Feldkircher Kirchengeläute und Perkussion
Ein fulminantes Konzert mit Seltenheitswert bei den Montforter Zwischentönen
Silvia Thurner · Nov 2025 · Musik

Das Jubiläum FELDKIRCH EINHUNDERT feierten die Montforter Zwischentöne mit einem außergewöhnlichen Konzert für Kirchenglocken und Perkussion. Der mitreißenden Performance setzten die Musiker:innen mit der Uraufführung des Auftragswerkes „Pilgrim Trance“ von Emil Kuyumcuyan die Krone auf.

Vanessa Porter und Emil Kuyumcuyan, international erfolgreiche Perkussionist:innen und Studierende aus Frankfurt am Main, Karlsruhe und Feldkirch, versetzten den Festsaal der Stella Musikhochschule mit einem beeindruckenden Arsenal an allen erdenklichen Schlaginstrumenten sowie Electronics und Zuspielungen von Kirchenglocken der Feldkircher Stadtteile in Schwingung. 
Obwohl Kirchengeläute von vielen kaum als Musik empfunden werden, wirken sie doch als identitätsstiftende und prägende Klangereignisse. Die musikalischen Qualitäten der klingenden Glocken rückten Folkert Uhde und Hans-Joachim Gögl in den Fokus der Aufmerksamkeit und vergaben einen Kompositionsauftrag an den vielseitigen Künstler Emil Kuyumcuyan. Der Perkussionist und Komponist unterrichtet an der Hochschule in Frankfurt am Main. In der gleichen Funktion ist seine Ensemblepartnerin Vanessa Porter in Karlsruhe tätig und so ergab sich, zusätzlich zur ausgefallenen Idee, Glocken und Perkussion mit Elektronik zueinander in Beziehung zu setzen, eine willkommene Kooperation der drei Hochschulen.

Im Austausch miteinander

Im dreiteilig angelegten Konzert erklangen zunächst Kompositionen aus dem Duo-Projekt "Better me" von Emil Kuyumcuyan. Sogleich zogen Vanessa Porter und Emil Kuyumcuyan in „Trials“ mit ihrer intensiven Musizierhaltung zwischen Vibrafon und Marimba die Aufmerksamkeit auf sich. Prägnant und kraftvoll verwoben sie fugiert einsetzende Patterns und breiteten einen Klangteppich aus, in den sie lyrische Inseln einschrieben: Einmal klang ein Blues an, kraftvolle Passagen mit tiefen Basstönen implizierten schwingende Glocken.
In „Calls“ wurden Morsezeichen und gehämmerte Tonskalen zu intensiven Klangballungen geführt. Mit harten Akzenten schleuderten sich Vanessa Porter und Emil Kuyumcuyan die Rhythmen zu. Leichtigkeit brachte das souveräne Spiel mit den Maracas. Auch in diesem Werk wurde durch die allmähliche Verdichtung ein Glockengeläut impliziert. 
Mystisch wurden im bogenförmigen Werk „Your Stories“ Samples und gestrichene Töne miteinander verwoben, bevor der musikalische Fluss drängend intensiviert und vorangetrieben wurde. 
Glocken als Melodie tragende Elemente setzte das Perkussionsduo in „Last Duty II“ ein, das sich allmählich zu einem funkigen Stück mit archaischer Wirkung entwickelte. Die Ausdruckskraft wurde durch die faszinierende Synchronizität der Duopartner eindrucksvoll unterstrichen.

Impulsive archaische Kraft und naturhafte Stimmung

In „Hierophonie V“ für Schlagzeugsextett von Yoshihisa Taïra musizierten die Studierenden Patryk Szczechowski, Tingwei Jiang, Yiling Cai, Thibault Keith, Zeynep Nacarkahya, Elisa Lazaro Hernando, Philipp Roman, Lukas Burtscher im Kollektiv. Sie erhielten mit der Aufführung eine willkommene Gelegenheit, dieses ausgefallene Werk zu interpretieren. Die Körperhaftigkeit der Musik intonierten die Musiker:innen mit impulsiven Schreien, an die sie perkussive rhythmische Floskeln anschlossen. Die anschließende Beruhigung in naturhaften Tönen und Geräuschen kam durch die feinsinnige Reduktion der Mittel zustande. Mit einem guten Gespür für- und in Kommunikation miteinander wurde diese Passage ausgestaltet.

Eine Uraufführung mit vielschichtigen Verbindungslinien

Ein gemeinsamer Gestaltungswille zeichnete auch die Uraufführung des Werkes „Pilgrim Trance“ von Emil Kuyumcuyan aus. Im Auftrag der Montforter Zwischentöne verfasste der aus Istanbul stammende Weltbürger und vielseitige Künstler ein ausdrucksstarkes neues Werk für 10 Schlagzeuger:innen. Dass er in sich unterschiedlichste musikalische Stilrichtungen vereint, kristallisierte sich spannend heraus. Musikalisch geistreich wurden die Geläute der Kirchen der Feldkircher Stadtteile in ein großes Ganzes integriert.
Die unmittelbare Kraft der Perkussionsinstrumente, die in unzähligen Klangereignisse und Kommunikationsmustern zueinander in Beziehung gesetzt wurden, ermöglichte im Festsaal der Stella ein mitreißendes Klangerlebnis. Auch die Sprache diente als musikalisches Ausgangsmaterial und verlieh dem dicht verwobenen Klanggeschehen eine mitteilsame und zugleich weiche Atmosphäre. Dynamisch spitzten die Musiker:innen den archaischen, musikalischen Fluss bis zum Kulminationspunkt zu und überließen am Schluss einer Glocke die ganze Bühne. 

 

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