Die Aussage erhöhte Bruno Oberhammer mit einem markanten Registerwechsel in die Pedallagen, die zusätzliche Vibrationen im Kirchenraum erzeugten. Vor neun Jahren, am 29. Oktober 2017, brachte Bruno Oberhammer „Exitus“ in Bludesch zur Uraufführung.
Die „Fanfare“ für zwei Trompeten schuf Gerold Amann für die von ihm entdeckte Echowand im Biosphärenpark in Sonntag-Stein. In der Natur tritt die Wandfluh mit den beiden Trompeten in eine verblüffende Kommunikation. Diese fehlte zwar in der Pfarrkirche in Bludesch, doch das Echostück fügte sich wunderbar zu weiteren Kompositionen, die Bernhard Bär, Bernhard Lampert und Bruno Oberhammer interpretierten, etwa die Echowirkungen in Giovanni Battista Vivianis „Sonata con eco“ oder im Allegro der „Sonata I“ von Franz Xaver Schnizer.
Bernhard Bär und Bernhard Lampert spielten auf historischen und modernen Trompeten. Besonders der warme und zugleich urtümliche Klang und die Tonansprache der Naturtrompeten begeisterten beim Zuhören. Wandlungsfähig in der Klanggebung und mit bewundernswerten Piano-Forte-Kontrasten belebten sie die Werkdeutungen.
Einige Werke erklangen vom Altarraum aus. Die Duette boten eine gute Unterhaltung, so auch die schlicht und natürlich gestalteten Lieder „Schönes Morgenlicht“, „O Gott, wo bin ich doch“ und „Was kann doch auf Erden“ des Laurentius von Schnifis. Gleichzeitig erinnerten auch diese Darbietungen an Gerold Amann. Er hat sich wissenschaftlich mit Laurentius von Schnifis auseinandergesetzt und seine Lieder musikalisch aufbereitet.

Ein Ahornbaum als Dankeschön

Den charakteristischen Klang der historisch wertvollen Silbermann-Bergöntzle-Orgel setzte Bruno Oberhammer wirkungsvoll in Szene. Mit seiner transparenten Spielart zeigte er überdies die Vielseitigkeit des Instruments auf. Besonders eindrücklich war dies in Jean-Adam Guilains drei Sätzen aus den „Pièces d’orgue pour le Magnificat“. Zart kamen die Verzierungen in dunklen Klängen im ersten Stück, „Plein Jeu“, zum Ausdruck und raffiniert registriert erklangen die virtuos dargebotenen Sätze „Tierce en Taille“ sowie „Grand Jeu“.
Seit 55 Jahren kuratiert und organisiert Bruno Oberhammer die Bludescher Orgelkonzerte. In etwa 300 Konzerten brachte er die wertvolle Orgel zum Klingen, wie Bürgermeister Martin Konzet in einer Dankesrede aufzeigte. Bruno Oberhammer zu Ehren und für seine Verdienste rund um die Orgelkonzerte im Laufe der vergangenen 55 Jahre wurde vor der Pfarrkirche ein Ahornbaum gepflanzt. Passend und humorvoll spielten Bernhard Bär und Bernhard Lampert zum Abschluss das Duett „Der Kuckuck“ von Romanus Weichlein.

Tipp
Das nächste Konzert der Bludescher Orgelkonzerte 2026 findet am 31. Mai, um 17 Uhr in der St. Nikolauskirche statt.

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