Ein Flipperkasten als zum Kunstwerk erhobenes interaktives Readymade
„My favorite work of art“ von Albert Allgaier im Künstlerhaus Bregenz
Karlheinz Pichler · Feb 2026 ·

Im Rahmen eines „Open Call“ lud die Berufsvereinigung bildender Künstlerinnen und Künstler Vorarlbergs ihre Mitglieder dazu ein, Konzepte für ein Format abseits des klassischen Ausstellungsbetriebs einzureichen und dafür das Erdgeschoss des Künstlerhauses in Bregenz zu nutzen. Dort haben sie die Möglichkeit, jeweils für zehn Tage zu experimentieren, kollaborativ zu arbeiten beziehungsweise angedachte oder neugedachte Projekte prozesshaft umzusetzen. Nachdem sich Studierende der Fachhochschule Vorarlberg, betreut von Sarah Schlatter, mit Fotografie als Forschungstool für Kunst und Design sowie als Narration auseinandergesetzt haben, präsentiert gegenwärtig der 1983 in Bregenz geborene Japanologe und Kunstschaffende Albert Allgaier sein Lieblingskunstwerk „My favorite work of art“ in Form eines interaktiven Readymades, nämlich einen Flipperautomaten (Pinball) aus der Serie „The Addams Family“ aus dem Jahre 1992.

Durch die Platzierung im Ausstellungsraum erklärt Allgaier die Flippermaschine zum Kunstwerk, wie dies bereits der französische Künstler Marcel Duchamp (1887-1968) vor über hundert Jahren mit Alltagsgegenständen wie etwa einem Flaschentrockner oder dem berühmten Urinal „Fountain“ (1917) gemacht hat. Bei Allgaiers Gerätschaft kommt allerdings eine soziale Komponente hinzu, denn der Flipperkasten ist interaktiv angelegt und kann von bis zu vier Personen gleichzeitig bespielt werden. Bei der Eröffnung dieser Installation am vergangenen Freitagabend wurde jedenfalls fleißig geflippert. Geld gibt es zwar keines zu gewinnen, aber es ist eine große Herausforderung, den Punkterekord an der Maschine zu brechen. Grand Champion war bis gestern Abend ein gewisser Ali mit sage und schreibe 277.311.390 Punkten. Wer sich an der Maschine also versucht, wird Teil der Installation und trägt dazu bei, dass das Lieblingskunstwerk von Albert Allgaier in den Status einer sozialen Skulptur gehoben wird. Die Position des Besuchers oder der Besucherin verkehrt sich damit vom beobachtenden Subjekt zu einem zu beobachtbaren Objekt. Laut Künstler soll die Haptik, der Klang und die Lichter des Kastens eine multisensorische Erfahrung begründen, die aus einer kybernetischen Choreografie zwischen Mensch und Maschine resultiert.

Gesamtkunstwerk      

Allgaier hat den „Bally Addams Family Pinball“, der vom legendären Pat Lawlor entworfen wurde und viele Designteile aus dem Film „The Addams Family“ enthält, von einem Freund und Sammler ausgeborgt. Dieser Pinball, hergestellt von Bally, gilt als erfolgreichster Flipperautomat der Geschichte, und wer heute einen erstehen will, muss eine fünfstellige Summe auf den Tisch blättern. 
Eine enorme Popularität erlangten Flipperkästen bereits in den 1960er Jahren. Das Grafikdesign mit den speziellen Illustrationen, die dahintersteckende Technik, die wahre Ingenieurskunst bedeutet, und das Sounddesign machten die Geräte zu einer Art Gesamtkunstwerk. Insbesondere das „Backglass“ und das „Playfield“ (Spielfeld) werden als eigenständige Leinwände für Stile wie den psychedelischen Look der 1970er oder den minimalistischen „Pointy People“-Stil der 1960er geschätzt. Wayne Thiebaud, der US-amerikanische Pop-Art-Künstler, malte 1962 das berühmte Werk „Four Pinball Machines“. Er rückte das Gerät schon damals als alltägliches, oft übersehenes Objekt in den Fokus der Hochkultur und betonte dessen grafische und skulpturale Qualität. Flipper waren und sind auch als „Zeitmaschinen“ zu sehen, die soziale Orte wie Kneipen oder Spielhallen und das damit verbundene Lebensgefühl konservierten. In der jüngeren Vergangenheit wurden sie allerdings zusehends vom Computer- und Videogaming verdrängt. 

Open Call

Wer den Pinball von Albert Allgaier, der übrigens auch Co-Kurator der Bregenz-Biennale und Gründungsmitglied der „Gruppe Uno Wien“ ist, ausprobieren und damit ebenfalls zum temporären Bauteil dieser sozialen Skulptur werden will, hat noch bis 8. Februar Gelegenheit dazu, denn diese Open-Call-Beiträge sind jeweils nur für eine Dauer von zehn Tagen angesetzt. Nach Allgaier besetzt der in Wien lebende Künstler Christoph Luger das Erdgeschoss des Palais Thurn & Taxis und versucht, ein großformatiges Tuschebild (250 x 250 cm), von dem nur noch Fragmente vorhanden sind, im Zeitraum vom 13.2. bis 22.2. zu rekonstruieren. 

Die Open-Call-Termine im Überblick:
bis 8.2.: Albert Allgaier 
13.2. – 22.2.: Christoph Luger 
13.3. – 22.3.: Melanie Berlinger und Anna Stemmer-Dworak 
27.3. – 5.4.: Katja Berger, Nicole Malbec, Rhea Standke, Elisabeth von Samsonow, Nándor Angstenberger, Christian Strasser 
10.4. – 19.4.: Bianca Lugmayr

 

 

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