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24.09.2015 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (25.9. - 1.10. 2015)

Zum letzten Mal läuft diese Woche am Spielboden Dornbirn „Selma“, in dem Ava DuVernay packend vom Kampf der Afroamerikaner ums Wahlrecht erzählt. In die abgeschiedene Bergwelt Korsikas entführt dagegen „Das Haus auf Korsika“, der in der Provinzwerkstatt in Nenzing auf dem Programm steht.

Selma: Im rassistischen Alabama spitzte sich Mitte der 1960er Jahre der Kampf der Afroamerikaner um Wahlrecht zu. Ava DuVernay konzentriert sich ganz auf diese Ereignisse und den damit verbundenen Marsch von Selma, Alabama, nach Montgomery, zeichnet dabei aber gleichzeitig ein starkes Porträt des charismatischen Martin Luther King.
Das ist zunächst einmal ein geradlinig inszenierter Film, der den Zuschauer mit seiner klaren Position ins Geschehen zieht und speziell in den Szenen weißer Gewalttaten große emotionale Kraft entwickelt.
Großartig ist David Oyelowo als Martin Luther King. Er ähnelt nicht nur äußerlich dem Bürgerrechtskämpfer, sondern besticht auch in den großen Reden in der Nachahmung Kings, erweckt ihn quasi zum Leben. Eindrücklich zeigen diese Szenen auch die Kraft des Wortes und die rhetorische Brillanz Luther Kings.
Gleichzeitig ist "Selma" aber auch ein universeller Film über die Macht des Volkes, das auch ganz ohne Gewalt mit Hartnäckigkeit und wiederholtem Protest seine Forderung durchsetzen kann. In der Konzentration auf diese Ereignisse in Selma entgeht DuVernay der Gefahr des Abgleitens ins anekdotische Erzählen, kann eine durchgehende Handlung entwickeln, fokussiert zwar auf Martin Luther King „als großem Mann, der Geschichte macht“, kann daneben aber auch Nebenfiguren gewisses Profil verleihen.
Plastisch lassen sich hier vor allem die verschiedenen Bühnen herausarbeiten, auf denen King zu agieren hat, und beängstigend die Macht des von Edgar J. Hoover geleiteten Polizeiapparats aufdecken.
Spielboden Dornbirn:
Fr 25.9., 20 Uhr

Das Haus auf Korsika: Christina (Christelle Cornil) hat zwar Kunst studiert, doch jetzt steht sie in der belgischen Bergarbeiterstadt Charleroi, deren wirtschaftliche Tristesse sich in den grauen und kalten Winterbildern von Hichame Alaouié spiegelt, so ohne Job da wie ihr aus Italien immigrierter Vater (Roberto d´Orazio). An die Brüder Dardenne lässt „Das Haus auf Korsika“ nicht nur in dieser Schilderung des Milieus denken, sondern auch wenn die Kamera Christina hautnah im Rücken folgt.
Als sie von ihrer Großmutter ein Haus auf Korsika erbt, beschließt sie es nicht sofort zu verkaufen, sondern sich selbst anzuschauen – und erlebt auch sogleich eine Überraschung, denn das Erbstück liegt nicht am Meer, sondern inmitten der Berge und weitab jeder Zivilisation.
Der Belgier Pierre Duculot erzählt eine einfache und ziemlich vorhersehbare Geschichte, aber im genauen Blick für Situationen und Menschen, in der unaufgeregten Erzählweise und in der Einbettung in die Landschaft gewinnt dieses Regiedebüt poetische Kraft. Als Gegenpol zur tristen belgischen Kleinstadt wird die korsische Bergwelt zwar aufgebaut, doch nie wird sie idyllisch verklärt, sondern immer auch gezeigt, was ein Leben in diesem rauen Umfeld vom Menschen abverlangt.
Mit der von Christelle Cornil, aus deren Perspektive Duculot konsequent erzählt und die in jeder Szene präsent ist, frisch und natürlich gespielten Protagonistin taucht der Zuschauer ein in diese Welt und kann den Wandel und Aufbruch der jungen Frau nachvollziehen. Man sieht und spürt eben nicht nur die Härte eines Lebens ohne Strom und fließendes Wasser, sondern auch die Kraft, die man aus diesem ursprünglichen und einfachen Leben, aus der Stille und der Reduktion auf das Essentielle beziehen kann.
Provinzwerkstatt, Nenzing (Gamperdonaweg 2): Do 1.10., 20 Uhr

Selma

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Das Haus auf Korsika

Das Haus auf Korsika

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