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14.05.2015 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (15.5. - 21.5. 2015)

Zwei Filme mit homosexueller Thematik sind diese Woche in den Filmclubs zu sehen. Im Filmforum Bregenz läuft „W imie… - Im Namen des…“, in dem die Polin Malgoska Szumowska vom Dilemma eines homosexuellen Priesters erzählt. Am Spielboden Dornbirn steht dagegen Alain Guiraudies sehr reduzierter, aber in seiner Offenheit verstörender „L´inconnu du lac - Der Fremde am See“ auf dem Programm.

L´inconnu du lac - Der Fremde am See: Als Idyll erscheint der südfranzösische See, der ein Treffpunkt von Schwulen ist, zunächst und die Sommerstimmung verstärkt diesen Eindruck. Weitgehend auf Alltägliches konzentriert sich Alain Guiraudie, zeigt die Gespräche, den Sex im Wald, das Herumhängen, das Schwimmen. Doch spätestens wenn Franck auftaucht, zerbricht diese scheinbare Idylle und es entwickelt sich ein leister Thriller.
Große Faszination entwickelt „Der Fremde am See“ durch seine Reduktion. Guiraudie zeigt scheinbar alles offen und lässt gleichzeitig viele Leerstellen. Kaum etwas erfährt man über die Figuren, die Handlung beschränkt sich ganz auf den See, auf das Suchen nach einem Partner und den Sex, der explizit, aber nie voyeuristisch gezeigt wird.
Faszination entwickelt sich dabei auch durch den Perspektivenwechsel, wenn man einmal den Blick Francks übernimmt, dann wieder von außen auf Franck blickt, durch den Wechsel von Begehren und Angst, durch wiederkehrende Einstellungen des Parkplatzes und den Wechsel der Tageszeiten vom hellen Tageslicht bis in die Nacht, aber auch durch das Spiel mit dem Märchenhaften und Surrealem, wenn in einer Geschichte von einem fünf Meter langen Wels, der Menschen im See frisst als Symbol für das Unheimliche, das in der Tiefe des Sees lauert, das Unergründliche des Menschen gespiegelt wird.
Spielboden Dornbirn: Fr 15.5., 20 Uhr


W imie… – Im Namen des…:
Nicht zuletzt um seiner homosexuellen Neigung zu entfliehen, ist Adam Priester geworden. Doch das Begehren brodelt in ihm und lässt sich nicht auf Dauer verdrängen.
Überzeugend bringt Malgoska Szumowska die Zerrissenheit des von Andrzej Chyra eindringlich gespielten Pfarrers auch durch die filmische Form zum Ausdruck.  Auf der einen Seite vermittelt sie mit beweglich und hautnah geführter Handkamera, mit der der Zuschauer mitten ins Geschehen versetzt wird, immer wieder den Aufruhr der Gefühle und die innere Unruhe. Diesen Szenen gegenüber stehen lange ruhige Einstellungen, die mit der äußeren Beherrschung und der Unterdrückung des Innenlebens korrespondieren.
Während die Menschen zu ihm kommen, um ihre Sünden zu beichten, hat Adam niemanden, um sich auszusprechen. Wie ein Gefangener durch ein Gitter wird er gefilmt, als er einen anderen Priester aufsucht, der aber keine Zeit für ihn hat.
Szumowska benützt das gerade im katholischen Polen heikle Thema nicht für eine wütende und polemische Attacke gegen die Sexualmoral der Kirche, sondern beschränkt sich darauf bewegend und einfühlsam die Einsamkeit und Verzweiflung des Priesters zu schildern. Wirkungsvoller als mit scharfer Kritik zielt „W imie… - Im Namen des…“ in diesem Blick auf das Leiden, bei dem Adam immer wieder im Stil von Mantegnas „Beweinung Christi“ gefilmt und damit in Bezug zur Passionsgeschichte Christi gesetzt wird, darauf ab auch die Entscheidungsträger zum Überdenken ihrer Position zu bewegen. Wie beglückend und befreiend das für alle Betroffenen sein könnte, zeigt Szumowska in ihrer Hoffnung verbreitenden Schlusswendung.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Sa 16.5., 22 Uhr

L´inconnu du lac - Der Fremde am See

L´inconnu du lac - Der Fremde am See

W imie... - Im Namen des...

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