Eine Jubiläumssaison geht zu Ende Michael Löbl · Sep 2026 · Musik

Zehn Jahre Montafoner Resonanzen werden in diesem Sommer gefeiert. Das vorletzte Konzert fand am Freitag in der Pfarrkirche Gaschurn statt. Wald- und Alphörner, eine Orgel sowie ein sehr originelles Programm – wer das erleben wollte, musste sich am Freitagabend in die flächenmäßig größte Gemeinde des Landes aufmachen, nach Gaschurn.

Was hingegen die Anzahl der Einwohner betrifft, ist bis zu einem Podestplatz durchaus noch Luft nach oben. Knapp 1.600 Personen haben in Gaschurn derzeit ihren Hauptwohnsitz. Als eine der letzten Veranstaltungen der Reihe Montafoner Resonanzen waren das Rheingold Quartett und der Organist Michael Schöch in der Gaschurner Pfarrkirche zu Gast. Der Name Rheingold Quartett hat weniger mit Richard Wagner und seinem „Ring“ zu tun, sondern ist eine Kombination aus dem Rheintal, wo das Ensemble 2018 gegründet wurde, und der goldenen Farbe der vier Instrumente – es handelt sich um ein Hornquartett.

Magische Klänge

Alle Mitglieder des Rheingold Quartetts sind in zahlreichen Formationen aber vor allem im Symphonieorchester Vorarlberg tätig: Andreas Schuchter aus Tschagguns, mittlerweile in Duisburg ansässig, und Martin Schöch aus Tirol, der schon lange in Vorarlberg lebt und an den Musikschulen Wolfurt und Bregenzerwald unterrichtet; Christoph Ellensohn, seit 2019 Direktor der Musikschule im Großen Walsertal sowie Lukas Rüdisser, der seit seiner Studienzeit die Münchner Hornszene bereichert.
Nicht alle Kombinationen von Instrumenten funktionieren, einige dafür aber besonders gut. Ein Streichquartett, ein Holzbläserquintett aber auch vier Hörner können absolut magische Klänge produzieren. Das Markenzeichen eines Hornquartetts ist vor allem der große Dynamikbereich vom geheimnisvollen Pianissimo bis zum schmetternden Fortissimo. Das perfekt aufeinander eingespielte Rheingold Quartett kostet diese Bandbreite genussvoll aus und hat mit dem riesigen Alphorn auch einen Eyecatcher im Gepäck.

Ausnahmemusiker aus Tirol

Im Laufe des sehr abwechslungsreichen Konzertes gab es mehrere Settings zu hören und auch zu sehen: vier Alphörner, Orgel solo, Orgel mit vier Hörnern und Hornquartett solo. Alphörner stimmten das Publikum mit der „Abendruhe“ von Hans-Jürg Sommer auf den frühen Abend ein, gefolgt von „Präludium und Fuge für Orgel op. 37“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Der renommierte Organist Michael Schöch ist der Bruder des Hornisten Martin Schöch und lehrt seit über zehn Jahren als Professor für Orgel am Landeskonservatorium Innsbruck. Er ist einer der ganz wenigen Musiker, die sowohl auf dem Klavier als auch auf der Orgel solistisch konzertieren, Kammermusik spielen und zahlreiche CD- und Rundfunkaufnahmen mit beiden Instrumenten aufweisen können. Die internationale Karriere von Michael Schöch nahm ihren Anfang mit dem ersten Preis für Orgel beim ARD-Wettbewerb in München 2011. Das Repertoire dieses Ausnahmemusikers reicht von Sergei Prokofieffs zweitem Klavierkonzert bis zur berühmten Orgelsonate „Der 94. Psalm“ des Liszt-Schülers Julius Reubke.
Die vier Alphörner hatten noch zwei weitere Stücke vorbereitet, beide von Ensemblemitgliedern verfasst: Lukas Rüdisser schrieb die „Walser Fanfare“ und von Andreas Schuchter stammt „Nofatnom“, in dem er jene Töne des Alphorns in den Mittelpunkt stellt, die man normalerweise nicht so gerne und oft spielt. Dazwischen wunderbare, klanglich differenziert gespielte Orgelmusik der Romantik von Josef G. Rheinberger, Max Reger und Louis Vierne. Zu diesem französischen Organisten und Komponisten scheint Michael Schöch eine besondere Affinität zu haben. Derzeit entstehen mehrere CDs mit dessen gesamtem Klavierwerk. Der erste Teil ist bereits erschienen.

Im Himmelreich

Auch eine Auftragskomposition gab es in diesem Konzert zu erleben. Das Rheingold Quartett hat bei dem in Wien lebenden Komponisten Philip Yaeger ein Stück bestellt und auch erhalten. Aus der „Patchwork Suite“ machte der Satz „Prayerfulness“ neugierig auf das gesamte Werk.
Die sechs Orgelsonaten op. 65 von Felix Mendelssohn Bartholdy zählen zu den bedeutendsten Werken für dieses Instrument in der gesamten Literatur. Alle Sonaten basieren auf evangelischen Chorälen, Martin Schöch hat die sechste Sonate in d-moll ausgewählt, der den Choral „Vater unser im Himmelreich“ in den Mittelpunkt stellt. Er spielte dieses komplexe Werk mit außergewöhnlicher Klarheit, technisch brillant und entlockte dem Instrument des Feldkircher Orgelbauers Georg Mayer aus dem Jahr 1885 vielfältigste romantische Klangfarben. Dass das Geschehen rund um die Orgel, das ja auf der Empore stattfand, mit Bildregie auf einen großen Bildschirm im Altarraum übertragen wurde, war ein weiterer positiver Aspekt dieses Konzertes.
Goldener Hornsound at ist best zum Finale: Konzert für vier Hörner und Orchester von Carl Heinrich Hübler in einer Fassung mit Orgel. Das ist ein wunderschönes Werk aus der Zeit der Hochromantik, in dem die vier Solisten ihre klanglichen Qualitäten nochmals voll ausspielen konnten und das man gerne einmal in der originalen Orchesterfassung hören würde.

Vorfreude auf die kommenden Jahre

Zehn Jahre Montafoner Resonanzen – das Festival bringt ein vielfältiges Programm in diese Region, mit einer ausgewogenen Mischung aus internationalen Künstler:innen, heimischen Musiker:innen, mit sechs klar definierten musikalischen Themen und einer ganz speziellen Atmosphäre. Man kann allen Verantwortlichen - dem Stand Montafon, den beteiligten Gemeinden, Geldgebern und natürlich dem Spritus Rector Markus Felbermayer – nur wünschen, dass diese wichtige Kulturinitiative noch mindestens weitere zehn Jahre sowohl Urlauber:innen als auch einheimischen Gästen derart hochklassige Veranstaltungen bieten kann.

 

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