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05.06.2014 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (6.6. - 12.6. 2014)

Das TaSKino Feldkirch zeigt diese Woche Luc Jaquets Dokumentarfilm "Das Geheimnis der Bäume", der in großartigen Bildern vom Entstehen und Sterben der Regenwälder erzählt. Das Takino Schaan präsentiert im Kunstmuseum Liechtenstein mit Jean Cocteaus "Orphée" einen Klassiker der Filmgeschichte, bei dem es ebenfalls, wenn auch auf ganz andere Art und Weise um Entstehen und Vergehen geht.

Das Geheimnis der Bäume: Oscar-Preisträger Luc Jacquet  ("Die Reise der Pinguine") lässt den Botaniker Francis Halle, der sich sein Leben lang mit dem Regenwald beschäftigte, über die Genese und das Sterben der Regenwälder erzählen.
Mit grandiosen Naturaufnahmen, ergänzt durch Computeranimationen, gegen die man zunächst Bedenken hegen mag, die sich dann aber recht organisch in den Film fügen und ohne die sich diese Evolutionsgeschichte nicht erzählen lässt, zeichnet der französische Dokumentarfilmer, begleitet von Halles Kommentar, die sich über Jahrhunderte hinziehende Entwicklung des Regenwaldes nach. Einblick wird in eine faszinierende, weitgehend unbekannte Welt geboten, in symbiotische Lebensformen von Bäumen und Ameisen, in Abwehrmechanismen der Bäume gegen Raupen, die wieder zu einer Vermehrung der Arten führen, in einen Prozess des Werdens und Vergehens.
Selten packend erlebt man einen Kampf von Ameisen gegen eine Raupe und bekommt einen faszinierenden Eindruck von der Artenvielfalt und Farbenpracht unter den Kronen der alles überragenden Moabi-Bäume, die selbst aber auch einmal unter ihrer eigenen Last zusammenbrechen.
Faszinierend ist dieser Dokumentarfilm in seinen Bildern, und doch gibt es auf anderen Ebenen Einwände. So wäre die durchgängige Musikbegleitung zur Dramatisierung nicht nötig gewesen und der didaktische Kommentar Halles, der in der deutschen Fassung von Bruno Ganz gesprochen wird, macht „Das Geheimnis der Bäume“ zu einer sehr belehrenden Angelegenheit.
TaSKino Feldkirch im Kino Rio: Fr 6.6. bis Di 10.6.

Orphée: Der antike Mythos von Orpheus, der in die Unterwelt hinabsteigt, um seine früh verstorbene Gattin Eurydike zurückzuholen, sie zwar erhält, aber dann doch wieder verliert, weil er gegen das Gebot der Götter verstößt und sich auf dem Rückweg umdreht, spielt eine zentrale Rolle im Werk Jean Cocteaus. Der Franzose verlegt den Mythos ins Paris der Gegenwart und erzählt vom  gesellschaftlich erfolgreichen Dichter Orphée, der sich den tödlichen Hass seiner Leser zuzieht. In einer Auseinandersetzung mit einer feministischen Künstlergruppe wird er ermordet und daraufhin ins Reich der Imagination und des Todes entführt. Dort verliebt er sich in Madame La Mort und sie sich ihn. Durch diese Allianz erhält der Dichter das Leben zurück.
Cocteau zieht den Zuschauer in ein kunstvoll verschachteltes Labyrinth aus poetischen Zeichen, mythologischen Anspielungen und ironischen Seitenhieben auf die Situation des modernen Künstlers, der laut Cocteau unaufhörlich sterben muss, um zu werden. Zentrales Bild ist dabei der Spiegel als Ort zwischen Sein und Schein, Erkennen und Zweifeln und Symbol für die Dialektik zwischen Sehen und Gesehen werden. Die verblüffenden cinematographischen Tricks, zum Teil aus dem spielerischen Umgang mit Technik und Zufall entstanden, haben ihren Charme über die Jahrzehnte bewahrt.
Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz: Do 12.6., 20 Uhr

Das Geheimnis der Bäume

Das Geheimnis der Bäume

Orphée

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