Feinsinniger Jazz und archaische Klangpoesie
Das Ensemble Delydious faszinierte mit nicht alltäglicher Musik
Silvia Thurner ·
Jän 2026 · Musik
Das Neujahrsjazzfestival am Feldkircher Saumarkt hat sich bestens etabliert und ermöglichte eine Wiederbegegnung mit dem Flötisten Günter Wehinger. Der aus Feldkirch stammende und in Basel lebende Jazzmusiker und Komponist war schon jahrelang nicht mehr in Vorarlberg zu erleben. Mit dem Ensemble Delydious musizierte er eigene Kompositionen sowie Arrangements von Debussy und Satie. Der Clou des inspirierenden Konzertes stellte neben den ideenreichen Kompositionen die außergewöhnliche Instrumentierung dar: mit Flöte, Vibraphon, E-Bass sowie Koto, einem japanischen Saiteninstrument.
Günter Wehinger ist bekannt für seine feinsinnigen, melodiebezogenen Kompositionen, die zwischen Jazz und klassischer Tradition changieren. Die durchdachte Themengestaltung, die auf Dialoge zwischen den Instrumentalfarben und einem starken rhythmisch-harmonischen Fundament fußt, entfaltet eine entspannte und mitteilsame Musik. Diese Charakterzüge kamen sogleich im einleitend gespielten Werk „2013“ zur Geltung. In „Flower & Stone“ entwickelte sich ein Klangfluss, der mit abrupten Brüchen und unterschiedlichen Geschwindigkeiten spielte.
Auf seine Ensemblekolleg:innen Karin Nakagawa (Koto), Claire Litzler (Vibraphon) und André Buser (E-Bass) konnte sich Günter Wehinger in jeder Hinsicht verlassen. Mit einem feinen Gespür für musikalische Nuancen stellten alle gemeinsam starke, parallel geführte Passagen in den Raum und bildeten gleichzeitig melodische Gegenpole und Dialoge aus, die aufhorchen ließen. Auch in Wehingers Stücken „Wellen“ sowie „Keep On Traveling“ kristallisierten sich diese Qualitäten heraus. Er spielte die Flöte souverän und mit Leichtigkeit und ließ sich von den anderen Instrumenten tragen. Spannung baute sich vor allem in „Chant magique“ auf, in dem der Flötist mit spieltechnischer Raffinesse und das gesamte Ensemble mit experimenteller Spielfreude die Aufmerksamkeit bündelte.
Die japanische Koto im Klangmittelpunkt
Spektakulär beim Ensemble Delydious ist neben den ausgezeichneten Musiker:innen der Einsatz der japanischen Koto, einer Wölbbrettzither, sowie das souveräne Spiel von Karin Nakagawa auf diesem hierzulande wenig bekannten traditionellen japanischen Saiteninstrument. Während die ursprüngliche Koto über 13 Saiten verfügt, spielt Karin Nakagawa auf einem 25-saitigen Instrument. Für jedes dargebotene Werk stimmte sie ihr Instrument neu und transferierte den ausdrucksstarken Klang mit kreativer Spielfreude in die für dieses Instrument ungewöhnliche Klangwelt des Jazz.
Sie setzte die erdigen tiefen Saiten, teilweise unterstützt mit perkussiver Kraft, wirkungsvoll in Szene. Die hohen Saiten spielte sie melodisch nuanciert mit feinstem Vibrato, setzte Glissandi ein oder scratchte über die Saiten und bereicherte damit das Klangspektrum des Ensembles enorm. Stets präsent ergänzte sie den Melodiepart des Flötisten, war Dialogpartnerin für die Vibraphonistin oder gliederte sich in die rhythmischen Patterns des E-Basses ein. In einen feinsinnigen Dialog trat sie mit Günter Wehinger in dessen Duo „Karin's Letters“.
Ausdrucksstark kam die Musikalität von Karin Nakagawa zudem in ihrem Solowerk zur Geltung. Inspiriert von der Stille und Weite schwedischer Wälder während der Wintermonate, zelebrierte sie eine archaisch anmutende Musik. Den Instrumentalpart ergänzte sie mit Gesang und führte dabei die Vokallinien über unterschiedliche Stimmregister hinweg.
Claire Litzler und André Buser spielten zwar auf weniger exotischen Instrumenten, doch auch ihre Musikalität und Einsatzfreude bereicherten den Quartettklang. Unter anderem war dies in den Kompositionen „Agility“ sowie „Delydious“ aus der Feder des E-Bassisten zu erleben.
Die farbenreiche Besetzung des Quartetts wirkte wie geschaffen für die beiden Kompositionen „Bruyères“ sowie „Clair de lune“ von Claude Debussy. Ursprünglich für Klavier komponiert, unterstrichen die sensiblen Arrangements von Günter Wehinger Debussys Faszination für fernöstliche Klänge. Zudem führten die Musiker:innen die Themen in geistreichen Improvisationen weiter und zogen damit die Zuhörenden in ihren Bann. Auch im Arrangement von Erik Saties „Gnossienne“ kristallisierten Günter Wehinger und das Ensemble Delydious genau diese Qualitäten heraus.