Aktuell in den Filmclubs (5.3. - 11.3. 2012)
Mit „The Ides of March“ läuft im Kino Madlen in Heerbrugg diese Woche ein zwar konventioneller, aber packender Thriller, der an das US-Kino der 70er Jahre anknüpft. Der FKC Dornbirn zeigt dagegen im Cinema 2000 mit Cary Fukunagas „Jane Eyre“ eine meisterhafte Neuverfilmung von Charlotte Brontés klassischem Roman.
The Ides of March: In seinem vierten Spielfilm als Regisseur wirft George Clooney den Zuschauer mitten in die Vorwahlen um den demokratischen Präsidentschaftskandidaten. Im Mittelpunkt steht aber weniger der kandidierende Gouverneur Mike Morris (George Clooney) als vielmehr dessen erfahrener Wahlkampfleiter Paul Zara (Philip Seymour Hoffmann) und der junge Polit-Berater Stephen Meyers (Ryan Gosling). Mit dessen Augen lässt Clooney den Zuschauer hinter die schmutzigen Praktiken im Wahlkampf blicken, deckt schonungslos auf, wie hier intrigiert, manipuliert und verraten wird, lässt den Wahlkampfhelfer bald tief stürzen und dann wieder, nachdem er gelernt hat, die Moral über Bord zu werfen und selbst mit den schmutzigen Tricks zu arbeiten, wie Phönix aus der Asche ganz groß aufsteigen.
Die Einblicke, die in diesem an Shakespearesche Königsdramen erinnernden Thriller in das politische Intrigen- und Machtspiel geboten werden, überraschen zwar kaum und an Brisanz und Sprengkraft mag es „The Ides of March“ damit zwar fehlen, packend ist das in der sachlich-nüchternen Erzählweise dennoch. Unterstützt wird diese freilich von einem exzellenten Ensemble. Während Clooney als Präsidentschaftskandidat eher eine Nebenrolle spielt, brillieren Philip Seymour Hoffmann und Ryan Gosling als seine Wahlkampfleiter ebenso wie Paul Giamatti als ihr Gegenpart auf der Seite des Konkurrenten.
Kino Madlen, Heerbrugg: Mo 5.3., 20.15 Uhr
Jane Eyre: Schon über 20 Mal wurde Charlotte Brontés 1847 erschienenes Romandebüt verfilmt. Überraschend hat sich nun Cary Fukunaga, der mit dem quasidokumentarischen Flüchtlingsdrama „Sin nombre“ ein starkes Debüt vorlegte, dieses klassischen Stoffes angenommen. Auf Modernisierungen verzichtet der 34-jährige Amerikaner konsequent, zeigt vielmehr großen Respekt vor dem Original, das er mit sehr viel Feingefühl und atmosphärisch dicht für die Leinwand adaptierte.
Meisterhaft korrespondiert die Beherrschung der Titelfigur, die als Gouvernante in Thornfield Hall arbeitet, aber ihre Liebe zum Hausherrn unterdrückt, mit der beherrscht-zurückhaltenden Inszenierung. Fukunaga pusht Gefühle nicht auf, dramatisiert nicht, sondern lässt sie in der ruhigen Erzählweise vielmehr in den Bildern und den Gesichtern erahnen.
Man spürt in Mia Wasikowskas Blicken, wie sehr sie Rochester liebt und welche Kraft es ihr abverlangt, diese Gefühle nach außen hin zu unterdrücken. Nicht weniger eindringlich spielt Michael Fassbender den von einem dunklen Geheimnis umgebenen Mr. Rochester. Sanften Grusel bringt das Geheimnis Rochesters und des Herrenhauses in den Film, doch diese Ebene spielt Fukunaga nicht effektvoll aus, sondern benützt sie fast nur als Hintergrund, der schwer über der tiefen Liebe lastet und sie auch entscheidend beeinflussen wird. – Ihr Glück scheint Jane nicht finden zu können und deutet sich ein Happy End an, kippt die Handlung auch sogleich ins Gegenteil.
Leicht hätte so ein Stoff zur Schnulze werden können, der Ernst, die Zurückhaltung und die Konzentriertheit, mit der Fukunaga erzählt, verhindern aber das Abgleiten ins Sentimentale. Da wirken auch original von Bronté übernommene Dialoge nicht verstaubt, sondern bringen sowohl tief empfundene Gefühle als auch in der Steifheit schmerzlich die jeweilige Beherrschung und gespielte Distanz eindringlich zum Ausdruck.
FKC Dornbirn im Cinema 2000, Dornbirn: Mi 7.3., 21.30 Uhr; Do, 8.3., 19.30 Uhr