Frauenpower mit feinen Nuancen und klanglicher Wucht
Die Brassband Vorarlberg setzte mit „Brassband*in“ einen Markstein
Silvia Thurner · Feb 2026 · Musik

Benjamin Markl, der künstlerische Leiter der Brassband Vorarlberg, hatte eine herausragende Idee und landete damit einen Volltreffer. Er lud die schottische Musikerin und Dirigentin Katrina Marzella nach Vorarlberg ein und stellte mit ihr ein Konzertprogramm zusammen, das ausschließlich Werke von Komponistinnen umfasste. In der Kulturbühne AmBach präsentierte die bestens aufgestellte Band bildreiche und inspirierende Werke, hauptsächlich von britischen und irischen Komponistinnen des 20. Jahrhunderts. Die energiegeladene Spielart der Musiker:innen sowie zahlreiche Soli begeisterten das Publikum. Viel Applaus erhielt die Solistin Lienne Gmeiner für ihr virtuoses Xylophonsolo in Andrea Prices „Fling“.

Das Konzert der Brassband Vorarlberg entwickelte im Laufe des Abends einen enormen Drive, denn mit jedem Werk spielten sich die umtriebigen Musiker:innen in einen Flow, der die besonderen Qualitäten der Brassband zur Geltung brachte. Auf dem Programm standen ausschließlich Werke des 20. Jahrhunderts.
Vorerst wirkte die Brassband in „Georgetown“ von Dorothy Gates noch etwas verhalten. Konzentriert wurde die Suite „The unfortunate Traveller“ von Imogen Holst dargeboten. Das Werk ist eng am Duktus eines symphonischen Werkes orientiert. Auf die thematischen Entwicklungslinien ließen sich die Musiker:innen ein und formten die dynamischen Steigerungen in den einzelnen Stimmregistern transparent aus.
In dieser Spielweise aufeinander eingestimmt, breitete die Band das Werk „Into the Darkness they go, the Wise and the Lovely“ von Kelly Marie Murphy feinsinnig gestaltete Klangflächen aus. Daraus kristallisierten die Schlagwerker:innen sowie die tiefen Stimmregister satte Tonballungen, die sich mit großer eruptiver Kraft entluden.

Eindrücklich geformte Erschütterung

Den ersten Höhepunkt lieferte die Brassband Vorarlberg mit dem Werk „Hope“ von Dorothy Gates. Sie war im Jahr 2006 von Kriegsbildern aus Gaza erschüttert. Damals wie heute sind die Gräuel unverändert, sodass die Musik eine beklemmende Aktualität verströmte. Ausgehend von einem Trauermarsch mit arabisch klingenden Tonlinien wurde die Spannung stetig gesteigert. Schließlich „überschlugen“ sich die Ereignisse: Sirenengeheul, ineinander verflochtene, scharf nach unten zielende Tonsequenzen, Tonballungen und Clusterklänge erzeugten eine überwältigende musikalische Wucht. Aus diesem „Chaos“ führte ein Lamento, das den musikalischen Duktus und die Emotion allmählich umdeutete. Die zuvor bedrohlich nach unten geführten Floskeln erklangen in versöhnlichen Klangfarben und wurden, dem Prinzip Hoffnung folgend, nach oben geführt.

In einem freudvollen Austausch miteinander

Abwechselnd und in bester Spiellaune leiteten Benjamin Markl und Katrina Marzella die dargebotenen Kompositionen und ergänzten einander hervorragend. Während Benjamin Markl mit viel tänzerischem Ausdruck und großer Körperspannung die Band führte, zeichnete sich das Dirigat von Katrina Marzella durch eine auf subtile Klangbilder gerichtete Ausdruckskraft aus.
Im zweiten Set bot die Werkauswahl viel Abwechslung, wirkte aber mitunter etwas heterogen. Ein funkiger Sound und gleißende Klänge prägten „IRL“ von Lucy Pankhurst. Im Werk „Dancing Lights“, ebenfalls von der britischen Komponistin Lucy Pankhurst, zeichneten der Solist Markus Mikusch am Euphonium und die Band die irrlichternden Themen virtuos nach und bauten sie zu imposanten Klangtürmen auf. Das Posaunenquartett mit Jan Ströhle, Thomas Wittwer, Andreas Hofer und Thomas Halfer führte die Zuhörenden mit „Brukdown“ von Errollyn Wallen nach Mittelamerika, wo es von mitteilungsfreudigen musikalischen Arbeitsliedern erzählte. 

Virtuos und mit Aufforderungscharakter

„The Awakening“ von Liz Lane gestalteten die Moderatorin Bettina Barnay-Walser als Sprecherin und die Brassband Vorarlberg gemeinsam. Zitate von Marie Curie und Ella Fitzgerald bildeten Aufrufe zu individuellem Verantwortungsbewusstsein und motivierten zu mutiger Eigeninitiative. Die Band breitete zuerst reflektierende Klangflächen aus und baute diese mit einer ausgewogenen Klangbalance zu einer choralartigen Hymne aus, wirkungsvoll unterstrichen von der Pauke.
Einen zweiten Höhepunkt brachte Lienne Gmeiner am Xylophon ein. Mit perlenden Phrasen führte sie die bekannte Melodie „Fling“ von Andrea Price und gestaltete die chromatischen Linien virtuos aus.
Zum Schluss motivierten Benjamin Markl und Katrina Marzella die Konzertbesucher:innen zum Mitsingen. Sie machten freudig mit und so bereitete das berühmte Stück „Candyman“ viel Vergnügen und sorge für eine ausgelassene Stimmung.

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