Aktuell in den Filmclubs (27.2. - 4.3. 2012
Mit „Die Kinder vom Napf“ läuft diese Woche im Heerbrugger Kino Madlen ein Dokumentarfilm, der in ein abgelegenes Dorf im Kanton Luzern entführt. In der Kammgarn Hard dagegen wird in „I Love You Phillip Morris“ eine schwule US-Liebesgeschichte mit einer Hochstapler- und Trickbetrügergeschichte verknüpft.
Die Kinder vom Napf: Die Luzernerin Alice Schmid begleitete ein Jahr lang mit der Kamera eine Gruppe von Kindern der abgelegenen Gemeinde Romoos (Kanton Luzern). Man sieht die kleinen Protagonisten auf dem 10 km langen Schulweg, im Unterricht und zu Hause. Keine Handys, keine Computerspiele, keine Barbie-Puppen und „Hello Kitty“-Produkte gibt es hier, die Freizeit spielt sich großteils in der freien Natur ab. Spiel und Arbeit gehen dabei ganz selbstverständlich ineinander über, wenn die Kinder Mausefallen aufstellen, sich um die Hühner kümmern oder beim Mähen, Heuen und Mosten helfen.
Wie sich mit den Jahreszeiten Vegetation, Licht und Farben der Natur ändern, so ändern sich auch die bäuerlichen Arbeiten. In ruhigem Rhythmus spannt Schmid den Bogen über das Jahr, wechselt zwischen Landschaftsaufnahmen der unberührten Natur und Statements der Kinder, die sichtlich in ihrer Umwelt verwurzelt sind. Negatives wird in dem ganz auf Kinderhöhe bleibenden und auf Kommentar verzichtenden Dokumentarfilm weitgehend ausgespart.
In diesem Traum von einer heilen Welt ist „Die Kinder vom Napf“ zweifellos ein konservativer Film, kitschig wird es aber nie. Denn Schmid gelingt es, auch dank der wunderbar natürlich agierenden Kinder, eindrücklich die Geborgenheit zu beschwören, die ein Leben bringt, bei dem Arbeit und Freizeit, Mensch und Natur im Einklang sind, und weckt auch im Zuschauer Sehnsucht nach dieser inneren Ruhe und Harmonie.
Kino Madlen, Heerbrugg: Mo 27.2., 18 Uhr
I Love You Phillip Morris: „This really happened“ und weil die folgende Geschichte so unglaublich ist gleich nochmals „It really did“ betonen zwei Inserts während des Vorspanns. Vom Totenbett aus erzählt Steven Russell (Jim Carrey) sein Leben, streift kurz seine Kindheit als adoptiertes Kind, um dann auf seine Ehe und sein Familienleben zu blicken. Herrlich überzeichnet wird hier das kleinbürgerliche amerikanische Idyll und das Voice-over von Steven ermöglicht zudem ein hohes Erzähltempo, aber auch mal einen Sprung aus der Chronologie, die ihn zu einem Neuansatz der Erzählung zwingt.
Denn bei einem Autounfall entdeckt Steven seine Homosexualität und zieht radikal seine Konsequenzen, verlässt Frau und Kind, gibt seinen Job auf und zieht nach Florida. Bald stellt er aber fest, dass schwul sein teuer ist. Damit er und sein Geliebter Phillip Morris (Ewan McGregor) sich dennoch ein Leben in Luxus leisten zu können, entwickelt er sich zum genialen Hochstapler und Trickbetrüger.
Obwohl die Geschichte irrwitzig ist und der offene Umgang mit Homosexualität, der für einen mit Stars besetzten US-Film keineswegs selbstverständlich ist, erfrischend wirkt, vermag das Regiedebüt von John Requa und Glenn Ficarra nicht ganz zu überzeugen. Denn das Regieduo kann sich leider nicht ganz entscheiden, ob sie ihren Film als großen romantischen Liebesfilm oder schrille Komödie anlegen wollen. Für letzteres sorgt die Turbulenz der Handlung und Jim Carrey, der zwar weniger als sonst, aber immer noch genug grimassiert, für die Romantik dagegen Momente, in denen kräftig aufs Gefühl gedrückt wird, wenn das Paar im Gefängnis tanzt oder Steven schwer erkrankt.
Auch lässt es „I Love You Phillip Morris“ etwas an Haltung vermissen, aber über solche Schwächen täuschen Jim Carrey und Ewan McGregor locker hinweg: Sie sind einfach ein hinreissendes Paar und ihrer wiilden Beziehung folgt man mit viel Vergnügen.
Kammgarn Hard: Mi 29.2., 20.30 Uhr