Ein Preis für die Baukulturvermittlung
Die Verleihung des ersten Margarethe und Gunter Wratzfeld-Architekturpreises an Marina Hämmerle würdigt ihre herausragenden Verdienste in der Baukulturvermittlung.
Martina Pfeifer Steiner ·
Dez 2025 · Architektur
Das ist etwas Besonderes: Eine Auszeichnung für bedeutendes Wirken auf dem Gebiet der Baukultur und der wissenschaftlichen, publizistischen sowie edukativen Auseinandersetzung mit Architektur in Vorarlberg. Gestiftet von Architekt Gunter Wratzfeld, in Erinnerung an Margarethe Wratzfeld-Tumler, würdigt der Preis alle drei Jahre herausragende Persönlichkeiten – den Auftakt macht Marina Hämmerle.
Der feierliche Festakt zur Verleihung des ersten Margarethe und Gunter Wratzfeld-Architekturpreises fand im vai in Dornbirn statt, und man wähnte sich vom Besuch her wie bei einer Vernissage, denn an die hundert Leute erwiesen der Geehrten Referenz. Dass das Vorarlberger Architektur Institut Host war, ist kein Zufall, denn Wratzfeld suchte sich wohlweislich – mit dem AzW Architekturzentrum Wien – zwei Institutionen als Kooperationspartner. Für Gunter Wratzfeld, der in seinem Architekturschaffen auch bedeutende Spuren im Land hinterlassen hat – sein Vorlass befindet sich bereits in der AzW-Sammlung –, war klar, die Verantwortung der Auswahl an kompetente Stelle weitergeben zu wollen. Also setzte sich die diesjährige Jury aus AzW-Direktorin Angelika Fitz, vai-Direktorin Verena Jakoubek-Konrad, dazu noch Architekturkritikerin und Publizistin Sandra Hofmeister zusammen.
Pionierin
Es sei eine seltene und bedeutende Geste, wenn Privatpersonen einen solchen Preis – der mit 10.000 Euro dotiert ist! – stiften, würdigt Angelika Fitz den Architekten. Und Gunter Wratzfeld lobt seine verstorbene Frau, die „immer so gut in den finanziellen Büroagenden wirtschaftete, dass etwas übrig geblieben ist …“, die Idee entstand mit seinem Sohn Christian Wratzfeld. „Der Preis zeichnet mit Marina Hämmerle eine Persönlichkeit aus, die sich unermüdlich dem konstruktiven Zusammenwirken der Kräfte in der Baukultur widmet“, steht im Jurystatement. Verena Jakoubek-Konrad, die ja als Direktorin des vai Nachfolgerin von Marina Hämmerle ist, fasst zusammen, wie wesentlich und breit „Marina Hämmerles Arbeit als kontinuierliche, detaillierte und vor allem wirksame Baukulturvermittlung, in der Begleitung von Gemeinden, Gremienarbeit, Publizistik und Kuration“ wirkt und auch zukünftige Impulse setzt.
Für die Ausgezeichnete bedeutet der Preis eine große Wertschätzung. Besonders daran sei, dass Menschen jenseits der Planung damit bedacht werden, die etwas im Feld der Baukultur leisten, die dazu forschen, schreiben, Ausstellungen, Symposien und Vermittlungsformate initiieren – dies brauche es auch. Früher wäre Architektur Allgemeingut gewesen, hatte einen geläufigen Kanon, heute sei es vielfältiger, komplexer und verlange, dass man besser erklärt und die Menschen mit Vermittlungsarbeit abholt. Marina Hämmerle sieht in der erstmaligen Verleihung des Preises an sie auch eine Bestätigung für die jahrzehntelange Arbeit in diesem Feld und den Einsatz, das Ringen um Architektur, Städtebau und Freiraumgestaltung, was unbedingt zusammengehört. Auch als Gestaltungsbeirätin in zahlreichen Gemeinden und Städten wie Salzburg, Memmingen und Landsberg am Lech konnte sie viel bewegen, was Ortsbild und Gemeinwohl zugutekommt. Ihr Sinn für Konzeption, Inhalt und Gestaltung mündete überdies in die Produktion aufsehenerregender Bücher. „Doch meine Arbeit hat immer auch von Intuition gelebt, dass ich mit den richtigen Menschen in Kooperation und Austausch gegangen bin, gerne mehrsprachig und befruchtend aus unterschiedlichen Kulturen …“